Exkommunizieren oder verherrlichen? Teil 2. Neue Paradigmen auf dem Feld der Ehre
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Exkommunizieren oder verherrlichen?
Teil 2. Neue Paradigmen auf dem Feld der Ehre
Wir setzen die Publikation der der Interaktion der Kirche und der Armee gewidmeten Artikel von Igor Petrovsky fort. Der Autor konzentriert seine Aufmerksamkeit auf den radikalen Wechsel der Einstellung der Kirche zum Militärdienst.
Anfang des 4. Jahrhunderts, nach Jahrhunderten der Bedrückung, beendete die Militärmaschine des Römischen Reiches die brutale Christenverfolgung. Für die Kirche kamen friedlichere Zeiten. Aber ausgerechnet in dieser Periode stieß sie auf neue Herausforderungen, die ihr nicht nur Beständigkeit im Glauben, sondern auch viel spirituelle Nüchternheit abverlangte. Inzwischen sah das Reich im Christentum nicht länger einen Feind, sondern seine neue Ideologie. Diese rasche Transformation des Verhältnisses zwischen Kirche und Römischem Reich war mit dem Namen Konstantin des Großen (272–337) verbunden, der zu Recht als erster christlicher Kaiser in die Geschichte einging. Während Konstantin noch im Jahre 310 die Erscheinung des göttlichen Apoll, dem „Sonnengott“, betrachtet hatte, erlebte er zwei Jahre später im Kampf gegen Maxentius eine andere mystische Erfahrung. Dem Kaiser, so die Überlieferung, soll Christus erschienen sein. Ein Jahr später verkündete er die Glaubensfreiheit, stoppte die Unterdrückung von Christen und erhob das Christentum allmählich in den Rang der öffentlichen Glaubenslehre des Reiches. Das Heidentum dagegen verlor seinen Einfluss auf den Kaiser immer weiter, und immer mehr christliche Gotteshäuser erstanden anstelle der ehemaligen Kultstätten. All das vollzog sich in weniger als 15 Jahren!
Die Umwälzungen in der Epoche Konstantins zählen zu Recht zu den wichtigsten Ereignissen der römischen Geschichte. Die religiöse Revolution des „Großen Kaisers“ wirkte in alle Bereiche staatlichen Lebens hinein, und natürlich ging sie auch an der römischen Armee nicht vorbei. Die perfekte Kriegsmaschinerie, die kurz zuvor noch den Nachfolgern Christi die Knochen gebrochen hatte, wurde zu einem „christliebenden Heer“ erklärt, und im Dickicht der giebligen Zelte römischer Legionäre wuchsen neue Zelte mit farbigen „Baldachinen“– die Feldkirchen. Was den Kaiser selbst betrifft, wurde er mit den großen Führern des alten Israels verglichen. So zog der byzantinische Historiker Socrates Scholasticus (380-440), Fortsetzer der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea (263–340), die Parallele zwischen dem Kaiser und dem alttestamentlichen Propheten Moses:
„Die Eifer des Kaisers für Christus war so stark, dass er während des persischen Krieges befahl, ein Zelt mit farbigen Stoffbahnen zu errichten, das äußerlich wie eine Kirche aussah, so wie Moses es in der Wüste einst getan hatte, welcher auch befohlen hatte, diesen Gebetsraum überall in der Wüste mitzutragen.“[1]
Die kirchlich-christliche Richtlinie des Socrates Scholasticus wurde vom byzantinischen Rechtsgelehrten und Historiker Sozomenos (400–450) fortgesetzt. Er bezeugt, dass der christliche Gottesdienst in der Armee Konstantins zum integralen Bestandteil der Kriegsführung wurde, sogar unter schwersten Feldbedingungen:
„In den Kriegszügen trug er überall ein Zelt in Form einer Kirche mit, so dass es sogar in Todesgefahr weder ihm noch seiner Armee an einem heiligen Gotteshaus mangelte, in dem sie Hymnen an Gott singen, beten und an den Mysterien teilnehmen konnten. Dieses Zelt wurde von Priestern und Diakonen begleitet, die darin Dienst nach Satzung der Kirche verrichteten. Seit dieser Zeit hat jedes Militärkorps der römischen Armee, das heute numeri genannt wird (Kohorte, ein Truppenteil – A.d.A.), ebenfalls sein eigenes Zelt mit dazugehörenden Priestern und Diakonen.“[2]
Es muss allerdings gesagt werden, dass Sozomenos , der unter Kaiser Theodosios II. (408–450; die längste Regierungszeit aller römischen Kaiser) schrieb, die kirchliche Wirklichkeit der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts doch attraktiver erscheinen lässt. Arnold Jones(1904-1970), ein hervorragender britischer Historiker, war der Meinung, dass „zur Armee gehörende Priester und Diakone“in der Epoche von Konstantin dem Großen kaum vorstellbar gewesen seien.[3]
Sicherlich verstand der Kaiser die Wichtigkeit des gemeinsamen Gebets vor dem Kampf, aber auch die Realität erinnerte ihn daran, dass die Armee noch großenteils aus Heiden bestand. Konstantin musste die Multikonfessionalität seiner Soldaten berücksichtigen. Eben deswegen suchte er für das öffentliche Vorlesen des „gemeinsamen Gebets“ vor dem ganzen Heer extra „den Tag der Sonne“, also den Sonntag, aus. Das passte zu den religiösen Vorstellungen sowohl der Adepten des Gottes Jupiters als auch Sonnenverehrer sowie Christen.[4] Dieses „universale“ Gebet galt nicht einem konkreten Gott, sondern einer Gottheit, einem verschwommenen allgemeinen Begriff.[5] Unter den Bedingungen dieses erzwungenen „Ökumenismus“ konnte von „Priestern und Diakonen“, wie sie in der Verpflegungsliste der Kohorten standen, keine Rede sein. In der Armee Konstantins gab es ein einziges christliches Zeichen, das allen Soldaten, sowohl Heiden als auch Christen, gemeinsam war, nämlich das Labarum „In hoc signo vinces“ („In diesem Zeichen wirst du siegen“), das an den Schildern von Kriegern und den Feldzeichen der Legionen zu sehen war.[6]
Leider liegen uns im Großen und Ganzen nur wenige Informationen betreffs der Präsenz von christlichen Priestern beim Militär im 4. Jahrhundert vor. Indirekt könnte vermutet werden, dass der Ursprung dieses Phänomens nicht ganz „orthodox“ und nicht einmal echt römisch ist. Die ersten überlieferten Angaben sagen uns, dass nicht byzantinische Römer, sondern arianische Goten im 4. Jahrhundert in ihren Reihen ständige Priester hatten. Es ist wohl möglich, dass diese arianischen Priester zum Urbild der zukünftigen orthodoxen Kaplane wurden.[7] Nachdem die Kirche die Keime dieser Institution bei den Häretikern beobachtet hatte, zog sie für sich die richtigen organisatorischen Schlüsse, wenn auch nicht gerade die einfachsten. Denn der priesterliche Dienst im Krieg ist ein schweres Kreuz nicht nur für ihn selbst, sondern auch für seine Altarbrüder. Die Geistlichen, die in der Armee predigten, mussten die ganze Härte und Brutalität des Militärlebens mittragen. Es versteht sich, dass sogar das Aussehen eines solchen Priesters sich von seinem „gepflegten“ Mitbruder von der städtischen Gemeinde deutlich unterscheiden musste. Der hl. Ambrosius von Mailand (340–397), ein hoher Aristokrat und Intellektueller, entrüstete sich über solch einen Priester, dessen Äußeres das römische Bild des Erleuchters kränke. Er ist über die „dummen barbarischen Kleider“ überaus empört, entzürnt sich über einen keltischen Nackenring und Armbänder.[8] Nach Meinung dieses großen Erleuchters schände dies den hohen Status des Priesters. Es erübrigt sich zu sagen, dass dieser „Nichtsnutz“ ein gotischer Kaplan war.
Das erste glaubwürdige Zeugnis über orthodoxe Kaplane in der Armee geht auf den Anfang des 5. Jahrhunderts zurück und stammt von dem auf dem 5. Ökumenischen Konzil verurteilten Bischof Theodoret von Kyrros (386–457): „Hirten Gottes sind sogar in Militärstädtchen zu sehen, wo sie unter gemeinen Soldaten wohnen.“[9]
Während des ganzen 5. Jahrhundert sickerte die Kirche planmäßig ins Militärleben hinein – es wurden Gebete vor dem Kampf gesprochen, Priester begleiteten Truppen in Feldzügen, auf Schlachtfeldern wurde sogar die Eucharistie zelebriert.
Das früheste überlieferte Zeugnis über eine Liturgie vor dem Kampf stammt aus der Zeit von Kaiser Honorius (384–423), Sohn von Theodosius dem Großen (346–395). Flavius Stilicho, einer der Feldherren des Honorius und Regent des Weströmischen Reiches (358–408), entsandte seinen treuen General Mascezel, um den afrikanischen Aufstand von Gildo zu unterdrücken.[10] Mascezel, der nicht nur mauretanischer Prinz, sondern auch Bruder des rebellischen Gildo war, stand damit vor einer schweren militärischen und moralischen Aufgabe. Unterwegs macht er auf der italienischen Insel Capraia Rast, wo er „irgendwelche“ Priester aufsuchte und „diese heiligen Diener Gottes“ überzeugte, ihn zu begleiten.[11]
Der Geschichtsschreiber und Theologe Paulus Orosius (385–420) berichtet uns ausführlich, wie Mascezel alle darauffolgenden Tage hindurch fastete, betete und Psalmen sang, und dass sein ganzes Heer der Heiligen Sakramenten teilhaftig wurde. Eben das, so Orosius, brachte Mascezel den Sieg über Gildo.[12]
Wie wir sehen können, hatte sich im 4. und 5. Jahrhundert das ganze Lebensparadigma drastisch geändert. Dies betraf nicht nur die allgemeine staatliche Ebene, sondern auch die elementarsten „Keimzellen der Römischen Gesellschaft“, nämlich die Familien von Stand.
Noch ein Jahrhundert zuvor hatte die Entscheidung zwischen militärischer oder religiöser Laufbahn in traditionellen römischen Familien häufig einen Konflikt der Generationen verursacht. Seit dem 5. Jahrhundert verlor dieses sittliche Dilemma des Dienstes für „Kaiser oder Gott“ aber seine Schärfe. Während der junge Martin, zukünftiger Bischof von Tours (4. Jahrhundert), auf Befehl seines Vaters und gegen seinen eigenen Willen, noch hatte zum Militär gehen müssen, erhielt der achtjährige Sabbas der Geheiligte (439–532) ohne weiteres die väterliche Erlaubnis, ins Kloster zu gehen. Die Väter von Martin und Sabbas waren beide römische Offiziere. Innerhalb des Jahrhunderts, das sie trennte, hatte sich die Einstellung der Offiziersfamilien zur idealen Laufbahn ihrer Söhne deutlich geändert. Mehr noch: später bot der Vater von Sabbas, der dienstlich nach Alexandria versetzt worden war, seinem Sohn an, in seiner Militäreinheit als Kaplan zu dienen! Heilige, welche den Militärdienst vermieden hatten, kamen später häufig anlässlich eines spirituellen Rufes doch noch zum Militär. Die Vita von Sabbas dem Geheiligten, die von Kyrillos von Skythopolis, einem Mönch und Hagiographen (525–558), zusammengefasst wurde, erbringt den Nachweis über diese erstaunlichen Veränderungen, die innerhalb der römischen Gesellschaft binnen nur eines Jahrhunderts stattfanden.
Aufgabe der Priester in der römischen Armee war aber nicht nur die Seelsorge. Sie waren auch Bürgen der Siege auf dem Feld der Ehre. Geistliche wurden mit verpflegt und begleiteten ganz offiziell den Kaiser und seine Armee. Ein Feldzug ohne Priester war gleichbedeutend mit einer vorzeitigen Niederlage. Der byzantinische Kaiser Konstantin Porphyrogennetos (905–959), der gegen die Araber kämpfte, erinnerte daran, dass für die vier Priester, die bei ihm waren, vier Lastpferde gestellt werden müssten.[13] Die Rechnungen, die nach Vollendung der Kreta-Kampagne von 949 gestellt wurden, enthielten auch einen Posten für die „Kirche“. Zweifellos war dies das Gehalt der Kaplane, die den Kaiser begleitet hatten.[14] Kaplane waren nicht nur einzelne Missionare, sondern eine ganze Institution. Die Entlohnung ihres Dienstes spricht dafür, dass „Kaplan“ um das 10. Jahrhundert ein Beruf und eine besondere Tätigkeit war. Für einen byzantinischen Priester, der zusammen mit der Armee in den Krieg zog, ging es genauso wie für die Soldaten um Leben und Tod, und er teilte auch sonst die Beschwerlichkeiten des Soldatenlebens. Nun gab der Staat ihm (oder, bei seinem Hinscheiden, seinen Hinterbliebenen) wenigstens eine Kompensation.
Der Kaiser schätzte die Dienste der Kirch hoch, was eine gewisse Um- bzw. Neubewertung des Militärdienstes auch seitens der Kirche bedeutete. Denn auch wenn die byzantinische Armee spirituell ausreichend „versorgt“ wurde, blieb ein Krieg ein Krieg, mit allen daraus folgenden Konsequenzen. In einem vorherigen Artikel zeigten wir anhand verschiedener Beispiele die ganze Komplexität der Einstellung des kirchlichen Bewusstseins zum Militärdienst. Mit der Zeit änderten sich aber Reich, Armee und auch die Einstellung der Kirche. Dennoch, bei allen Synergien zwischen Kirche und Armee, blieb etwas auf der tieferliegenden, unterbewussten Ebene weiterhin unverändert.
Eine interessante Episode, welche diese tieferliegenden Emotionen beschreibt, findet sich in der Vita von Lukas dem Styliten.
Noch als Soldat nahm Lukas an einem Feldzug von Kaiser Konstantin gegen die Bulgaren teil. Vor seinen Augen starben Tausende und Abertausende unschuldiger Menschen, auch viele seiner Waffengenossen. Dieser ganze Horror erschütterte ihn bis ins Tiefste seiner Seele, und er entschied sich, die Armee unerlaubt zu verlassen, um sich spirituellen Tugendtaten und der Buße zu widmen. Mit 24 desertierte Lukas aus der Armee, kleidete sich als Mönch und empfing die Priesterweihe.
Während ein solches Sujet der „heiligen Desertion“ in den Vitae des 3. und 4. Jahrhunderts der Normalfall gewesen war, wie wir bereits erörterten, hatte sich nunmehr aber alles verändert. Ein Krieg war nicht länger nur ein Krieg, sondern Teil des Glaubensdienstes. Denn eben wegen seinem „richtigen Glauben“ wurde dem Kaiser der Sieg gegeben, und in einem Krieg, der auf diese Weise verstanden wird, die Waffen von sich zu werfen, war keine spirituelle Tugendtat, sondern ein spirituelles Verbrechen. So wurde Lukas als Deserteur verurteilt und gezwungen, da er als Mönchspriester keine Möglichkeit mehr hatte, mit der Waffe in der Hand zu kämpfen, als Kaplan beim Militär zu bleiben.[15] Nichtsdestoweniger wird in seiner Vita, nach berechtigten Vorwürfen, doch betont, dass er, nachdem er die Waffen fortgeworfen hatte, „mit reinen Händen“ lebte und diente“.[16]
Dieses äußerst komplizierte Dilemma zwischen „Militärdienst“ und „reinen Händen“ erwähnten wir bereits im vorigen Artikel, als wir die Meinung des hl. Basilios dem Großen über den dreijährigen Kommunionsbann für Krieger anführten.[17] Doch wie wir anmerkten, hatte die von den Irrgläubigen ausgehende militärische Bedrohung durch die Irrgläubigen und die „Faktizität der Dinge“ die späteren christlichen Autoren gezwungen, ihren spirituellen Rigorismus zu korrigieren. Im 10. Jahrhundert hatte die byzantinische Armee die Unterstützung ihrer Kriegshandlungen seitens der Kirche brennend nötig. Während in der Epoche des Tertullian oder des Martin von Tours „fromme Deserteure“ als Vorbild gegolten hatten, war das eigenmächtige Verlassen der Truppe nunmehr nicht nur ein Kriegsverbrechen, sondern wurde auch spirituell verurteilt. Die Vita des hl. Lukas bezeugt, dass sein Mönchs- und Priesterstatus ihm keineswegs dazu verhalf, im Dienst irgendwelche Vorteile zu genießen; vielmehr wurde er wegen Desertion einer harten Strafe unterzogen. Was jedoch das Wichtigste ist: der Autor der Vita scheint mit diesem Sachverhalt einverstanden zu sein, denn der Heilige hatte ja kein Recht, die Armee eigenwillig zu verlassen, und musste dafür vorübergehend Leiden ertragen. Wie sehr unterscheidet sich dies von der Geisteshaltung in den frühen Jahrhunderten des Christentums! Während in der „Apostolischen Überlieferung“, einem Text aus dem 3. Jahrhundert, nicht einmal die Idee des Militärdienstes für Christen zugelassen worden war[18], stellt sich der christliche Verstand nun selbst in den Dienst der Prinzipien des Militärs.
Solange die Armee in ihrer inneren Kultur mit heidnischen Traditionen und Riten durchsetzt gewesen war, blieb das kirchliche Verständnis in seinem Urteil kategorisch. Als es aber mit der Zeit, dank dem Dienst der Kaplane, gelungen war, eine einzigartige Subkultur kirchlichen Lebens unter Kriegsbedingungen zu erschaffen, erhielt der Militärdienst nicht nur den Segen der Kirche, sondern wurde auch Gegenstand spiritueller Besinnung. Eben auf dem Boden dieser Veränderungen galt das evangelische Wort, sein Leben für seine Freunde zu lassen[19], nun ganz besonders. Nun nahm die Heldentat (Podwig) des Kriegers eine spirituelle Dimension an. Und ab da wurde dieses Zitat in der Predigt der Kaplane am populärsten.
[1] SOCRAT DE CONSTANTINOPOLE, Histoire ecclésiastique I, 18, 12, trad. P. PERICHON, P. MARAVAL, Paris 2004, p. 186
[2] SOZOMENE, I, 8, 10-11, ed, B. GRILLET, G. SABBAH, trad. A:J.FESTUGIERE, Paris 1983, pp. 146-147 (перевод автора).
[3] A.H.M. JONES, Military Chaplains in the Roman Army, Harvard Theological Review 46, 1953, pp. 239-240.
[4] Sonntag war bei vielen Völkern dem Sonnengott gewidmet. Diese aus Ägypten stammende Tradition übernahmen später auch die Römer. Die modernen europäischen Sprachen sind bis jetzt durch diesen Kult geprägt. Vgl. z.B. Sunday (engl.) und Sonntag (dt.), buchstäblich Tag der Sonne.
[5] S. EUSEBE DE CESAREE, Vita Constantini IV, 20, 2, ed. F. WINKELMANN, Eusebius Werke, Berlin 1975, p. 127.
[6]Ebenda IV, 21, с. 127.
[7] S. R.W. MATHISEN, Barbarian Bishops and the Churches “in Barbaricis Gentibus ” during Late Antiquity, Speculum 72, 3, 1997, pp. 664-697.
[8] ABROISE DE MILAN, ep. 10, 9-10.
[9] THEODORET DE CYR, ep. II, éd. et trad. Y. AZEMA, Correspondance, t.I, Paris 1955, p. 104
[10] S. z.B. CLAUDIAN, The War against Gildo, publ. The Loeb Classical Library, 1922.
[11] OROSE, Histoire contre les païens VII, 36, 5, éd. M.P. ARNOUD-LINDET, Paris 1991, p. 104.
[12]Ibid ., VII, 36, 8, p. 105.
[13] CONSTANTIN PORPHYROGENITUS. Three Treatise on imperial military Expeditions, introd., ed., trad., comment., J. HALDSON, CFHB XXVIII, Vienne 1990, p. 118.
[14] J.F. HALDON, Theory and Practise in Tenth-Century military Administration: chapiters II, 44 and 45 of the Book of Ceremonies, TM 13, p. 223.
[15] G. DENNIS, Religious Services in the Byzantine Army, in EULOGIMA: Studies in Honor of Robert Taft, éd. E. CARR, S. PARENTI, A.-A. THIERMEYER et al., Studia Anselmiana 110; Analecta liturgica 17, p. 110.
[16] Vie de Luc le Stylite, BHG 2239, éd. H. DELEHAYE, Les saints stylites, 1989, p. 199.
[17] BASIL DE CÉSARÉE. Correspondance. Ep. 128, 13. Éd. et trad. Y. COURTONNE. p. 130.
[18]„Katechumenen bzw. Christen, die Krieger werden wollen, sollen abgewiesen werden, da sie Gott verachtet haben…“, s. [Hippolyt von Rom. Traditio apostolica] Св. ИППОЛИТ РИМСКИЙ.Апостольское предание. 16,9.
[19]Joh 15,13.
Exkommunizieren oder verherrlichen?
Teil 3. Zwischen Nike und Christus. Neue Front für Kaplane
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21. März 2011
Petrovsky, Igor
Das religiöse Leben der byzantinischen Armee gegen Ende des ersten und Anfang des zweiten Jahrhunderts war sehr intensiv. Christliche Symbole und Zeichen, Gottesdienste, Gebete und sogar Mönche und Priester selbst begleiteten faktisch alle Militärhandlungen. Doch war das Christentum in dieser intensiven Praxis häufig lediglich eine äußere ideologische Hülle. Igor Petrovsky schreibt von den Gefahren, mit denen die Kirche konfrontiert wurde, nachdem sie in alle Bereiche des Armeelebens vorgedrungen war.
I
Die Teilnahme an Militärhandlungen, und sei sie auch für „eine gerechte Sache“, geht mit dem Verlust des großen Ideals der Liebe und der Demut einher, das wir im Evangelium Christi finden (Mt 26,52; Joh 18,10-11). Andererseits gilt oft: „si vis pacem, para bellum“. Dieses Dilemma löste in der Kirche heftige Diskussion aus. In den vorigen Publikationen haben wir bereits verschiedene Einstellungen zum Militärdienst in der frühen christlichen und byzantinischen Geschichte beschrieben. Mit der Zeit erzeugte das hohe christliche Ideal das mit der irdischen Realität kollidierte, die Institutionen der Kaplane, Militärgotteshäuser und -liturgien. Dem kirchlichen Bewusstsein fiel eine derartige Kooperation schwer. Es war eine wahre missionarische Tugendtat, dort vom blutlosen Opfer zu sprechen, wo der Dienst dazu verpflichtete, Blut zu vergießen. Doch war die Frage nach der Vereinbarkeit von „erzwungener“ Gewalt und der Wahrheit Gottes (Röm 3,21-22) nach wie vor akut.
Wir erwähnten bereits den bekannten und zugleich „vergessenen“ Kanon des hl. Basilios dem Großen, in dem er den Heiligen Kriegern empfiehlt, sich drei Jahre lang von der Kommunion „zurückzuhalten“. Der große Kappadokier hatte diese Maßnahme als Kompromiss zwischen „dem vorübergehend Erzwungenen“ und der unveränderlichen Wahrheit Gottes verschrieben. Doch je „christlicher“ die Armee wurde, desto weniger war dieser Konflikt spürbar, und desto größer wurde die Rolle der Kirche in der Armee. Bei diesem frommen „Vormarsch“ gab es aber ganz eigene, sehr feine spirituelle Versuchungen.
II
Mit der Integration der römischen Armee ins kirchliche Leben verbreiteten sich in ihr verschiedene christliche Symbole, die überall zu sehen waren. Kreuze, wunderwirkende Ikonen,Reliquiare, Palladien, Labarums, und sogar „heilige Menschen“ selbst (betende Mönche) wurden zum Teil der neuen Militärrealität[1]. Anfangs gehörte die wichtigste Rolle aber dem Kreuz. Es wurde auf Waffen, Fahnen, Zelten, Privateigentum – überall, wo es nur möglich war – dargestellt.
Die alten Chroniken berichten, dass dem Kreuz die besondere Kraft zugeschrieben wurde, belagerte Städte zu schützen, wovon sich die Byzantiner mehrmals überzeugen konnten. An den Wänden von Konstantinopel, der neuen Hauptstadt des Römischen Reiches, waren überall Kreuzdarstellungen zu sehen. „Das neue Rom“ wurden im Laufe mehrere Jahrhunderte von wilden barbarischen Horden, Arabern, Söldnern, Staatsverrätern und Anderen belagert. Ihre Mauern wurden häufig durch kräftige Armeen erschüttert, und oft schien die Stadt mit seinen Bewohnern eine sichere Beute des Todes zu sein. Und doch blieb die Stadt des heiligen Konstantin, welche der wunderwirkenden Kraft des Kreuzes mehr vertraute als der eigenen, unbeschädigt. In den historischen Chroniken von Byzanz können zahlreiche Fälle gefunden werden, in denen Gebete, die Gott vor der Darstellung des heiligen Kreuzes dargebracht wurden, die belagerten Staatsbürger retteten.
Johannes Skylitzes, ein byzantinischer Historiker des 12. Jahrhunderts, berichtet uns in seiner berühmten Chronik „ Synopsis Historion“ davon, wie Thomas der Slawe (760–823), Anführer eines der größtenVolksaufstände, die Mauern von Konstantinopel belagerte. 821 griff das starke Heer der Rebellen die Hauptstadt an. Die Stadt schien eine Beute des Todes zu sein. Dann wendeten sich der Patriarch, die Geistlichen und alle Einwohner mit dem Gebet an das heilige Kreuz, und dies, so Skylitzes, änderte die Lage. Das spontan aufgestellte Volksheer des Thomas war bunt zusammengewürfelt. Es bestand aus Söldnern, Banditen, geflohenen Sklaven, Stratioten (Bauern, die gezwungen waren, Militärdienst zu leisten), Nachfolgern verschiedener häretischer Bewegungen u.a. Während der Belagerung von Konstantinopel wurde die Kampffähigkeit der Rebellen durch ihre niedrige Disziplin und ständige Auseinandersetzungen untereinander ins Wanken gebracht. Rechtzeitig traf Entsatz an den Mauern von Konstantinopel ein, und die verzweifelte Gefolgschaft des Slawen wurde aufs Haupt geschlagen[2].
Ähnliche Geschichten und Fälle der Wunderhilfe durch das Kreuz des Herrn können wir auch beim byzantinischen Chronisten Theophan dem Bekenner finden (760–818). Dasselbe lesen wir in den Werken eines anderen Theophan mit dem Beinamen Skriptor, der, als „Fortsetzer Theophans“ bekannt, seinen Aufsatz als Fortsetzung der Chronik von Theophan dem Bekenner schrieb[3].
Gegen das 9. Jahrhundert wurde die Kreuzdarstellung an den Mauern aller großen christlichen Städte zu einem wichtigen Schutzzeichen[4]. Im 10. Jahrhundert wurde das Kreuz praktisch an allen Militärfeldzeichen und nach Möglichkeit auch an allen anderen tragbaren Gegenständen angebracht[5].
Die Anzahl und in erster Linie die „Qualität“ der Reliquien spielte die herausragende Rolle. Als größte staurographische (kreuzabbildende) Heiligtümer, die ihren Inhabern den Sieg beschert haben sollte, galten solche, die „das Original“, also einen Splitter vom Schaft des Golgota-Kreuzes enthielten. Der Anblick eines solchen Kreuzes munterte die Krieger auf und erweckte Hoffnung in ihren Herzen. Natürlich war die Reliquie während eines Kampfs nicht dem ganzen Heer sichtbar, aber die Botschaft, dass ein Teil des Kreuzes Christi sich im Heer befand, hob die Kampfstimmung von Soldaten und Offizieren. Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos (905–959), der die Kriegshandlungen gegen die Araber aktivierte, die römischen Länder im Osten zurückgewann und das als uneinnehmbar geltende Samosata eroberte (958), beschrieb in einem Traktat eine Zeremonie der Demonstration des siegbringenden Kreuzes vor seinem Heer besondersehrfurchtsvoll und ausführlich:
„Vor dem Kaiser schreitet die erste Abteilung mit einem Baldachin (koubouklion), und in der Mitte der ersten Abteilung schreitet der Kammerherr, der das heilige und lebenspendende Kreuz in einem speziellen Gehäuse trägt, das um seinen Nacken befestigt ist.“[6]
Die Kaiser des 12. Jahrhunderts – wie Manuel Komnenos (1118–1180) oder Isaak II. Angelos (1156–1204) – ziehen es bereits vor, dieses größte siegbringende Heiligtum selbst zu tragen. Georgios Akropolites, der größte byzantinische Historiker und Kanzler der Konstantinopeler Kirche (1217–1282) bezeugt, dass die byzantinischen Kaiser, während sie ihre Armee führen, stets versuchen, Kontakt zum heiligen Kreuz zu halten und damit überall einherzuschreiten.[7] Dabei ging es nicht nur um die Betonung der Herrlichkeit des Kaisers, sondern diese formale Änderung wurde auch aus Sicherheitsgründen vorgenommen. Ein Heiligtum, so wurde angenommen, verteidige und schütze die ganzen Armee, und besonders denjenigen, der es trage. Mit dem Schutz und der Bewahrung der Reliquie wurde eine spezielle Einheit beauftragt. Sie durfte unter keinen Umständen in die Hände des Feindes geraten, denn es sei eben das Vorhandensein der Reliquie, das den Wohlwollen des Himmels und den glücklichen Ausgang des Kampfes garantiere, wie bei der berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke (312). Wer das Heiligtum besitze, erringe auch den Sieg. Uns erreichte eine Aufschrift in Gedichtform, die im Namen eines byzantinischen Kaisers verfasst worden war. Darin befiehlt der Monarch seine ganze Zuversicht dem Kreuz des Herrn, das Konstantin dem Großen einst den Sieg beschert hatte. Der Kaiser äußert seinen Glauben daran, dass der Schlüssel zu dessen Erfolg die heilige Abbildung und nicht seine mächtige Armee gewesen wäre.[8]
Als die byzantinische Armee unter der Führung von Landvogt Stippeiotes im Jahre 883, während des Krieges gegen den Emir von Tarsus, all ihre Feldzeichnen und Fahnen mit Kreuzabbildungen verlor, nahm die byzantinische Gesellschaft diese erschütternde Nachricht als Verlust nicht nur von konkreten Ländern, sondern auch des himmlischen Wohlwollens. Die „Jagd“ nach diesen Heiligtümern dauerte fast einhundert Jahre lang, bis Nikephoros II. Phokas (912–969), der 965 Tarsus zurückeroberte, sie für seine Armee zurückgewann.[9]
Dieses selbstgenügsame Verständnis der „heiligen Gegenstände“ löste eine fast heidnische Einstellung zum christlichen Heiligtum aus. Die Reliquien wurden nun von einer Menge an Vorurteilen, Aberglauben und magischen Glaubensvorstellungen umgeben. Der Fortuna-Kult und die alltäglichen magischen Rituale, die vorher Mars und Bellona umkreist hatten, bekamen nun neue Formen, neue Gesichter und neue Kraft. Das, wovon das Christentum die römische Armee zum Preis des Blutes seiner Märtyrer anscheinend befreit hatte, kehrte unter dem Deckmantel christlicher Frömmigkeit zurück. In der kirchlichen Gesellschaft von Byzanz zeigte sich eine neue Gefahr einer sehr feinen Verführung, nämlich ein Synkretismus von Christus und Nike. Das war eine ernsthafte Herausforderung für Geistliche, die in der Armee dienten. Die neue Front der „thematischen Arbeit“ jedes Kaplans der byzantinischen Armee lag nun zwischen der christlichen Ehrfurcht und den alten heidnischen Feldzeichen. Diese Gefahr verbarg in sich die furchtbarsten Folgen für die Seele jedes einzelnen Kriegers und beeinflusste sogar die Ausgänge einiger Schlachten.
Der Geschichtsschreiber Niketas Choniates (1155–1213) berichtet mit dem ihm eigenen Psychologismus über die Niederlage der Byzantiner gegen die Türken bei der armenischen Stadt Manzikert am 19. April 1071. Die byzantinische Armee des Kaisers Romanos IV. Diogenes übertraf den Gegner an Zahl. Während der entscheidenden Schlacht erbeuteten die Feinde aber das unbezahlbare wunderwirkende Kreuz. Choniates beschreibt, wie sehr die Griechen diesen Verlust betrauerten, denn damit verloren sie nach ihren Vorstellungen den Wohlwollen des Himmels, also auch das Glück und den Sieg.[10] Dieses Kreuz und damit auch das Kriegsglück zurückzugewinnen, wurde zur Ehrendsache.
Das christliche Heiligtum erhielt damit alle Eigenschaften eines heidnischen Amuletts. Es war nun praktisch unmöglich, diese zwei Kulte voneinander zu unterscheiden. So leistete Kaiser Johannes II. Komnenos (1087–1143), der mehrere Siege über die Petschenegen, die Serben, die Magyaren, das antiochenischen Fürstentum und die Türken errungen hatte, eine neue Heldentat. Zum Preis der großen Bemühungen und Opfer holte er das Rubinkreuz von Romanos Diogenes der byzantinischen Armee zurück, und die kirchlichen Autoren standen vor einem neuen spirituellen Dilemma.[11]
III
Außer Kreuzen und Labarums, die unter Kriegern bereits seit den Zeiten von Konstantin dem Großen populär gewesen waren, verbreiteten sich in der byzantinischen Armee schnell Darstellungen verschiedener Heiliger. Eine besondere Rolle spielten Darstellungen der Gottesgebärerin, der inbrünstigen Beschützerin des christlichen Heeres. Griechische Chronisten führten mehrere Fälle der wunderwirkenden „Einmischung“ der All-Heiligen Herrscherin an und berichteten über die Hilfe, die durch ihre heiligen Ikonen gespendet worden war.
Im Jahre 989 wandte sich Kaiser Basileios II. der Bulgarentöter (958–1025), Schwager desKiewer Fürsten Wladimir, in der entscheidenden Schlacht gegen den Rebellen Bardas Phokas den Jüngeren ( † 989) mit einem heißen Gebet an die Gottesgebärerin. Er befahl, ihre riesige Abbildung mitten in die Kriegerreihen zu tragen. Weiter berichtet uns der Chronist davon, wie die zwei Armeen aufeinander prallten. Der rebellische Phokas, der sich in der ersten Flanke befand, ritt auf Basileios zu, um mit ihm persönlich zu kämpfen. Plötzlich wurde er von einem Schlaganfall getroffen und fiel tot vom Pferd. Der Mönch und Historiker Michael Psellos (1018–1078) sah in diesen Ereignissen einen besonderen Fingerzeig der Gottesgebärerin.[12]
Nicht nur der Verlust von Reliquien, sondern auch dieser von heiligen Ikonen wurde als großes Unglück und sehr schlechtes Omen angesehen. Autoren der byzantinischen Chroniken interpretierten solche Vorfälle als eindeutige Vorzeichen dafür, dass die göttliche Kraft und Hilfe das Heer verlassen habe. Das Wohlwollen des Himmels begann in konkreten Gegenständen zu „leben“, und ihre Aufbewahrung wurde zu einer hochwichtigen Aufgabe. Solche Schlussfolgerungen gründeten auf einem einfachen psychologischen Modell. Praktisch in jeder Schlacht wurden beim byzantinischen Heer bzw. seine einzelnen Einheiten diese oder jene Fahnen, Feldzeichnen, Labarums, Reliquien und Heiligtümer verloren oder beschädigt. Bei Handgemengen war das unvermeidlich. War der Schlachtausgang günstig für die Byzantiner, wurden die „verkrüppelten“ Heiligtümer und Abbildungen restauriert und die rettungslos verlorenen durch neue ersetzt. Weiterhin gab keine Probleme, nur die Freude über die gewonnene Schlacht. Verloren die Byzantiner dagegen die Heiligtümer und danach auch die Schlacht, kam die alte heidnische Denkweise mit neuer Kraft durch: „Der Verlust der Reliquie im Laufe des Kampfes brachte Gott in Zorn, und als Strafe schickte ER uns die Niederlage.“ Es entstand der Eindruck, als ob Pallas und Styx die Köpfe der christusliebenden Krieger nie verlassen hatten.
Wie die Byzantiner immer noch durch die alten Mythen und heidnischen Stereotypen gefangen waren, wird am deutlichsten durch einen Fall vom Anfang des 13. Jahrhunderts illustriert, dem Verlust der verehrten Ikone der Gottesgebärerin und eines sakralen Palladiums im Kampf gegen Kreuzfahrer im Jahre 1204.
„Katholische“ Ritter hatten Konstantinopel eingenommen, und der orthodoxe byzantinische Kaiser Alexios V. Dukas wollte es zurückerobern. Die Byzantiner kannten die Stadt und die Gegend besser, sie waren zahlenmäßig überlegen, und der Sieg schien ihnen nicht zu nehmen. Doch während des Kampfes verloren die Einheiten des Heinrich von Flandern die heilige Fahne und die unschätzbare Ikone der Gottesgebärerin. Das beeinträchtigte den Kampfgeist der Armee sehr. Enrico Dandolo, der die entmutigten byzantinischen Soldaten sah und ihre psychologische Schwäche nutzte, wagte es, mit seinen Seelandungstruppen einen Gegenangriff zu unternehmen. Trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit seiner Einheiten zerschmetterte er innerhalb von drei Tagen die „verzagten“ Byzantiner komplett und schlug selbst den Kaiser in die Flucht.[13]
1204 war das letzte Jahr der Regierung und des Lebens von Kaiser Alexios V., dem letzten Kaiser von Byzanz. Der bereits erwähnte Niketas Choniates sah eine direkte Verbindung zwischen dem Schicksal des Heeres der Rhomäer und dem Verlust des Heiligtums.[14] Hätte das Heer auf den Verlust des Palladiums nicht so heftig reagiert, wäre die nachfolgende Geschichte von Byzanz eventuell nicht so kurz gewesen. Die „babylonische Gefangenschaft“ der Köpfe wurde zu einer der Ursachen der Gefangenschaft von Byzanz zuerst durch das Lateinische Kaiserreich und 200 Jahre später durch die Osmanen.
IV
Psychologisch ist dieses Phänomen verständlich und erklärlich – die Armee liebte ihresgleichen. Ein heiliger Krieger, der die ganze Härte des Dienstes nicht nur vom Hörensagen kennt und nun am Thron des Höchsten weilt, steht jedem Soldaten besonders nahe. Doch gibt es hier ein Problem. Alle heiligen Krieger waren Märtyrer gewesen. Praktisch alle von ihnen hatten ihr Martyrium auf diese oder jene Weise durch die Hand von Feldherren oder Soldaten erlitten. Nichtsdestoweniger glaubte die Armee voll und ganz daran, dass der durch sie einst vernichtete Mitbruder sich jetzt um ihre militärischen Heldentaten sine iniuria besonders kümmere. Sicherlich waren in der römischen Armee, wie wir in unseren vorherigen Publikationen ausgeführt haben, seit den Zeiten der Verfolgung grundlegende Änderungen geschehen. So war sie nicht mehr eine Strafinstitution, durch die Christen auf Befehl vernichtet wurden. Auch die christliche Präsenz selbst wurde dort äußerlich betont und auf jede Art und Weise begrüßt. Doch war dies immer noch die Armee desselben Römischen Reiches, das nun seine Hauptstadt von Rom nach Konstantinopel verlegt hatte. Ihre Soldaten trugen die selbe „Uniform“, kämpften mit den selben Waffen und sprachen den selben Jargon wie in der Epoche der Verfolgungen. Während Christen in den ersten vier Jahrhunderten die Armee als Phänomen gar nicht wahrgenommen und jegliche Gewalt auf dem Schlachtfeld resolut abgelehnt hatten, berichten die Chroniken nun davon, wie die Heiligen diejenigen, die sie anriefen, begrüßten und ihnen im Kampf halfen.[15]
Die „Geschichte“ von Leon Diakonos, eines Hofbeamten in Konstantinopel (950–1000), eine der wertvollsten Quellen zur Geschichte von Byzanz und dem frühen Russland, erzählt uns über folgendes Wunder.
Im Jahre 972, während der entscheidenden Schlacht gegen das Heer des Kiewer Fürsten Swjatoslaw (942–972), als die römische Phalanx begann, sich unter dem wilden Andrang der Slawen aufzulösen, flehte Kaiser Johannes I. Tzimiskes (925–976) den heiligen Theodor, einen Patron des orthodoxen Heeres, um Hilfe in der Schlacht und Schutz seiner Armee an. Im selben Augenblick stellten sich den Augenzeugen zwei Geschehnisse dar: plötzlich brach ein furchtbarer Sandsturm aus, der den Feind buchstäblich blendete, und zugleich brach ein Reiter auf weißem Pferd ins Zentrum der slawischen Armee ein und zerschmetterte die geschlossenen Regimenter Swjatoslaws. Nach so einem wundervollen Sieg versuchte man, diesen mutigen Krieger zu finden, um ihn entsprechend zu belohnen. Doch erwiesen sich alle Bemühungen als erfolglos. Im Heer verbreiteten sich Gerüchte, dies sei der heilige Theodor selbst gewesen. Bald wurde dem Kaiser über den wundervollen Traum einer Nonne aus Konstantinopel berichtet, der in der Nacht vor der Schlacht unsere All-Heilige Liebe Frau, umkreist von leuchtenden Seraphim, erschienen sein soll. Die Gottesgebärerin soll dem himmlischen Heer befohlen haben, den heiligen Märtyrer Theodor anzurufen. Als dieser erschienen sei, soll unsere Liebe Frau ihm gesagt haben, dass „ihr Johannes“ in große Gefahr geraten könne, wenn ihm nicht rechtzeitig Hilfe zuteil würde.[16] Theodor sei daraufhin sofort aufgebrochen, und die Vision sei beendet gewesen.[17]
Diese Geschichte berichtet nicht nur von wundervoller Hilfe im Laufe der Schlacht, sondern spricht auch für eine gewisse Hierarchie bei den „Helfenden“. Obwohl der heilige Theodor ein von der byzantinischen Militäraristokratie sehr verehrter Heiliger war und seine wundervolle Einmischung den Verlauf des Gefechts bestimmte, wurde „das Primat der Ehre“ für dieses Wunder der Gottesgebärerin zugeschrieben. Johannes I. Tzimiskes platzierte eine reichverzierte Ikone unserer Lieben Frau in einer offenen Karosse und fuhr damit triumphal durch die Straßen von Konstantinopel. Er bezeugte quasi den wundervollen Beistand, den ihm die Gottesgebärerin selbst gegen die Kiewer Slawen geleistet hatte. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Jungfrau Maria als Patronin der byzantinischen Hauptstadt und erste Beschützerin des Basileus selbst verehrt.[18]
V
Ikonen, Reliquien, Labarum, Feldzeichen und Palladien waren nicht die einzelnen „Mittel und Bürgen“ zum Erfolg des Kampfes. Trotz gewisser Missverhältnisse in der religiösen Praxis zugunsten des Heidentums und magischer Praktiken erinnerte die Kirche den Basileus ständig daran, dass Gott in die Herzen der Menschen und nicht auf die Anzahl der Heiligtümer schaue. In ihren Predigten machten Kaplane darauf aufmerksam, dass die effektivste Waffe im Kampf persönlicher Glaube und Anstrengung seien. Allerdings schien sogar dieses an sich reine Streben bei Adligen bizarre Formen der Frömmigkeit auszulösen, bis hin zum Wahnsinn. In seiner Chronik ironisierte Niketas Choniates dies häufig. Er bespöttelte Isaak II. Angelos (1156–1204), der sich, wie es Niketas vorkam, eher auf seine „Verbeugungen“ verlassen hatte, anstatt sich um die Aufrechterhaltung der Kampfbereitschaft seiner Armee zu kümmern. Es entstand der Eindruck, dass der bloße Umfang des verlesenen und verrichteten „religiösen Stoffes“ als Garant des Sieges diente, was Choniates sichtlich irritierte.
Quantität und Qualität der religiösen Bemühungen wurden zu einem ewigen Thema, zum Leidwesen der byzantinischen Kaplane. Es war übrigens Isaak, der einen wahren Kult von Gottesmutterikonen einführte, da er glaubte, je mehr Ikonen es auf dem Kampffeld gäbe, desto höher stünden die Siegeschancen.[19]
Außerdem versuchten die Kaiser der mazedonischen Dynastie (von 867 bis 1056) immer häufiger, in ihren Schlachten und Feldzügen die Hilfe von „lebenden Heiligen“ einzusetzen. Die Praxis der Konsultationen an den Hauptzentren monastischen Lebens wurde Alltag. Die wichtigsten Klöster des Reiches mussten nun um das Heil und den Sieg des christusliebenden Heeres beten. Zu dieser Zeit drangen alle möglichen Gedenkrituale, Aufrufe, „Auf-Viele-Jahre“-Gesänge und Megalynaria an den frommen Monarchen, das Land und die Armee in die orthodoxe Liturgie ein.
Doch genügte es den Feldherren nicht, sich an einen Heiligen zu wenden und ihn um Gebete zu bitten. Um der größeren Sicherheit willen schien es ihnen nötig, Heilige als lebende Talismane bei sich zu haben. Die Byzantiner glaubten an eine einfache Regel: Gott sei denjenigen näher, die ihm näher seien; folglich würden sie von ihm schneller gehört und so vor Unglück und dem Bösen besonders geschützt. So traten neben den Kaiser und die Heerführer die „heiligen Menschen“. Aber auch diese fromme Idee enthielt bittere Tropfen. Ein Heiliger wurde häufig als „beseelte Reliquie“ wahrgenommen, als Prestigeangelegenheit, die man dabei haben müsse. Er sollte den Kaiser vor einem plötzlichen Tod behüten und dem Heer den Sieg im Kampf bringen.
Als er noch Truppenbefehlshaber war, wurde der spätere Kaiser Nikephoros II. Phokas (912–969) auf die Insel Kreta geschickt, um sie von den Arabern zurückzugewinnen. Dort traf er den heiligen Athanasios Athonites (925–1000), Gründer der Megisti Lavra , Hauptkloster auf dem Heiligen Berg Athos . Athanasios segnete Nikephoros und hatte vor, zurück auf den Athos zu ziehen, doch bat Nikephoros den Mönch, ihn während der Kriegskampagne nicht zu verlassen, da sein Herr die Präsenz eines Heiligen benötigte.[20] Der Glaube, dass der spätere Sieg durch die Gebete des hl. Athanasios zustande gekommen sei, scheint die Freundschaft zwischen dem General und dem Mönch gefestigt zu haben. Nachdem Nikephoros Kaiser geworden war, leistete er dem Heiligen großzügige Hilfe beim Bau der Athos-Lavra und unterstützte ihn in seinem Konflikt mit Athos-Eremiten, die Athanasios wegen dessen Versuchen, in ihrem Leben Ordnung und Disziplin herzustellen, nicht geehrt und ihn sogar vom Heiligen Berg verjagt hatten.[21]
VI
Byzantinische Strategen gingen mit den Worten des Heilands „ wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte “ (Mt 18,20) sehr praktisch um. Das lange stehende Gebet wurde nicht zum „Privileg“ von Kaisern und Geistlichen. Bald wurde es für alle verpflichtend. Die das Heer begleitenden Kaplane organisierten regelmäßige Gottesdienste und katechetischen Unterricht. Während eines Feldzugs musste die Armee zweimal am Tag beten: „Bei Sonnenaufgang vor den Übungen und am selben Abend, vor dem Abendessen, mit dem Trisagion und treffenden Psalmen.“[22] Dieses Zitat aus der berühmten „Taktik“[23] von Kaiser Leo IV. dem Philosophen (866–912) ist ein sehr gutes Zeugnis der neuen Ordnungen im Militäralltag.[24]
Nikephoros Ouranos (980–1010), General unter Kaiser Basileios II. dem Bulgarentöter und zugleich Ktitor der Megisti Lavra und Freund des heiligen Athanasios Athonites, liefert uns in seiner „ Praecepta militaria “ eine ausführlichere Beschreibung der Militärgebetsregel:
„Am Abend vor einer Schlacht wird die ganze Armee auf einem Feld versammelt, und dort befiehlt der Oberbefehlshaber den Feldherren, den Unteroffizieren und dem ganzen Heer, den Vorlesungen der Kaplane aufmerksam zuzuhören. Während des Lobpreises, ob Vesper oder Orthros, wenn eine Ektenie verlesen wird, muss die ganze Armee mit Hochachtung und Gottesfurcht das „Kyrie Eleison“ im Chor bis zu einhundertmal mitsprechen, und niemand darf in der Gebetsstunde etwas anders tun.“[25]
Anscheinend war eine solche Ordnung, wie sie für ein geistliches Seminar üblich ist, Vorgänger der Militärordnung in klassischen geistlichen Seminaren. Da und dort war das Hauptziel die Einstimmigkeit bei spirituellen Übungen, die das entsprechende Ergebnis, nämlich Disziplin und Sieg, garantieren sollte. Diejenigen, die vom gemeinsamen Pflichtgebet abwichen, unterlagen einer schweren Strafe. Der Schuldige wurde gegeißelt und im Rang zurückgestuft. Diese Strafen, die von byzantinischen Historikern beschrieben wurden, sind illustrative Zeugnisse davon, wie ernsthaft die Sache war. Die Byzantiner glaubten fest daran, dass ein Sieg nur bei totaler Einstimmigkeit in der religiösen Zeremonie zu erreichen sei. Der Sieg konnte dagegen durch Sakrileg, Saumseligkeit oder Häresie verhindert werden. Deshalb wurden Abweichungen von religiösen Regeln streng bestraft.
Dies war eine erstaunliche Metamorphose. In der vorkonstantinischen Epoche waren praktisch alle Märtyrerkrieger eben aus diesem Grund ermordet worden. Christen, die sich geweigert hatten, heidnische Götter anzubeten, was angeblich den Sieg bringen sollte, waren zum Tode verurteilt worden. Durch ihre private Missachtung konnten sie den Zorn der Götter auf das ganze Heer herabziehen, was sich im Verlauf der Schlacht widerspiegeln könnte. Jetzt wurden ebenfalls disziplinarische Normen eingeführt, diesmal aber in der christlichen Armee, die ausnahmenlos alle dazu zwangen, „in gut eingetrimmten Kolonnen“ zu beten. Die Manneszucht war bei diesem Anliegen, in dem die persönliche Geneigtheit des Herzen äußerst wichtig ist, nicht das beste Mittel für die christliche Predigt in der Armee. Es sollte allerdings betont werden, dass die byzantinischen Geistlichen nie Anreger dieser Neuerungen waren. Die Initiative ging voll und ganz von der säkularen Macht aus.
VII
Ende des ersten und Anfang des zweiten Jahrtausends war das religiöse Leben in der byzantinischen Armee offenbar sehr intensiv. Christliche Symbole und Zeichen, Dienste, Gebete und sogar Mönche und Priester selbst begleiteten faktisch alle Militärhandlungen. Doch war das Christentum in dieser intensiven Praktik häufig bloß eine äußere ideologische Hülle. Nachdem die Kirche in alle Bereiche des Militärlebens eingesickert war, entdeckte sie plötzlich die Gefahr, sich selbst zu verlieren. Der Aufschwung des frommen Enthusiasmus, der in der Armee zu sehen war, erwies sich bar jeder wahren Frömmigkeit. Nicht nur trug die Präsenz einer riesigen Menge christlicher Heiligtümer nicht zum Verständnis der Heiligkeit selbst bei, sondern sie verzerrte auch das Wesen des evangelischen Wortes. Der Glaube geriet so immerzu in Gefahr. Ungefähr zu dieser Zeit entdeckte die Kirche, nachdem sie den Ikonoklasmus besiegt hatte, ein neues Problem, nämlich die falsche Einstellung zu den Ikonen bei Ikonenverehrern selbst. Jahrhunderte später entfaltete sich ein ähnliches Drama um die Verehrung der Heiligen. Vater Alexander Schmemann schrieb darüber wie folgt:
„Im Volk zeigte sich die Ikonenverehrung manchmal als grober und sinnlicher Aberglaube (…) Es entstand der Brauch, Ikonen als Taufpaten der Kinder zu nehmen, von Ikonen abgekratzte Farbe in den eucharistischen Wein zu mischen, das Kommunionsbrot auf eine Ikone zu legen, um es aus den Händen der Heiligen zu erhalten, usw. (…) Mit anderen Worten geschah mit der Ikonenverehrung dasselbe, was vorher häufig mit dem Kult der Heiligen und der Verehrung der Gebeine geschehen war. Nachdem sie auf der richtigen christologischen Grundlage als Ergebnis und Entfaltung des Glaubens der Kirche an Christus entstanden waren, lösten sie sich von dieser Grundlage häufig ab, verwandelten sich in etwas selbstgenügsames und, folglich, stürzten zurück ins Heidentum. “[26]
Sicherlich hing bei so einer feinen Versuchung vieles von der religiösen Kultur des Menschen selbst und von seiner aufrichtigen persönlichen Wahrnehmung der Worte des Heilands ab. Doch gab es hier auch eine neue Herausforderung, die von der Kirche missionarische Arbeit verlangte. Die Kaplane mussten nun nicht nur das Licht Christi in die Militärumgebung hineinbringen, sondern auch aufmerksam aufpassen, nachdem diese Kerze entzündet wurde, dass diese nicht mit einem Gefäß bedeckt würde oder unter dem Bett zu stehen käme (vgl. Lk 8,16). Nach mehreren Jahrhunderten großer Bemühungen um die Christianisierung des romäischen Heeres fanden die byzantinischen Kaplane eine „neue Front“ vor. Der Kampf an diesen Grenzen erforderte große theologische Nüchternheit, spirituelle Aufmerksamkeit und missionarische Bemühungen. Denn unter all den schönen Berichten über geleistete Arbeit und die Anzahl heiliger Reliquien, über geschneiderte Kirchenbanner, geweihte Rüstungen, gespendete Segnungen und vor einer Schlacht verrichtete Bittgottesdienste konnte das Wichtigste, nämlich Christus und sein Evangelium, begraben werden. Das war eine wahre Versuchung auch für die Erfahrenen, die viele Versuchungen überwunden hatten. Ab nun mussten die Kaplane nicht nur das Gute, Weise und Ewige säen, sondern auch die eigene Spreu aussondern, nämlich die Folgen der falsch verstandenen Mission. Denn im Kampf, unter einem Kirchenbanner mit einer Ikone Christi, musste ein christlicher Krieger stehen, nicht ein halber Heide, dem es egal war, was über seinem Kopf wehte, ein schwarzer Rabe oder ein Symbol des neuen Lebens.
[1] S. H.A. KLEIN, Byzanz, der Westen und das wahre Kreuz. Die Geschichte einer Reliquia und ihrer künstlerischen Fassung // Byzanz und im Abendland. Wiesbaden 2004, S. 47-58.
[2] IOANNIS SCYLITZAE SYNOPSIS HISTORIARUM. Ed. I. THURN, CFHB V, Series Berolinensis. Berlin-New York, 1973, S. 34.
[3] S. zum Beispiel: THEOPHANES CONTINUATUS. Ed. I. BEKKER. Bonn. 1838, S. 59.
[4] In diesem Bezug ist die Kreuzdarstellung an den Schutzmauern der nordwestlichen Stadt Isborsk (gegründet im 9. Jahrhundert) interessant, die auf das 14. Jahrhundert datiert ist. Dieses Kreuz gibt eine frühere Darstellung wieder, die auf das Ende des 9. Jahrhunderts zurückgeht, was mit der damals verbreiteten östlichen griechischen Tradition übereinstimmt. Zur Analyse dieses Materials s.: Прот. АЛЕКСАНДР ШАБАНОВ: В поисках Кельтской Церкви. // Тверские епархиальные ведомости, № 1/2, 2004.
[5] G. DENNIS, Byzantine Battle Flags // Byzantinische Forschungen 8, 1982, p. 57.
[6] Zit. nach : CONSTANTIN PORPHYROGENTIUS. Three Treatises on Imperial Military Expeditions, introd., ed., trad., comm. J. HALDON, CFHB XXVIII. Wien 1990, S. 124.
[7]Georgii Acropolitae Opera, ed. A. HEISENBERG, Leipzig. 1903, p. 19-20.
[8] A. FROLOV, La relique de la Croix. Recherche sur le développement d'un culte, Archive de l'Orient chrétien 7. Paris, 1961, № 367.
[9] IOANNIS SCYLITZAE SYNOPSIS HISTORIARUM, ibid. op. pp. 144-145, 271.
[10] Laut Michael Italikos, einem Intellektuellen und Redner des 12. Jahrhunderts, war dieses Kreuz aus Rubin gemacht gewesen und hatte während Prozessionen wunderschön geleuchtet. S. Michel Italikos, Letter et Discours, ed. P. GAUTIER, Archives de l'Orient Chrétien 14, Paris, 1972, p. 264.
[11] Nicetae Choniatae Historia , ed. I.A. VAN DIETEN, CFHB IX, Series Berolinensis. Berlin-New York, 1975, pp. 30-31.
[12] MICHEL PSELLOS, Chronographie, ed. E. RENAULD, Paris, 1967, I, p. 10.
[13] VILLEHARDOUIN, La conquête de Constantinople II, ed. E. FARAL, Paris, 1973, p.28, § 228.
[14] Nicetae Choniatae Historia, ibid. p. 567.
[15] Manche Kirchenlehrer und –väter waren ausgesprochene Pazifisten. Das Bild des Heiligen, der sich weigerte, an blutigen Schlachten und selbst am Dienst in der römischen Armee teilzunehmen, war ein übliches Sujet in den Vitae der frühen Christen.
[16] Mit „mein Johannes“ war offensichtlich Kaiser Johannes I. gemeint.
[17] Leonis Diaconi Caloensis historiae libri decem , ed. C.B. HASE, Bonn 1828, pp. 153-154.
[18] Ibid., p. 158.
[19] Nicetae Choniatae Historia, ibid. p. 383.
[20] Vitae duae antiquae sancti Athanasii Athoniatae, ed. J. NORET, CCSG 9, Turnhout 1982, pp. 30-32.
[21] Bekanntlich hatte sich der Konflikt mit vereinzelten Athos-Eremiten dermaßen verschärft, dass Athanasios gezwungen war, 971 den Athos zu verlassen und nach Kreta umzusiedeln.
[22] Zit. nach: Leonis imperatoris Taktika, ed. R. VARI, t. II, Budapest 1922, XII. 115, pp. 94-95.
[23] Dieser Traktat ist auch dadurch bekannt, dass er unter allen byzantinischen Quellen die erste ist, in der die Rus erwähnt wurde.
[24] Im Zusammenhang mit dem hypothetischen Feldzug Oleg des Propheten auf Konstantinopel, den slawische Chroniken auf 907 zurückdatieren, der in byzantinischen Chroniken aber nicht erwähnt wird.
[25] Praecepta VI, 2; Taktika de Nicephore Ouranos 62, 9. Übersetzt nach: E. McGEER, Sowing the Dragon's Teeth. Byzantine Warfare in the Tenth Century, DOS, Washington DC, 1995, pp. 56-57.
[26] ШМЕМАН А. Д. Исторический путь Православия. Москва: Паломник, 1993. С. 248-249.
Petrovsky, Igor