Die typologische Bedeutung des jüdischen Passah-Festes - „Passah als das Urbild der Erscheinung des Messias...“
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Die typologische Bedeutung des jüdischen Passah-Festes - „Passah als das Urbild der Erscheinung des Messias und der Teilnahme am Messias-Fest“
Dieser Approbationsartikel von Georgy Gligorov, Absolvent der Moskauer Geistlichen Akademie und Bewerber um einen wissenschaftlichen Grad, ist der Besinnung auf die typologische Bedeutung des Passah-Festes gewidmet. Der Artikel wird hier in der Ursprungsfassung publiziert.
Im Lichte der biblischen Typologie erscheint uns die Zukunft als vollkommenere Wiederholung der vergangenen Erfahrung, als neuer Exodus (Jes 43,16-21), neuer Bund u.ä. Also war das, was in der heiligen Geschichte des Alten Testaments mit allen Bestandteilen (Ereignissen, Personen, Institutionen) stattfand, nur ein Schatten der Zukunft, Urbild der Geschehnisse der messianischen Periode, Urbild Christi und des Neuen Testaments. Die alttestamentarischen Feste waren, als wichtigster Bestandteil des religiösen Lebens des alten Israels, von besonderer typologischer Bedeutung. Die typologische Verbindung zwischen den Festen des Alten Testaments und der Zeit des Messias zeigt sich in Werken der Heiligen Väter und in der liturgischen Überlieferung der Orthodoxen.
Das wichtigste jüdische Fest, Passah, war von seiner Semantik und seinem Ritus her von einzigartiger Bedeutung. Es gibt nichts, was den christlichen Sinn des Oster-Festes (Pascha) so verdeutlicht wie seine Verbindung mit dem altjüdischen Urbild. Aus dem Evangelium wissen wir, dass Christus eben an den Tagen des altjüdischen Passahfestes gelitten hat, und dies ist aus evangelischer Sichtweise keineswegs Zufall.
Am Passahfest wurde des Exodus der Juden aus Ägypten gedacht, der die Auserwähltheit und Geburt Israels als Volk Gottes kennzeichnete. Es wurde ein Passah-Lamm geopfert (2 Mos 12),und sieben Tage lang sollten die Juden nur ungesäuerte Brote essen – zur Erinnerung an den Exodus aus Ägypten.
In der Epoche Christi änderte sich der Charakter von Passah. Weder wurde vier Tage vor dem Fest im Voraus ein Lamm ausgewählt, noch Ziegen geschlachtet, noch das Passah-Lamm stehend und mit Stäben in den Händen gespeist, noch die Türpfosten mit seinem Blut besprengt; dafür wurde beim Passah-Mahl nun Wein getrunken.[1]
Die Ordnung des Abendmahls, das dem Passah-Mahl folgte, war von alters her erarbeitet worden und ziemlich kompliziert, aber allen rechtsgläubigen Juden gut bekannt,[2] die jährlich zu Tausenden zum Passah nach Jerusalem strömten[3]. Jesus und seine Jünger erdachten hier nichts Neues, und sie konnten auch nichts Neues erfinden. Für das Passahfest gab es einem bestimmten Ritus, der über die Jahrtausende entwickelt worden war und in der Zeit Jesu Christi eine Endform erhalten hatte, die er bei den Juden auch heute noch hat.[4] Aus der Mischna wissen wir genau, wie die Zeitgenossen Christi[5] dieses Mahl, genannt „seder" (סדר – Ordnung), begingen: Es bestand aus einer ganzen Reihe von Gebeten, sakralen Handlungen und Speisen. Es wird vermutet, dass das „Szenario“ des Passah-Seders nach dem Muster des griechisch-römischen Symposiums erarbeitet worden war[6]. Tatsächlich ist ein gewisser Einfluss des antiken, feierlichen Mahls auf das Passah-Seder ist nicht auszuschließen (übrigens, bei diesem Mahl gab es auch gekochte Eier[7]). Doch gehen einige Seder-Elemente anscheinend auf das tiefe Altertum zurück und spiegeln universale und archetypische Vorstellungen wider. Laut dem Gesetz sollte an Passah stehend gespeist werden, doch später wurde die Sitte des Liegens eingeführt[8]. Obwohl es nach dem Gesetz Mose befohlen war, Passah im Stehen zu essen, wurde diese Regel nicht auf das Abendmahl angewendet. Nach dem Talmud mussten Sklaven ihr Essen im Stehen konsumieren, während freie Menschen dieser Sitte nicht zu folgen brauchten, was auf den Übergang Israels von der Sklaverei zur Unabhängigkeit hindeutet[9]. Angesichts dessen musste sogar der Ärmste das Abendmahl im Liegen verzehren, als Symbol seiner Sicherheit, Ruhe und Freiheit. Es wurde vorgeschrieben, den Seder mit aufgestütztem linkem Arm zu verrichten, quasi im Liegen (wie es von freien Menschen in der griechisch-römischen Periode praktiziert wurde)[10]. Ebenso, mit dem Ellenbogen auf ein spezielles Kissen gelehnt, leitete der Familienvater oder der Führer den Seder (vgl. Joh 13,23). So tranken sie mit Wasser gemischten Wein und aßen Speisen aus bitteren Kräutern, ungesäuerten Broten und sicherlich auch vom Passah-Lamm.
Das von Christus gemeinsammit seinen Jüngern verrichtete Heilige Abendmahl war seinem äußeren Ritual nach das altjüdische Passah-Abendmahl, bei dem sich in Israel die Mitglieder jeder Familie versammelten, um gemeinsam das Passah-Lamm zu kosten[11]. Höchstwahrscheinlich wurde das Ritual des jüdischen Passah von Christus durchaus nach der Tradition vollbracht, aber eben mit völlig neuartigen Betonungen und Ergänzungen. Die Mahlzeit begann normalerweise mit der Segnung, und in der Mitte der Mahlzeit folgte, als Antwort des Vaters an den Sohn über die Ursache des Passah-Feierns, die haggada –eine Rede über die wundersame Befreiung der Juden von der Sklaverei[12].Einer der Kelche, der dritte[13], aus dem alle tranken, hieß derKelch der Segnung (vgl. 1 Kor 10,16).
Am Ende der Mahlzeit segnete Christus den Kelch wieder (s: Mt 26,26-27; Mk 14,23; Lk 22,20). Im Laufe dieser Mahlzeit sprach der Herr die Worte: „Trinket alle daraus. Dieser Kelch istmein Blut, das des Neuen Bundes, welches für euch und für viele vergossen wird“[14].
Hier wird der Parallelismus zwischen den beiden Passahfesten deutlich. Christus wiederholt die Worte Mose: „Siehe, das Blut des Bundes, den Jahwe mit euch gemacht hat“ (2Mose24,8). Christus sagt dieselben Worte in seiner Passah-Nacht und über sein Blut. Das Blut des Lammes, das am Ende des Alten Testaments vergossen wird, steht in Beziehung mit dem Blut Christi, das nun vergossen wird; der Bund des Moses steht in Beziehung mit dem Neuen Bund; die Befreiung von der ägyptischen Sklaverei steht in Beziehung mit dem Erlass der Sünden.
Christus sagt: „Dieses tut zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19)Dieses Abendmahl (Liturgie) wird also bereits zum Gedächtnis Christi, nicht Mose, verrichtet. In diesem Sinne ist die Bedeutung dieser Worte den Protestanten zuwider; sie sagen, dass Brot und Wein in der Liturgie nicht der wahre Leib und das wahre Blut Christi seien, sondern an IHN nur erinnern sollten.
Der christliche Glaube ist der österliche Glaube. Die Ordnung des Mysteriums der Eucharistie ist weder aus dem Tempel- noch aus dem Synagogen-Gottesdienst entstanden. Letzterer hat allerdings Einfluss auf die „Synaxis“ genommen, die später den ersten Teil der christlichen Liturgie ausmachte. Selbst die Ordnung der Eucharistie ist aus der Ordnung des jüdischen Mahls entstanden – genauer gesagt, aus der Ordnung des Heiligen Abendmahles[15].
Viel Tinte haben Theologen darauf verwendet, um zu erklären, wie es sich ergeben hatte, dass Christus das Passah-Abendmahl mit seinen Jüngern vor dem Beginn des jüdischen Passahs verrichtet hatte[16]. Die Meinung, dass Passah vom 13. Auf den 14. Nisan verrichtet wurde, gilt heute als allgemein anerkannt. Die Ordnung der Ereignisse der letzten Tage des Herrn Jesu Christi war derart, wie sie die kirchlichen Gottesdienste der Orthodoxen Kirche in der Karwoche nachzeichnen. Also nehmen wir vorab an, noch ohne jegliche Beweise, dass Christus am Freitagmorgen gekreuzigt wurde. Das Heilige Abendmahl wurde am Vorabend, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, begangen.
Christus wurde also nicht nur ungefähr an den Tagen des jüdischen Passahs, sondern am eigentlichen Passah-Tag (an dem die Lämmer im Tempel geschlachtet werden) ans Kreuz geschlagen, was, wie wir bereits erwähnten, kein Zufall war.
„[Das Abendmahl fand statt am] heiligen und großen Donnerstag, wie es alle gerechten göttlichen Väter seit den göttlichen Aposteln und heiligen Evangelien übernommen und uns überliefert haben, da das jüdische Passah am Freitag gefeiert werden sollte, da unser Herr Jesus Christus, wie es gemäß Tradition und Wahrheit sein sollte und wie es die göttlichen Väter berichteten, Passah mitsamt den Jüngern am Donnerstagabend offenkundig verrichtete und sich damit um unser Willen sichtbar opferte. Dieser Abend und der ganze Freitag wird bei den Juden als ein Tag gerechnet.“[17]
Ähnlich wie die anderen Feste und Festlegungen ist das alttestamentarische Passah ein Schatten, ein Prototyp der Zukunft (Kol 2,15-17). Schon die Autoren des Alten Testaments sahen in den Passah-Vorschriften Bilder der Zukunft. Für den ankommenden Messias hatten sie Bezeichnungen, die offensichtlich vom Passah-Lamm abgeleitet wurden. So verglichen die Propheten Jesaja und Jeremia IHN mit dem Lamm (Jes 53,7; Jer 11,19), und in diesem Vergleich sahen die Autoren des Neuen Testaments Schriftsteller einen deutlichen Hinweis auf Jesus Christus (Apg 8,32-35). Demgemäß wird ER auch im Neuen Testament als „Lamm“ bezeichnet (Joh 1,29; 1 Petr 1,19), und der Hl. Evangelist Johannes erwähnt bei seiner Erzählung, dass die Kriegsknechte die Unterschenkel Christi nicht brachen: „Denn dies geschah, auf dass die Schrift erfüllt würde: ‚kein Bein von ihm wird zerbrochen werden‘" (Joh 19,33-36; 2.Mose. 12,10). Die Nicht-Zerbrechung der Knochen des Passah-Lammes war der Prototyp der Nicht-Brechung der Unterschenkel Christi am Kreuz (Joh 19, 33-36).
Betrachten wir Passah durch das Prisma des Neuen Testaments bzw. die in Christum bereits erfüllte Prophezeiung, erwähnen wir, dass das Passah-Lamm als Opfer für Gott typologisch auf Jesus hingewiesen hat, als „das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt“ (Joh 1,29) und welches von Anbeginn der Welt an geschlachtet ist (Off 13,8); der sich der gesamten Menschheit als Opfer zur Erlösung von der Sklaverei der Sünde und des Todes dargebracht hat. Die Kirchenlehrer und -väter betonen die protototypische Bedeutung von Passah ausführlicher. Wie wir bereits ausgeführt haben, fiel die Zeit der Opferung mit der Kreuzigung Christi zusammen. Der Hl. Irenäus von Lyon sagt: „Er (Moses) kannte den Tag seines Leidens und sagte ihn voraus unter dem Namen Passah. Und an diesem Fest hat der Herr gelitten, indem ER das Passah verrichtete.“[18]
„Am vierzehnten Tag wurde das Passah-Lamm als Bild des gekreuzigten Herrn geschlachtet“, schreibt der Hl. Ephraim der Syrer.[19] Die Sprenkelung mit dem Blut des Passah-Lammes ist das Bild unserer Erlösung durch das Blut Christi (Hl. Kyrill von Alexandrien).[20] Nach seinen Worten sind die ungesäuerten Brote ein Hinweis darauf, dass diejenigen, die Christus teilhaftig geworden sind, ihre Seelen mit Nicht-Gesäuertem, mit reinsten Wünschen ernähren sollen, indem sie ein Leben führen, das frei von Falsch und altem Sauerteig ist.[21] Im mystischen Sinne symbolisieren die ungesäuerten Brote die Reinheit des spirituellen Lebens in Christo, auf dass die Christen über das Passah Christi vom alten Sauerteig der Sünde bereinigt werden und das neue Passahmit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit (1 Kor 5,7-8). Die bitteren Kräuter sind das Bild des Leidens, das wir ertragen sollen aus Liebe zu DEMJENIGEN, DER um unser Willen in den Tod gegangen ist.“[22]
Bekannt ist die Auslegung vom Hl. Justin dem Märtyrer, einem der ersten Apologeten der Kirche, nach der selbst die Art der Vorbereitung des Osterlamms „Symbol des Kreuzes war, an dem Christus zu leiden hatte. Denn wenn ein Lamm gebraten wird, wird es ebenfalls kreuzförmig aufgespannt: ein Spieß geht gerade hindurch vom Hinterteil zum Kopf, ein zweiter quer durch die Schulterblätter, auf welchem die Vorderbeine des Lammes gehalten werden.“[23]
Noch eine interessante Gemeinsamkeit: in der Zeit Christi wurde Passah und das Fest der ungesäuerten Brote als ein gemeinsames Fest erlebt. Dabei war Passah seiner ideologischen und historischen Bedeutung nach höherstehend als das Fest der ungesäuerten Brote; daher wurde sein Name häufig auch auf das darauffolgende Fest übertragen[24]. Nach dem Gesetz wurde am 14. Nisan das Passah-Lamm geschlachtet und gegessen. Am 15. Nisan wurde der erste Tag des Festes der ungesäuerten Brote gefeiert, ebenfalls Passah genannt, und an einem anderen Festtag (traditionell am 16. Nisan) wurden die ersten geernteten Garben (‘omer, „Erstlinge“) geopfert (Lev 23,10-11). Wie bereits erwähnt, fällt nach der Überlieferung der Kirchenväter der Tag des Schlachtens des Passah-Lammes und der Tag des Leidens und des Todes des Messias (Freitag) zusammen. Und die Auferstehung Christi geschah am Morgen des 16.Nisan (Sonntag), am Tag der Opferung der Erstlinge im Tempel. Ist das Zufall? Oder ist es nicht vielmehr genau das, was der Apostel Paulus meinte, als er sprach, dass Christus, nachdem er von den Toten auferstanden war, zum Erstling (α̉παρχή) wurde unter den Entschlafenen (1 Kor 15,20)?Der Erstling aller Erlösten ist Christus, DER wie die erste Garbe die gesamte Ernte einweiht (Röm 8,29; 1 Kor 15,23; Kol 1,18)[25]. Und diese zwei Tage des Festes wurden von den ersten Christen wahrgenommen, aber bereits in einer anderen Dimension – der Dimension Christi – als zweigeteilt in ein erstes Fest, dem Passah des Kreuzes (pascha staurosimon, pascha crucifixionis), und ein zweites Fest, dem Passah der Auferstehung (pascha anastasimon, pascha resurrectionis)[26].
Um die messianisch-prophetische Bedeutung des alttestamentarischen Festes des Passahs zu ersehen, vergegenwärtigen wir uns die Praxis des späteren Judaismus. Wir wissen, dass dies nicht der biblische Judaismus ist; aber sein Beispiel kann uns sehr dabei helfen, die typologische Bedeutung von Passah zu entziffern. In dieser Praxis verkörpern sich viele uralte religiöse und messianische Ideen, die auf das tiefe Altertum zurückgehen, und darin spiegelt sich auch die Bedeutung des Festes für die biblischen Juden wider.
Zweifellos hatte Passah bei den Juden bereits in der Zeit Christi eine eschatologische Färbung bzw. messianischen Charakter. Die Feste waren bereits in der Zeit nach der Babylonischen Gefangenschaft mit der Erwartung des Messias verbunden und mit diesem messianischen Inhalt erfüllt worden. Besonders intensiv wurde dies in der Zeit der Makkabäer. Die Feste stellten nicht nur eine Erinnerung dar, sondern die Erinnerung funktionierte als Erwartung. Der Exodus aus Ägypten wurde verbunden mit dem zukünftigen Ereignis der Ankunft des Messias und der Befreiung von der spirituellen Sklaverei der Sünde und den Gesetzen dieser Welt. So entfaltete sich die eschatologische Dimension von Passah. Nicht nur erinnerte das Fest an den Exodus aus Ägypten, sondern es wurde Vorgefühl der kommenden messianischen Ära. Die endgültige (eschatologische) Rettung ist quasi eine neue Schöpfung (Jes 65,17), der unumkehrbare Exodus (Jes 65,22), der vollkommene Sieg über das Böse, das neu erreichte Paradies (Jes 65,25). Diese Verklärung der Welt sollte sich in der Person des Messias erfüllen (Jes 11,1-9), und die Juden erwarteten in jeder Passah-Nacht seine Ankunft.
Die Riten des kultischen Passah-Mahls (seder) wurden als Vorwegnahme „des messianischen Gastmahles“ angesehen.[27]
Bei den Juden gab es einen Spruch, der den Altvätern zugeschrieben wurde: „In jeder Generation muss der Mensch sich so ansehen, als ob er aus Ägypten ausgezogen wäre.“[28]M‘itzraim (מצרים ), das jüdische Wort für Ägypten, bedeutet „Grenze, Schranke“; yetziatm‘itzrayim, der Exodus aus Ägypten, ist die Bemühung, sich über alles hinwegzusetzen, was die Menschenseele versklavt und beschränkt; die Bestrebung, sie von allen physikalischen, psychologischen und spirituellen Einschränkungen zu befreien, deren Ursache die Gewohnheiten und die Natur sind.[29] Daher wird in der synagogalen Liturgie Passah das Fest der Freiheit genannt (hagha-herut)[30].
Eines der einschränkenden Elemente des menschlichen Daseins ist das Phänomen der Zeit. Die Zeit verschluckt die Vergangenheit und trennt uns von der Zukunft, wodurch sie unser Leben auf ein punktuelles Teilchen der Gegenwart reduziert. Aber am ersten Abend des Passah werden die Grenzen der Zeit zerstört, und es ist dem Menschen gestattet, den Exodus so zu erleben, als ob er selbst aus Ägypten ausgezogen wäre. Der Exodus wird im Bewusstsein wiederhergestellt, in der Haggada-Erzählung verbalisiert und in Form von ungesäuerten Broten und Wein gespeist. Die Geschichte wird gegenwärtig und real.
Passah dauert acht Tage.[31] Nach der Regel sind in der jüdischen Diaspora die ersten und die letzten beiden Tage vollwertige Feiertage (yom tov)[32]. Während das Thema der Erlösung Leitfaden des ganzen Festes ist, erinnern die beiden ersten Passah-Tage besonders an die erste Erlösung (den Exodus); die beiden Abschlusstage hingegen verherrlichen die endgültige Erlösung – die zukünftige Ära der Göttlichen Gnade und der Vollkommenheit, die derMaschiach verkündigt hat. Am Anfang des Festes wird der Seder verrichtet, das an die Erlösung aus Ägypten mit allen ihren Riten erinnert. Am siebten Tag des Passah wird das „Meerlied“[33] vorgetragen, das eine wichtige Anspielung auf die messianische Ära enthält. Am achten Tag findet die Haftara(eine Lesung aus den Prophetenbüchern) statt, und zwar die Stelle aus Jesaja10,32-12,6, die eine vorbildliche Prophezeiung der zukünftigen Erlösung ist. Der Rabbiner Israel Baal Shem Tov, Wiederbegründer der Hasiden-Bewegung[34], führte im 18. Jh. die Sitte der Kommunion ein, mit der Teilnahme am „Gastmahl des Maschiach“, dem widerspiegelnden Seder mit ungesäuerten Broten (m‘atza) und vier Weinkelchen, das am Nachmittag des achten Passah-Tages verrichtet wird.[35]
Durch diese Sitte betonteBaal Shem Tov den Zusammenhang zwischen der Erlösung und dem Achten Passah-Tag.[36] Obwohl diese Sitte relativ jung ist, verkörpert sich darin eine Idee, die wahrscheinlich tief im Altertum wurzelt – die Verbindung einer Zeit des Festes im Allgemeinen, und insbesondere von Passah, mit der Zeit des Messias. Also tritt der fromme Jude am letzten Passah-Tag in die Welt des erwarteten Messias, indem er die Zukunft vorwegnimmt, mittels ungesäuerten Brotes (Matze) und dem Wein der endgültigen Erlösung.[37] Der Jude bereitet sich auf dieses „Fest des Messias“ die ganze Osterwoche lang vor, indem er nichts Gesäuertes speist. In der modernen Hasiden-Terminologie steht Sauerteig für ein stumpfes Gefühl der Selbstzufriedenheit. Der Verzicht auf Chametz (Sauerteig) am Passah steht für den Verzicht auf Arroganz und Egoismus.[38] Nachdem der Mensch seine Schwächen besiegt hat, widmet er sich nun der eschatologischen Zeit der messianischen Erlösung; nach der Speisung kann er das Leben im Dienste Gottes genießen[39].
Wir sehen, wie die Juden durch die Wirkung des Heiligen Geistes das antizipierten, was den Christen real gegeben wird. Sie hatten das mystische Vorgefühl der Ära des Messias, die Zeit des achten, nie-endenden Tages, an dem sich die Geschichte des auserwählten Volkes erfüllt (nicht zufällig dauert das Passah-Fest acht Tage und gipfelt im FestMaschiach als einer Ikone des zukünftigen Reiches). Aber all das war ein Prototyp, und für die Juden bleibt es das weiterhin, da sie den Messias nicht erkannt haben. Sie kommen damit quasi zu spät: das, was für die Juden nur ein Symbol darstellte (und immer noch darstellt), ist für die Gläubigen Christi liturgische Realität.
Mit der Ankunft Christi, des wahren Messias, leben wir bereits in der letzten, messianischen Zeit. Mit der Fleischwerdung, dem Opferung, der Auferstehung und der Verherrlichung Christi, mit dem gesamten Werk der Rettung ist die Welt bereits erlöst und die Hoffnungen Israels erfüllt. Wir Christen warten auf die zweite Ankunft Christi; aber das Reich ist bereits gekommen. Obwohl wir uns noch im siebten Tag der Schöpfung bzw. in der historischen Zeit befinden, lässt uns Gott das Leben des achten Tages und das reale Vorgefühl des Reiches erleben. Jedes Mal, wenn wir in den sakralen Raum des ersten Wochentages – Sonntag – eintreten, steigen wir durch die Liturgie ins Reich empor und werden dieses Lebens teilhaftig. Damit wird Sonntag wirklich der achte Tag, die Ikone der Ewigkeit. Das erfüllt sich nicht nur sonntags, sondern jedes Mal, wenn wir die Liturgie zelebrieren, da die Zeit der Liturgie die Zeit des Himmelsreiches ist. „Dieses tut zu meinem Gedächtnis: denn so oft ihr dieses Brot esset und den Kelch trinket, bekennt ihr euch zu meinen Tod. Also, Gebieter, gedenken wir seines rettenden Leidens, lebensspendenden Kreuzes, dreitägigen Begräbnisses, seine Auferstehung aus den Toten, seines Aufstieges in den Himmel, seines Sitzens zur Deiner, Gottes und Vaters, Rechten, und seine herrliche und furchtbare zweite Ankunft, wir bringen dir das Deine von den Deinen darund eines jeden und einer jeden.“[40] „All dieses Gedenken ist die immer wieder wiederholte Verkündigung des Todes und der Auferstehung Christi (1 Kor 11,26) – das Erlebnis dessen, was in der Vergangenheit geschehen ist als des Aktuellen und des jetzt Anwesenden“[41]. Nicht nur an die Vergangenheit zu erinnern, sondern auch an die Zukunft; aber wir können wir uns an die Zukunft erinnern, wenn sie doch noch nicht geschehen ist? In der Liturgie können wir bereits so sprechen; denn das ist wahrhaft geschehen, da wir uns in Eschaton befinden – da befindet sich die Fülle von Allem, alles ist bereits erfüllt; da ist die Fülle der Zeit, da sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht getrennt, sondern befinden sie sich alle in einem realen liturgischen „Jetzt“. In der Liturgie öffnet sich das wahre Passah, das Passah Christi, und die neue, reale Dimension des Festes, die von IHM gegeben wurde.
„Die Liturgie“, sagt Archimandrit Sophronij [Sakharow], „ist in ihrer ewigen Realität das uns immer mit anwesende Passah des Herrn. Bis zur Ankunft Christi des Messias erfolgte das jüdische Passah als Erinnerung an ein historisches Ereignis – das Ende der Versklavung des israelitischen Volkes in Ägypten, Prototyp aller anderen Sklavereien, und die Flucht durch das Rote Meer. Was aber das christliche Passah, Ostern, betrifft, meint es die Erlösung von der Versklavung durch Sünde und Tod, der Übergang von partiellen und eingeschränkten Sätzen zu universellen und göttlichen, der Aufstieg von den irdischen Formen des Daseins zu den himmlischen, zur Unsterblichkeit.“[42] Und darin, so Vater Sophronij, liegt die radikale Änderung des Charakters unseres Passah- bzw. Ostertriumphes (also der Liturgie). Die gesamte Liturgie ist ihrem Hauptinhalt nach nichts anders als die Erinnerung an Christus den Messias, und nicht an irgendeine historische Tatsache. Diese „Erinnerung“ wird zum lebendigen Eintritt in die Sphäre des Geistes Christi in seiner göttlichen und irdischen Dimension. Christus ist der Sinn und das Licht des christlichen Passahs. Die ewige Aktualität der Liturgie wird auch durch den Inhalt des Gebets betont, das alle Gläubigen vor dem Empfang der Heiligen Sakramente des Leibes und Blutes Christi sprechen: „Als Teilnehmer an deinem mystischen Abendmahl, Sohn Gottes, nimm mich HEUTE auf“. In diesem „HEUTE“ – JETZT – gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft, sondern nur das Gegenwärtige – die Fülle. Und mit diesem Gebet bitten wir darum, in der Sphäre der vorewigen Gottheit der Heiligen Dreiheit aufgenommen zu sein[43].
Uns ist es gegeben, das reale Vorgefühl dieses freudvollen Lebens „im Gastmahl des Messias“, in unserem Osterfest, in der Liturgie zu erleben; aber da ist nur der Anfang. Wenn die zweite Ankunft in der Geschichte geschieht, wenn Gott das Alles im Allen sein wird, dann werden wir dieses Sonntags bzw. der Auferstehung[44], Gottes Selbst noch wahrer und vollkommener teilhaftig werden.
[1] Терновский С.А. О жертвах, 63-е чтение // Библейская старина, VIII. СПб., 1900. С.18.
[2] Daher sagen die Evangelisten im Neuen Testament nichts über den Ritus des traditionellen Mahles, der allgemein bekannt war, sondern berichten nur über die Neuigkeiten, also über den veränderten Inhalt, mit dem Christus dieses ganze Mahl erfüllte.
[3] Am Ende der Epoche des Zweiten Tempels war die Anzahl der Pilger, die zum Passah-Fest nach Jerusalem strömten, riesig. Joseph Flavius spricht von über 250.000 Lämmern, die an diesem Tag geschlachtet wurden. (Иудейская война, VI, 9, 3, Минск, 2004. С. 612.).
[4] Sicherlich unterscheidet sich die Verrichtung des Passah-Mahls zu Christi Zeiten vom heutigen im modernen Judentum in der Form; aber der Inhalt, die Idee und die Konzeptualität sind gleich geblieben.
[5] Rebić Adalbert.Biblijskestarine. Zagreb, 1983. С. 204.
[6] Носенко Э. ...Вот праздники Бога.... Москва, 2001. С. 176.
[7] Unter anderem fungierten Eier bei vielen Weltvölkern zur Zeit der Frühlingsfeste als Fruchtbarkeitssymbol und zugleich als Symbol der Wiedergeburt des Lebens, sowie auch in den Riten des Verstorbenenkultes, der diese Feste häufig begleitete. Mir scheint, dass eben darin die Wurzel einer bei den Christen verbreiteten Sitte (zu Ostern gefärbte Eier zu verschenken) liegt, denn Eier sind ein Symbol des Lebens, das aus dem Sarg des auferstandenen Christus emporgeschienen ist.
[8] „Sklaven essen normalerweise im Stehen; jetzt aber speisen sie im Liegen, um zu zeigen, dass sie aus der Sklaverei in die Freiheit emporgestiegen sind.“ – Zit. nach Толковая Библия,Лопухин А.П. Т.3. СПб., С. 410.
[9] Тристрам Г.В. Восточные обычаи в библейских странах. СПб., 1900. С. 41.
[10] Die Griechen hatten das Speisen im Liegen von den Persern übernommen. Die Römer hatten diese Sitte wiederum von den Griechenentlehnt. Nur die Kreter hatten ihr Abendmahl im Sitzen eingenommen. (Киприан (Керн), архим. Евхаристия.М., 1999. С. 20-21.).
[11] Иларион (Алфеев), еп. Таинство веры. Клин, 2005. С. 160.
[12] Кураев Андрей, диакон. Протестантам о Православии. Москва, 1997. С. 184.
[13] по Толковой БиблииЛопухина. Т.11, СПб, 1911-1913. С. 73.
[14] Welcher Kelch diente zur Errichtung des Mysteriums des Blutes Christi? Einige (Lightfoot, Schagg, Schanz, Laurent, Skene, Lilley, Pőlzl) meinen, es sei der dritte „Kelch der Segnung“ gewesen; Andere (Bickell Cornely) dagegen, es sei der vierte, und Manche (vgl. Langen), es sei der fünfte gewesen, der nach dem Abendmahl gekostet wurde und nicht für alle obligatorisch war. (Глубоковский Николай. Пасхальной вечери Христовой и об отношениях к Господу современнаго Ему еврейства.СПб., 1893. С. 37.).
[15] Ausführlicher dazu s. die Werke vonархим. Киприан Керн Евхаристия.М., 1999. С. 28 и прот. Николая Афанасьева. Трапеза Господня. Киев, 2003. С. 69-75.
[16] Über „das letzte Heilige Abendmahl Christi“ sind auch auf Russisch viele Artikel erschienen (Erzpriester Alexander Gorskij und Wassilij Bogdaschewskij,Khwolson,Nikolaj Glubokowskij, Troizki u.a.). Khwolson (so wie auch Glubokowskij) glauben, dass man in jenem Jahr das Passah-Lamm sowohl am 13. als auch am 14. Nisan geschlachtet und gegessen hatte. Sie stimmen zu, dass Christus Passah am 13. Nisan verrichtete; aber nach Khwolson war dies gesetzwidrig (obwohl Christus es nach dem festgelegten Ritual im Geiste Mose verrichtete), da für alle der 14.Nisan der gesetzliche Tag war. Khwolson forscht weiter und findet einen Weg zur Korrektur von Mt 26,17. Deshalb meint er, dass nicht ungesäuerte Brote, sondern gesäuerte verzehrt worden seien. Glubokowskij sagt, dass an jenem Jahr sowohl am 13. als auch am 14. Nisan das gesetzliche Passah war. In der Umgangssprache(Флавий. Иудейскиедревности II,15,1) sind der erste Tag des Festes der ungesäuerten Brote und Passah (wenn das Lamm geschlachtet wird) gleichgesetzt. NachGlubokowskij reichte Christus, indem er dem Gesetz folgte, ungesäuerte Brote(s. Глубоковский Николай. Пасхальной вечери Христовой и об отношениях к Господу современнаго Ему еврейства.СПб., 1893). Bischof Kassian (Besobrasov) ist in seinem Buch Христос и первое христианское поколение (Париж, 1950. С. 89-91) der Meinung, dass das heilige Abendmahl das Passah-Mahl Christi war, und schlägt eine Hypothese der Übereinstimmung der Angaben der Synoptiker und Johannes vor.Archimandrit Kiprian (Kern) ist auch der Meinung, dass der Heiland es zum gesetzlichen Tag und zur rechten Stunde verrichtete (vgl. Lk 22,14) (Евхаристия.М., 1999. С. 18).Erzpriester Nikolaj Afanasjew neigt dazu, dass das Heilige Abendmahl nicht das von Passah war, aber nichtsdestotrotz durch die Nähe des Passah-Mahls, das Christus nicht mehr mit seinen Jüngern verrichten konnte, einen besonders feierlichen Charakter gehabt habe(ТрапезаГосподня. Киев, 2003. С. 71).Der serbische Bibelwissenschaftler Glumac ist der Meinung, dass Christus Passah vor allen Anderen verrichtete, so wie es beim Evangelisten Johannes beschrieben ist (Глумац Душан, др. Библијска археологија. Београд-Србиње, 1999. С. 128).
[17] Синаксар на Великий Четверток.
[18] Zit. nach: Лопухин А.П. Толковая Библия. Т.1. СПб., 1904 – 1907. С. 312.
[19] Ефрем Сирин, св., Творения, Т.6, Москва, 1995, стр. 360
[20] Кирилл Александрийский, свт. Творения. Кн. 2. М., 2001. С. 270.
[21] Лопухин А.П. Толковая Библия. Т.1. СПб., 1904 – 1907. С. 312.
[22] Разговор с Трифоном Иудеем, гл. 40, https://aleteia.narod.ru/just/tryph.htm.
[23] Шиваров Николай, проф. прот. Библеиска археология. София, 1992. С. 506.
[24] Глумац Душан, др. Библијска археологија. Београд-Србиње, 1999. С. 128.
[25] Вихлянцев В.П. Библейский словарь. Москва-Коптево, 1984-1994.https://www.bible-center.ru/dict/vpvdict, С. 173.
[26] Easter //The Catholic Encyclopedia, copyright 1909 by Robert Appleton Company, online edition 1999 by Kevin Knight, https://www.newadvent.org/cathen/.
[27] Мень А. Пасха /Праздники библейские // Словарь по библиологии.https://www.agape-biblia.org/books/Book04/.
[28] Zit. nach: Tauber Yanki: Remembering the Future. https://www.chabad.org/holidays/passover/pesach_cdo/aid/1985/jewish/Remembering-the-Future.htm.
[29] Ebenda.
[30] Песах https://www.eleven.co.il/categ/1309.
[31] Nach dem Gesetz wird Passah acht Tage gefeiert. Wenn die Juden sich aber in der Diaspora befanden, entstand das Problem bezüglich der genauen Zeit des Feierns der Feste. Wegen des Problems der Präzisierung des jüdischen Kalenders in der Diaspora fügten die Juden jedem Fest einen Tag hinzu, und es wurde in den heiligen Tag hineingefeiert.The Eight Day of Pesach – The Feast of Mashiach. https://www.sichosinenglish.org/cgi-bin/calendar?holiday=pesach10456.
[32] Песах https://www.eleven.co.il/categ/1309.
[33] Ein Lied, das die Juden nach dem wundersamen Übergang über das Rote Meer gesungen hatten (2 Mose 15, 2-19). (Anm.d.Ü.)
[34] Die Hasiden(von hāsid„gerecht“) sind eine Bewegung im Judaismus, die im ersten Drittel des 2. Jh. v.Chr. entstanden. Die Hasiden hielten sich besonders streng ans Gesetz, besonders die Regeln der rituellen Reinheit, die Vorschriften betreffs des Essens und des Samstags (Шиваров Николай, проф. прот. Библеискаархеология. София, 1992. С. 528.). Anscheinend, wie einige Forscher behaupten, spaltete sich die Hasidenbewegung in mehrere Zweige, u.a. die Essener und die Pharisäer. Im 18. Jh. begann man, die Mitglieder einer mystischen Sekte im Judaismus „Hasiden“ zu nennen (Мень А. Словарьпобиблиологии.https://www.agape-biblia.org/books/Book04/), von denen hier die Rede ist.
[35] Tauber Yanki. Remembering the Future. https://www.chabad.org/holidays/passover/pesach_cdo/aid/1985/jewish/Remembering-the-Future.htm.
[36] https://www.sichosinenglish.org/cgi-bin/calendar?holiday=pesach10456.
[37] https://www.chabad.org/holidays/passover/pesach_cdo/aid/1985/jewish/Remembering-the-Future.htm.
[38] https://www.chabad.org/library/article_cdo/aid/673479/jewish/Addicted-to-Chametz.htm.
[39] Ebenda.
[40] Das Gebet der Anamnese der Liturgie des Hl. Basilios dem Großen.
[41] Павел, архиепископ Финляндский. Пир веры. Киев, 2005. С. 75.
[42] Софроний (Сахаров), архим. Видеть Бога как Он есть. Свято-Троицкая Сергиева Лавра, Свято-Иоанно-Предтеченский монастырь, 2006. С. 281-282.
[43] Ebenda, С. 282.
[44] Auf Russische heißt Sonntag der Tag der Auferstehung. (Anm.d.Ü)
Gligorov, Georgy