Predigt über den Heiligen Erzengel Gabriel (Lk 10, 16-21), 26.07.2026
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Liebe Brüder und Schwestern,
der heutige achte Sonntag nach Pfingsten, an dem wir das Evangelium über die Speisung der 5000 lasen, fällt in diesem Jahr mit dem Fest des Gedenkens an den Heiligen Erzengel Gabriel zusammen.
Dieses Fest existiert seit dem 9. Jh. und ist dem Gedächtnis aller wunderbarer Erscheinungen des Erzengels Gabriel gewidmet.
Im Alten und Neuen Bund sind die Engel von solcher Bedeutung wie der Hofstaat um einen König. Im Gebet der Kirche sind die Engel stets gegenwärtig. So gilt der Montag einer jeden Woche ihrem besonderen Gedächtnis.
Doch was sind eigentlich Erzengel?
Das Wort setzt sich aus dem griechischen Wort „Engel“ (ἄγγελος – Bote, Verkünder) und der Vorsilbe „archi“ (ἀρχι-) zusammen, die „oberster, höchster“ bedeutet und auf die Vorrangstellung der Erzengel gegenüber den Engeln hinweist. Das Wort „Erzengel“ taucht in der Heiligen Schrift erstmals im 3. Buch Esra auf.
Die Erzengel nehmen als Boten der bedeutendsten guten Nachrichten eine führende Rolle in der Engelhierarchie ein. Nach der Angelologie (Lehre von den Engeln) des Pseudo-Dionysius Areopagita besteht ihr Dienst in der Verkündigung von Prophezeiungen, der Weitergabe von Wissen und der Deutung von Gottes Willen, die sie jeweils von den Engeln höherer Ordnung erhalten und an diejenigen niederer Ordnung – und durch diese an die Menschen – weitergeben. Der Hl. Gregor Dialogos bezeichnete als Aufgabe der Erzengel die Stärkung der Menschen im Glauben, ihre Erleuchtung durch die Kenntnis des Evangeliums und die Enthüllung der Mysterien des richtigen Glaubens.
Die Heilige Schrift berichtet zwar von Erscheinungen von Engeln vor verschiedenen Menschen, nennt jedoch nur einige von ihnen beim Namen. Zu ihnen gehören die Erzengel Michael und Gabriel, die in den kanonischen Büchern der Heiligen Schrift erwähnt werden, sowie die Erzengel Raphael, Uriel, Salafiel und Jeremiel, die in den nichtkanonischen Büchern der Heiligen Schrift erwähnt werden. Darüber hinaus sind uns aus der kirchlichen Überlieferung zwei weitere Namen von Erzengeln bekannt: Jehudiel und Barachiel.
Die Lehrer der Kirche, insbesondere der heilige Dionysios Areopagita, lehren übereinstimmend, dass jene sieben höchsten Engel unaufhörlich vor Gott stehen. Die übrigen Engel werden zu verschiedenen Diensten ausgesandt; jene aber verbleiben als die Gott Nächststehenden ständig an seinem Throne.
Wenn jedoch die höchsten Geheimnisse Gottes verkündet oder seine größte Macht offenbar werden sollen, dann werden auch sie ausgesandt, gemäß den Worten des heiligen Apostels Paulus:
„Sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil erben sollen?“ (Hebr 1,14)
Gabriel bedeutet „die Stärke Gottes“. Was wissen wir über diese starke Himmlische Macht?
Im Alten Testament richtete der hl. Gabriel den zu Boden gestürzten Daniel auf, erklärte ihm seine Geschichte und prophezeite ihm die Ankunft des Messias (Daniel 8,16; 9,20). Auch den heiligen Propheten Mose unterwies er in der Wüste beim Niederschreiben des Buches Genesis und offenbarte ihm die göttliche Geschichte von der Erschaffung der Welt und den ersten Generationen der Menschheit.
Im Neuen Testament wird berichtet, wie er dem hl. Zacharias von Gott die Geburt seines Sohnes Johannes, des späteren Propheten und Täufers Christi, verkündigte.
Des weiteren wird in den Evangelien erzählt, wie der Erzengel der hl. Jungfrau Maria erschien, mit der frohen Botschaft von der bevorstehenden Christi Geburt. Beide Geschehnisse sind am Anfang des Lukas-Evangeliums beschrieben. Der Verkündigung ist ein eigenes Hochfest im Kirchenjahr gewidmet und die Bedeutung dieses Ereignisses als Beginn unserer Erlösung findet sich auch in der Ausgestaltung der Kirchen wieder. So ist in vielen Kirchen die königliche Tür mit diesem Motiv versehen und wir finden links die Darstellung des Heiligen Erzengels Gabriel und rechts die der Gottesgebärerin.
Gabriel wurde gesandt, weil es seinem Dienst entspricht, die Geheimnisse Gottes zu verkünden.
Von ihrer Empfängnis und Geburt an war er der Schutzengel der makellosen Jungfrau. Im Allerheiligsten brachte er ihr Nahrung. Daher war es auch Gabriel, der ihr schließlich die Botschaft von der Empfängnis des Sohnes Gottes brachte.
Gabriel wurde gerade deshalb mit dieser Botschaft gesandt, weil bereits sein Name den Inhalt seiner Verkündigung ausdrückt. Gabriel bedeutet „Kraft Gottes“. Schon sein Name weist darauf hin, dass der starke Gott im Schoß der Jungfrau vollkommener Mensch wird – wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich; vollkommen nicht hinsichtlich des körperlichen Wachstums, sondern in göttlicher Kraft und Weisheit.
Die Bezeichnung „Erzengel“ erhielt er aufgrund jener freudigen Botschaft, die er der Allreinen Jungfrau brachte und durch welche nicht nur sie selbst, sondern die gesamte Schöpfung mit Freude erfüllt wurde – sowohl die irdische als auch die himmlische.
Die fromme Überlieferung berichtet ferner, dass Gabriel den heiligen und gerechten Joachim und Anna die Empfängnis der allheiligen Gottesgebärerin verkündete.
Auch die Stärkung Jesu Christi während des Gebets in Gethsemane (Lk. 22, 40) wird in der Überlieferung dem hl. Gabriel zugeschrieben. Deshalb wird der Erzengel von Kirchenvätern „Diener des Wunders“ oder auch „Engel der Verkündigung“ genannt.
Und nicht zuletzt verkündigte er Maria auch die Auferstehung Christi und ihren eigenen Heimgang (in etwa einem Monat feiern wir das Hochfest „Mariä Entschlafung“, 15. bzw. 18. August).
Seit alter Zeit wurden sieben heiligen Erzengel nach dem frommen Verständnis der heiligen Kirche auf Ikonen dargestellt und durch die Errichtung von Gotteshäusern zu ihrer Ehre verehrt.
So ehrt die heilige orthodoxe Kirche den heiligen Erzengel Gabriel als den großen Verkünder des göttlichen Heils, als Diener des unaussprechlichen Geheimnisses der Menschwerdung des Sohnes Gottes und als einen der höchsten Fürsten der himmlischen Mächte.
Der heilige Erzengel ist auch Schutzpatron der Post und des Fernmeldewesens, also der Informations- und Nachrichtentechnik. Damit ist das heutige Fest für alle, die diesen Branchen angehörig sind, eine besondere Freude!
Mögen uns die Fürbitte des heiligen Erzengels Gabriel auf dem Weg des Heils stärken, damit wir, durch die Gnade des menschgewordenen Herrn, Vergebung unserer Sünden erlangen und würdig werden, mit allen Engeln und Heiligen die allerheiligste Dreiheit zu verherrlichen – den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, jetzt und allezeit und in die Ewigkeit der Ewigkeit.
Amen.