Predigt zum 7. Sonntag nach Pfingsten über die Heilung zweier Blinder und eines Stummen (Röm 15,1-7, Mt 9,27-35), 19.07.2026
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Liebe Brüder und Schwestern,
die heutige Lesung berichtete über die Heilung zweier Blinder und eines Stummen.
Zwei Blinde bitten Jesus um Heilung. Als er diese nach dem Glauben befragt, antworten sie positiv darauf. Jesus trägt ihnen nach der Heilung auf, niemandem davon zu erzählen. Dann geschieht ein weiteres Wunder, Jesus heilt einen Stummen. Danach hörten wir von der Reaktion der erstaunten Volksmenge und dem Erklärungsversuch der Pharisäer, dass das ja alles nicht richtig sei. Zum Ende der heutigen Lesung erfahren wir, dass die Mission und die damit verbundenen Wunder Christus alsdann in größerem Maßstab sich fortsetzten:
„Und Jesus zog durch alle Städte und Dörfer umher, lehrte in ihren Synagogen, verkündigte das Evangelium vom Königtum und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volke.“
Wir haben es also mit den beiden Blinden, dem Stummen sowie der Volksmenge und den Pharisäern zu tun. Diese Personen haben zwar vor 2000 Jahren gelebt, ihre Verhaltensweisen beobachten wir aber auch in der heutigen Zeit.
Der heilige Gregorius Palamas, der im 14. Jahrhundert lebt, erklärt, dass diese beiden Blinden für die Juden und die Heiden stehen. Jesus kam also damit zu allen, dass sie geheilt würden. Die Heilung sei nicht nur im körperlichen Sinne zu verstehen, sondern das Öffnen der Augen hätte auch eine seelische Bedeutung. Er schreibt:
„Wenn wir die geistige Augenöffnung betrachten, die den Übergang vom Unglauben zum Glauben und von der Unwissenheit zur Erkenntnis Gottes auszeichnet, ist es unmöglich, die Zahl der Blinden, die durch die Menschwerdung des Herrn das Licht des Lebens erlangt haben, in Ziffern zu fassen; sie sind nur von dem gezählt, dem selbst die Zahl unserer Haare bekannt ist.“
Halten wir also fest, dass dieses Augenöffnen auch heute Bedeutung hat. Dass jemand, der sein Leben bislang ohne Gott führte, von ihm die Augen geöffnet bekommen kann. Dass er also erleuchtet wird, und das unabhängig von seiner Herkunft. Gregorius führt weiter aus:
„Die Blinden, die Christus folgten, wurden nicht nur körperlich, sondern auch geistlich vollständig erleuchtet. Lasst uns also, liebe Brüder, dem Licht folgen, das sowohl Körper als auch Seele erhellt.
Lasst uns zu dem Glanz streben und uns so verhalten, dass wir wie am Tag des Herrn in Anstand leben. Durch unsere guten Werke wollen wir Ihn verherrlichen, so dass auch jene, die uns betrachten, Ihn preisen. Fliehen wir vor der Dunkelheit, die Sünde und der Fürst der Sünde, der Teufel repräsentiert.
Dieses Licht, dass die Sonne der Wahrheit, der Reinheit, des Friedens, der Barmherzigkeit, der Geduld, der Liebe und aller Tugenden ist, lässt diejenigen, die sich ihm nähern, zu Teilhabern werden.
Die entgegengesetzte Dunkelheit hingegen, die die Finsternis der Sünde darstellt, verwandelt die, die sich ihr nähern, in Unzüchtige, Ehebrecher, Rächer, Feiglinge, Habsüchtige und allgemein in Menschen, die von allem Bösen durchzogen sind. “
Sind wir erleuchtet worden, haben wir die heilige Taufe empfangen, dann hat das Konsequenzen für unser Leben. Dann erfordert das von uns, dass wir dem Licht folgen und nicht erlauben, dass Dunkelheit in unsere Seele einzieht und dass wir mit sündigen Verhaltensweisen diese verfinstern.
Leider werden uns da vom Widersacher immer wieder Steine in den Weg gelegt – damals wie heute.
Wenn Christus mit der Heilung des Stummen öffentlich seine Macht zeigte, bereitete er damit sein missionarisches Wirken vor. Er bekam eine erhebliche Aufmerksamkeit durch die Israeliten, das Volk war erstaunt. Allerdings gab es Gegenspieler, die den Glauben an ihn in Frage stellten oder sogar negierten:
„Die Pharisäer aber sagten: Durch den Fürsten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.“
Dies war der Versuch einer Diskreditierung Christi, die wir auch in vielen weiteren Stellen im Evangelium über die Pharisäer lesen.
Dieses gab es damals und das gibt es auch heute. Das fängt mit Witzen über die Kirche und den Glauben an, wir finden aber auch Ignoranz und Ablehnung oder sogar offenes Entgegentreten ihr und dem christlichen Glauben gegenüber.
Das findet im Großen – da brauchen wir nur die Nachrichten in TV, Internet, und Zeitungen zu konsumieren –, aber auch leider im Kleinen statt, wie bestimmt jeder von uns Gläubigen auch schon erleben durfte.
Das soll uns aber alles nicht stören und behindern, so schwer und unangenehm das auch manchmal ist. Jesus selbst hat vorhergesagt:
„Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer noch ein Knecht über seinem Herrn. Es genügt dem Jünger, dass er wie sein Lehrer werde und der Knecht wie sein Herr. Wenn sie den Hausherrn Beelzebul genannt haben, wir viel mehr seine Hausgenossen?“ (Mt 10,24-25)
Und in der heutigen Apostellesung gibt uns der Apostel Paulus den Ratschlag:
„In Hoffnung freut euch; in Bedrängnis harrt aus; im Gebet haltet an; an den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil; nach Gastfreundschaft trachtet!“
Hoffnung und Standhaftigkeit sind Eigenschaften, die wir besonders dann aufbieten müssen, wenn wir in schwierige Lebensumstände geraten – beide werden durch den Glauben gespeist. Das Gebet hilft uns, diesen zu bewahren und mit Gottes Hilfe diese Lebensumstände zu meistern.
Wir müssen damit leben und dieses durchstehen. Doch das Gute ist, wir sind nicht allein! Denn in den Schlussworten des Matthäus-Evangeliums richtet Christus an seine Jünger und an uns die folgenden Worte des Trostes und der Unterstützung:
„Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zur Vollendung des Weltalters.“ (Mt 28,20)
Amen.