Predigt zum 1. Fastensonntag, dem Sonntag des Triumphes der Orthodoxie (Joh 1,43-51), 01.03.2026
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Liebe Brüder und Schwestern,
wir haben eine sehr intensive erste Woche der Großen Fastenzeit hinter uns. An vier Tagen wurde der einzigartige Kanon des heiligen Andreas von Kreta gelesen. In diesem sehr reichhaltigen Werk führte er uns vor Augen, welche Sünden schon im Alten Testament begangen worden sind und wie wir leider auch in unserem Leben in die gleiche Falle tappen und vieles von dem, was dort aufgeführt ist, selbst tun.
Ein Werk, dass die richtige Einstimmung auf die folgenden Wochen der Fastenzeit gibt und das damit wirklich einzigartig ist. Die erlebten Gottesdienste werden wahrscheinlich in ihrer Tiefe lediglich von denen der Karwoche bertroffen.
Nun haben wir die erste Etappe der Großen Fastenzeit erreicht, den Sonntag des Triumphes der Orthodoxie. Welch eine interessante Bezeichnung! Wir Christen sind ja eigentlich nicht dazu berufen, über irgendjemanden zu triumphieren. Was ist also eigentlich mit dieser Bezeichnung gemeint?
Dazu müssen wir uns so an die über tausend Jahre zurückversetzen. Damals gab es einen großen Streit unter den Christen, ob es richtig sei, Ikonen zu verehren. Es ist leider immer wieder so, dass der Teufel versucht, Spaltungen in die Christenheit hineinzutragen. Das geschah immer wieder und ist leider auch heute noch der Fall.
Die Ikonenverehrung wurde dann auf dem letzten der sieben Ökumenischen Konzile nach langem Hin und Her als rechtmäßig anerkannt.
Das Konzil wurde von Kaiserin Irene im Jahr 787 in der Stadt Nicäa südöstlich von Konstantinopel einberufen. Nach dessen Beschluss konnten nun Christus und die Heiligen bildlich dargestellt werden.
Dadurch, dass Gott sich als Jesus Christus den Menschen zeigte, war das Zweite Gebot des Alten Testamentes nicht mehr eine einzuhaltende Restriktion bezüglich der Darstellung Gottes. Es wurde weiterhin beschlossen, dass alle Ikonen mit Aufschriften versehen werden sollen. Damit sollte eine Verselbstst ndigung der Ikonenverehrung als Gegenstand, ohne Rücksicht auf den dargestellten Heiligen, verhindert werden.
Doch auch nach dem Konzil erlosch dieser Bilderstreit noch nicht und die sogenannten Bilderstürmer gaben keine Ruhe.
Kaiserin Theodora rief 843 die Synode von Konstantinopel ein und dort wurde dann endgültig die Zulässigkeit der Ikonenverehrung proklamiert. Dieses Ereignis wird seitdem jährlich am ersten Sonntag der Fastenzeit in der orthodoxen Kirche als Triumph der Orthodoxie gefeiert.
Ich möchte im Folgenden einige Texte und Gebete aus der Ordnung der Orthodoxie vorstellen, die wir im Anschluss an die Liturgie zelebrieren werden.
So wird dieses gesprochen und gebetet:
Da wir, orthodoxe Menschen, den Tag der Orthodoxie feiern, lasst uns wiederum den Urheber aller Güter, Gott, preisen, der gepriesen ist in Ewigkeit.
Dieser ist unser Gott, Der Sein geliebtes Erbe, die Heilige Kirche, erhält und festigt, Der die durch die Übertretung der Vorväter Gefallenen durch Sein untrügliches Wort tröstet, da Er ihr Fundament im Paradies legte: dieser ist unser Gott, Der mit der Hand zu dieser rettenden Verhei ung führte, ließ sich nicht unbezeugt, sondern, da Er wollte, dass Rettung sei, vorherverkündigte Er zuerst durch Vorväter und Propheten und schrieb lebendig auf verschiedene Arten: Dieser ist unser Gott, Der vielmalig und vielartig einst zu den Vätern in den Propheten sprach, und am Ende dieser Tage zu uns im Sohn, durch Den Er auch die Ewigkeiten schuf, sprach.
Jener verkündigte das Väterliche Wohlwollen über uns, öffnete die himmlischen Geheimnisse, bezeugte durch die Kraft des Heiligen Geistes von der Wahrheit der Frohbotschaft, sandte die Apostel in alle Welt, um die Frohbotschaft des Reiches zu predigen, Er bekräftigte jene durch verschiedene Kräfte und Wunder.
Danach wird das Glaubensbekenntnis von Nikäa-Konstantinopel gebetet und weiter fortgefahren:
Also nehmen wir die Konzile der heiligen Väter und ihre Überlieferungen und Schriften, die mit der Göttlichen Offenbarung bereinstimmen, an und bekräftigen sie.
Allen aber denjenigen, die sich in Worten, Schriften, Lehren, Leiden und Gottgefälligem Leben um die Orthodoxie mühten, sowie ihren Schützern und Förderern jubelt die Kirche Christi, indem sie ihr jährliches Gedächtnis vollzieht, zu:
Den heiligsten orthodoxen Patriarchen, von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Jerusalem und den übrigen heiligsten orthodoxen Metropoliten, Erzbischöfen und Bischöfen, viele Jahre.
Dem heiligen und apostelgleichen Kaiser Konstantin und seiner Mutter Helena, ewiges Gedächtnis.
Dem rechtgl ubigen Großfürsten Wladimir und der rechtgläubigen Großfürstin Olga, ewiges Gedächtnis.
Den gelittenen und getöteten für den orthodoxen Glauben und das Vaterland, den Anführern und Kriegern, und allen orthodoxen Christen, die im wahren Glauben und Frömmigkeit und Hoffnung auf die Auferstehung verstorben sind, ewiges Gedächtnis.
Da die Orthodoxe Kirche Christi feierlich derjenigen gedenkt, die sich in der Frömmigkeit mühten, und dieses allen ihren den Namen Christi tragenden Kindern zur Nacheiferung vorstellt, hat sie auch die Pflicht, die Mühen derer zu loben, die sich jetzt durch den rettenden Glauben und die Tugenden zur ewigen Seligkeit vorbereiten und die Orthodoxie festigen.
Ich denke, besser als mit diesen Gebeten lässt sich der Sinn des heutigen Festes nicht erklären.
Freuen wir uns also heute über diesen Feiertag, über den Triumph der Orthodoxie und vor allem darüber, dass wir von Christus und allen Heiligen umgeben sind und mit ihnen zusammen diese heilige Liturgie feiern dürfen!
Amen.