Predigt zum Hochfest Begegnung des Herrn (Lk 2, 22-40), 15.02.2026
Details Eintrag
Liebe Brüder und Schwestern,
heute ist in unserer Kirche hier ein besonderer Sonntag.
Zuerst: Das Hochfest Begegnung des Herrn fällt auf den heutigen Tag.
Zum zweiten: Wir sind in der Vorfastenzeit und begehen heute den Sonntag des Jüngsten Gerichtes.
Und zum dritten: Wir vollziehen heute eine Liturgie gemeinsam, eine sogenannte Taufliturgie.
Letzteres ist auch der Grund, dass wir heute diesen Gottesdienst in weißen Gewändern feiern, wenngleich – wenn der Gottesdienst ohne die Taufe zelebriert worden wäre – wir heute die blauen Gewänder tragen würden.
Das könnte jetzt den einen oder anderen stutzig machen. Wir feiern „Begegnung des Herrn“ und würden uns gemäß einem Fest zu Ehren der Gottesgebärerin – also blau – uns kleiden?
Die Auflösung finden wir in der westlichen Bezeichnung für diesen Feiertag: „Mariä Lichtmess“. Hier steht also Maria, die Gottesgebärerin in der Bezeichnung des Festes. Sie und drei weitere Personen spielen heute die Hauptrolle in der der Evangeliumslesung des heutigen Hochfestes.
Der Grund dafür war, dass nach dem alttestamentarischen Gesetz eine Frau – hier also Maria – vierzig Tag nach der Geburt eines Knaben in den Tempel zur Reinigung kam, um als Opfer entweder ein Schaf und eine Taube oder auch zwei Turteltauben zu übergeben. Dieses Fest begehen wir daher vierzig Tage nach Weihnachten, der Geburt Christi. Damit ist nun die weihnachtliche Periode des Kirchenjahres beendet und wir gehen nun auf die vorösterliche Fastenzeit zu.
Maria erfüllte das Gesetz des Alten Testamentes. Doch hatten sich die Regeln seit dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten ein wenig geändert. Damals wollte der Pharao das versklavte Volk der Israeliten nicht ziehen lassen. Infolgedessen wurde Ägypten von schrecklichen Plagen heimgesucht, um die Menschen wieder zu Verstand zu bringen. Die schlimmste finale Plage war der Tod aller Erstgeborenen im Lande. Erst dieses schreckliche Ereignis führte letztendlich dann dazu, dass der Pharao das israelitische Volk aus Ägypten in die Wüste entließ. In der Wüste bekam dieses Volk dann die göttliche Weisung, dass im Andenken daran jeder erstgeborene Knabe einer Familie in den Tempel gebracht werde.
Seit jener Zeit brachten also die Juden alle erstgeborenen Knaben in den Tempel und weihten sie Gott. Danach kauften sie gleichsam diese wieder zurück, indem sie für diese einen symbolischen Kaufpreis gaben. Dieser Preis wurde „Auslösegeld“ genannt und wurde den Tempeldienern, den Leviten, übergeben.
So geschah es auch, dass Maria ihren Sohn Jesus in den Tempel brachte. Eigentlich hätte sie dieses Gesetz nicht erfüllen müssen, da es für sündige Menschen galt und nicht für die Allreine Jungfrau und den Herrn. Doch um das Gesetz zu erfüllen, tat sie alles, wie es im Alten Testament vorgeschrieben war.
Neben Maria und Jesus, über die wir eben sprachen, lesen wir heute noch von zwei weiteren Personen: von dem Greis Symeon und der Prophetin Hannah.
Der schon greise Symeon war ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, der durch eine Eingebung des Heiligen Geistes in den Tempel kam. Er hatte sein ganzes Leben auf die Ankunft des Erlösers gewartet und erkannt, dass nun die Zeit gekommen war, weil alle Prophezeiungen der Heiligen Schrift über den Messias schon erfüllt waren. Der heilige Geist offenbarte ihm, dass dieses Kindlein, welches er in den Arm nahm, der erwartete Erlöser sei und so sprach er die folgenden Worte:
„Nun entlässt Du Deinen Knecht, Gebieter, nach Deinem Wort in Frieden, denn meine Augen haben Dein Heil geschaut, das Du bereitet hast vor aller Völker Angesicht: Licht zur Offenbarung für die Nationen und Herrlichkeit Deines Volkes Israel.“
Dieses bekannte Gebet singen wir auch jedes Mal im Gottesdienst, wenn wir Vesper, also das Abendamt, feiern. Der Chor trägt diesen Lobgesang des Simeon (im lateinischen Nunc dimittis), diese Hymne darin immer sehr feierlich vor.
Symeon offenbarte dann auch, was Maria und Jesus bevorstehen würde, vor allem, welchen Schmerz sie als Mutter erleiden würde, wenn Jesus seine weltliche Mission zu unserer Errettung erfüllt und gekreuzigt wird.
„Siehe, dieser ist gesetzt zu Fall und Auferstehung vieler in Israël und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – aber auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen –, damit die Überlegungen aus vielen Herzen offenbart werden.“
Wenden wir uns Hannah der Prophetin zu. Im Evangelium lesen wir, dass sie eine Tochter Phanuëls aus dem Stamme Aser war. Der Evangelist Lukas führt diesen Fakt bewusst an, um auf die historische Korrektheit des Geschilderten hinzuweisen.
Auch sie war im fortgeschrittenen Alter – sie war bereits 84 Jahre alt. Hannah war in ihrer Jugend nur sieben Jahre verheiratet, bis dann ihr Mann frühzeitig starb.
Daraufhin verbrachte sie ihr Leben in Fasten und Gebet im Tempel und diente Gott Tag und Nacht. Als Maria und Josef ihren Sohn in den Tempel brachten und Symeon ihn in Empfang nahm, stand sie dabei und verkündete allen Menschen, die in Jerusalem auf die Erlösung warteten, vom dargebrachten Kind. Es waren sehr viele Menschen versammelt, denn sie warteten auf den von den Propheten vorhergesagten Erlöser und freuten sich darüber sehr, als bekannt wurde, dass Er gekommen war.
Symeon und Hannah haben also mit viel Geduld und Vertrauen auf Gottes Wort darauf gewartet, dass das Verheißene in Erfüllung ging. Sie sind uns darin ein Vorbild, nicht gleich zu verzagen, wenn etwas nicht sofort oder schnell genug unseren Erwartungen entspricht.
Machen wir uns den Glauben und die Hoffnung von Symeon und Hannah zu eigen. Nehmen wir Gott in unser Herz auf, wenn dieser zu uns kommt!
Amen.