Predigt über den verlorenen Sohn (Lk 15,11-32, 1Kor 6,12-20), 08.02.2026
Details Eintrag
Liebe Brüder und Schwestern,
es gibt im deutschen das Sprichwort „Aus Rührei kann man kein Spiegelei mehr machen!“
Es gibt also Sachen, die sind irreversibel. Was einmal geschehen ist, dass kann nicht mehr rückgängig gemacht werden, so sehr man das auch bedauert, so sehr uns das bedrückt.
Das ist auch das, was uns heute der Apostel Paulus in dem Ausschnitt an den ersten Brief an die Korinther mitgibt. Zentrales Thema dieser Lesung ist, wie wir mit unserem Leib umgehen.
Häufig hört man, dass die Christen den Leib als etwas Zweitrangiges, um nicht zu sagen, als etwas verachtenswertes ansehen. Doch das ist schlicht und einfach falsch. Gerade in diesem heutigen Text bekommen wir die Message, dass unsere „Leiber Glieder Christi sind“ und dass unser „Leib ein Tempel des Heiligen Geistes“ in uns ist. Kurzum, wie es auch gern gesprochen wird „Leib und Seele gehören zusammen“.
Damit wird aber auch sofort klar, dass wir unseren Leib auch entsprechend behandeln und entsprechend mit ihm umgehen müssen.
Der Apostel Paulus gibt da klare Ansagen:
„Der Leib aber ist nicht für die Hurerei, sondern für den Herrn“
„Oder wisst ihr nicht, dass, wer der Hure anhängt, ein Leib mit ihr ist? »Denn es werden«, heißt es, »die zwei ein Fleisch sein.«“
„Flieht die Unzucht! Jede Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist außerhalb des Leibes; wer aber Unzucht treibt, sündigt gegen den eigenen Leib.“
Ja, die heutige Gesellschaft ist seit längerem schon auf einem anderen Wege unterwegs. Das Thema vorehelicher oder auch außerehelicher Beziehungen wird überhaupt nicht mehr kritisch gesehen oder ist sogar zur Norm gewesen. Nach aktuellen Umfragen haben lediglich 5 % der Befragten keine vorehelichen intimen Beziehungen gehabt.
Um so dringlicher ist es, sich in das Gedächtnis zu rufen, wie die Kirche zu diesem Thema steht, wie wir es heute im Apostelbrief gelesen haben.
Nun wird ja sehr gern entgegnet, dass man mit dieser Auffassung altmodisch sei und dass das heutzutage keine Relevanz mehr hätte, die Kirche mit so einer altmodischen und überholten Auffassung ihren Rückhalt in der Gesellschaft verlieren würde.
Doch auch eine liberale Herangehensweise führt nicht zum gewünschten Resultat. Im Gegenteil: gerade diese Strömungen verlieren massiv an Zuspruch, weil diese ihren eigentlichen Kern aufgegeben haben und eine Beliebigkeit in Anschauungen und Glaubensfragen vermitteln. Damit werden sie austauschbar oder haben „ihr Salz verloren“, wie an anderer Stelle im Evangelium gewarnt wird.
Sehen wir es also positiv, so wie es der Apostel Paulus am Ende der heutigen Apostellesung schreibt:
„Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib!“
Richten wir also unseren Geist und unseren Leib auf Gott, auf Christus aus.
Was bedeutet das? Zuerst natürlich, dass wir das oben gesagte berücksichtigen. Dazu, dass wir uns auch anderen leiblichen Sünden nicht hingeben.
„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen. Die Speisen sind für den Bauch und der Bauch für die Speisen; Gott aber wird sowohl diesen als auch jene zunichtemachen.“
Natürlich sollen wir essen und trinken. Das brauchen wir, damit unser Leib und unser Geist funktionieren. Aber wir sollen es nicht übertreiben und uns der Völlerei und der Trunksucht hingeben.
Maßhalten ist angesagt. Denn zumeist ziehen diese Vergehungen dann weitere nach sich, die dann nicht nur unseren Leib betreffen, sondern auch unserer Seele, unserem Geist schweren Schaden zufügen. Wir geraten in eine Spirale abwärts, aus der wir uns nur mit Mühe und mit Gottes Hilfe befreien können.
Doch selbst, wenn wir vom Wege abgekommen sind, gibt es Hoffnung. Das wird sehr offensichtlich in dem heutigen Evangelium vom verlorenen Sohn klar.
Der Sohn, der seine Eltern auf das tiefste enttäuschte, in dem er sie verließ, dann ein ganz und gar sündiges Leben in Prasserei und Unzucht führte und letztendlich sehr tief fiel, erkannte:
„Ich will aufstehen und zu meinem Vater gehen, und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt wider den Himmel und vor dir...“
Diese Umkehr bewirkte, dass sein Vater ihn wieder mit Freude aufnahm. Wenn der irdische Vater in diesem Gleichnis dem abgefallenen Sohn schon vergeben hat, um wieviel mehr wird der wahre Gott uns vergeben, wenn diesen Schritt gehen.
So, wie es auch im heutigen Festlied, dem Kondakion des Triodions, heißt:
Deine väterliche Herrlichkeit habe ich töricht verlassen / und in Übeln verschwendet den Reichtum, den du mir übergeben hast: / deshalb rufe ich zu dir den Schrei des Verlorenen: / Gesündigt habe ich vor dir, mitleidvoller Vater; // nimm mich, den Umgeistenden, an und mache mich zu einem deiner Tagelöhner.
Amen.