Predigt zum 33. Sonntag nach Pfingsten über Zachäus, den Oberzöllner und sein Umgeisten (Lk 19, 1-10), 25.01.2026
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Liebe Brüder und Schwestern,
wenn jemand, der schon längere Zeit orthodoxer Christ ist, das Evangelium hört, in dem der Oberzöllner Zachäus auf den Maulbeerfeigenbaum in Jericho steigt, dann ruft das sofort die Gewissheit hervor, dass sich die Fastenzeit naht. Und tatsächlich in knapp einem Monat wird diese beginnen und mit dem heutigen Tag treten wir in die sogenannte Vorfastenzeit ein.
Die Lesungen, die wir heute und an den nächsten Sonntagen hören werden, haben das Ziel, uns die richtige Einstimmung auf das Fasten zu geben. Sie sind von einem wichtigen Aspekt, einem wichtigen Moment durchzogen, der Umkehr oder auch – wie es genauer den Punkt trifft – dem Umgeisten.
Im heutigen Evangelium war es der Oberzöllner Zachäus, der dieses tat.
Was bedeutet dieses Umgeisten? Es ist eine Art Kurskorrektur.
Wenn ein Schiff auf dem Ozean steuert, dann wird regelmäßig eine Standortbestimmung durch den Kapitän oder die nautischen Offiziere vorgenommen. Heute ist das natürlich mit der Satellitennavigation quasi permanent der Fall. Aber in früheren Zeiten wurde diese Standortbestimmung regelmäßig oder auch in außergewöhnlichen Situationen vorgenommen. Und wenn dann dabei festgestellt wurde, dass man sich an einer anderen Stelle befand, als man eigentlich gemäß seinem Plan hätte sein sollen, dann war klar – man war vom Kurs abgekommen. Unverzüglich wurde dann ein neuer Kurs berechnet und eingeschlagen, damit dann das Ziel erreicht wurde.
Das ist nun auch genau der Sinn dieses Abschnittes im Kirchenjahr. Machen wir unsere Standortbestimmung, wo wir uns auf unserem Lebensweg befinden. Sind wir überhaupt noch auf dem Weg zu Gott? Oder haben unsere kleinen oder großen Verfehlungen, unsere Unaufmerksamkeit in Bezug auf unser geistliches Leben uns von diesem Kurs abgebracht und wir sind an einer ganz falschen Stelle angekommen, steuern den völlig falschen Kurs.
Das kann schnell und unbemerkt passieren, der Heilige Basilius der Große schrieb
„Die Hölle kann unmöglich anziehend sein, deshalb macht der Teufel den Weg zu ihr anziehend.“
Dieser Prozess des Umgeistens lief bei Zachäus, von dem wir heute erfuhren, in mehreren Schritten ab.
Zuerst war er neugierig, als er erfuhr, dass Christus in der Nähe war, von dem er schon einiges gehört hatte, aber sich kein so rechtes Bild von Ihm machen konnte. Ob Er denn tatsächlich der Messias war?
Zachäus strengte sich an. Da er kleingewachsen war – einige sehen dafür die Versinnbildlichung eines kleinen Glaubens – erklimmt er den Maulbeerfeigenbaum, um besser beobachten zu können.
Der zweite Schritt war, dass er Jesus sofort freudig einlud, als Er ihn ansprach, dass Er bei ihm zu Gast sein möchte.
Interessant dabei ist, dass das umstehende Volk dieses negativ aufnahm. Warum geht Jesus zu einem Oberzöllner?
Man muss wissen, dass die Zöllner nun nicht gerade eine beliebte Berufsgruppe waren. Sie genossen ein Ansehen, wie es heutzutage Versicherungsvertreter genießen, wenn man sich die einschlägigen Umfragen und Statistiken anschaut. Die Gründe dafür waren offensichtlich. Die Zöllner dienten der ungeliebten römischen Besatzungsmacht. Sie durften neben den Steuern und Abgaben für diese Macht auch für sich Geld erpressen, was sie dann auch reichlich ausnutzten. Eine Art altertümliches Räubertum oder Schutzgelderpressung. Und Zachäus nun hatte es sogar zum Oberzöllner gebracht! Dass da das Volk argwöhnisch schaute, war damit offensichtlich.
Es ist damals wie heute. Jesus kam zu den Sündern, die Gerechten brauchten nicht seine unmittelbare Hilfe. Und auch jetzt ist die Kirche vor allem eine Art Krankenhaus oder Heilanstalt für diejenigen, die Hilfe brauchen. In erster Linie Hilfe für die Heilung der Wunden, die sie sich durch ihre Sünden selbst zugefügt haben.
Das von außen oder auch manchmal von innen auf die Kirche deshalb kritisch geschaut wird, dürfte uns auch allen sehr bekannt vorkommen.
Doch zurück zu Zachäus, denn er ging noch einen dritten Schritt:
„Zachäus aber stellte sich hin und sprach zum Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Besitztümer gebe ich den Armen, und wenn ich von jemandem etwas erpresst habe, so gebe ich es vierfach zurück.“
Das war natürlich der Hammer! Laut dem alttestamentarischen Gesetz hätte er, wenn er jemandem körperlichen Schaden zugefügt hatte, dieses 1:1 ersetzen müssen – denken wir an „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, bei materiellen Werten war dies das Vierfache.
Was für ein Sündenbekenntnis und was für eine Umkehr! Zachäus enteignet sich quasi selbst – nur um Christi zu gewinnen. Die Hälfte seiner Besitzgüter den Armen zu geben und dann quasi die andere Hälfte dazu an diejenigen, aus denen er in der Vergangenheit Geld und andere Werte herausgepresst hatte.
Doch der Gewinn, den er daraus schlug, war viel größer. Er kam zu Gott!
Diese Standortbestimmung und Kurskorrektur sind damit beispielhaft:
„Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Errettung widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist; denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist.“
Zachäus wurde zu einem Sohn Abrahams. Abraham, der damals die drei Jünglinge, die drei Engel in deren Gestalt Gott ihn aufsuchte, nicht vorübergehen ließ, sie in sein Haus einlud und speiste, ist damit wieder sein richtiger Vater.
Fassen wir also kurz zusammen:
Eine regelmäßige Standortbestimmung, wo wir in unserem geistlichen Leben angekommen sind, ist wichtig. Die in Kürze beginnenden Fastenzeit ist der richtige Moment dafür.
Verwenden wir Kraft darauf, wie es der Oberzöllner Zachäus tat, lassen wir Christus in unser Herz und drehen wir unseren geistlichen Kurs wieder zu Gott hin!
Scheuen wir auch dabei nicht, etwas aufzugeben, was uns scheinbar ans Herz gewachsen ist, dieses aber uns auf dem Weg zu Gott abhält!
Amen.