Predigt zum 27. Sonntag nach Pfingsten über den geistigen Kampf (Eph 6,10-17; Lk 18,18-27), 14.12.2025
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Liebe Brüder und Schwestern,
am heutigen Sonntag lasen wir in dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser, wie wir uns für den geistigen Kampf, den wir als Christen unausweichlich zu führen haben, vorbereiten, und diesen erfolgreich bestehen können.
Er schildert dies sehr anschaulich anhand der Ausrüstung eines Soldaten jener Zeit, indem er die verschiedenen Bestandteile der damaligen Schutzausrüstung aufzählt und letztendlich auch von einer Waffe, dem Schwert, spricht. Mit dieser Schilderung war es damals für jeden Menschen verständlich, was damit gemeint ist und es hilft uns auch heute dabei. Damit richtet sich Paulus an alle Menschen und nicht nur an einen gewissen Kreis, die zum Beispiel über eine besondere Bildung verfügten. Doch schauen wir uns das im Detail an.
Bevor Paulus mit dieser Schilderung begann, schrieb er in dem Brief, wie sich einzelne Bevölkerungsgruppen verhalten sollten, um im Sinne Christi ein richtiges Leben zu führen. Er wandte sich an Männer und Frauen, an Kinder und Eltern, an Sklaven und Herren.
Und dann forderte er sie zu folgendem auf, mit dem unsere Lesung auch heute begann:
„Schließlich: Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke!“
Damit wir also den Weg zu Christus erfolgreich gehen können, müssen wir stark sein. Allein können wir diese Stärke nicht erlangen, sondern nur, wenn wir an Gottes Macht teilhaben, dann können wir sie auch erlangen. Das bedeutet aber, dass wir nicht primär unseren eigenen Willen an die erste Stelle setzen, sondern uns auf Gottes Wille stützen – wir sprechen dabei von Synergie, dem Zusammenwirken von göttlichem und menschlichem Willen. Das ist leicht gesagt, denn wie erfahren wir Gottes Wille?
Nur dadurch, dass wir zur Ruhe kommen, dass wir in uns hineinhören, dass wir Gott die Chance geben, dass er uns erreicht. Solange wir bildlich gesprochen, brüllen und uns auch dem Lärm anderer aussetzen, wird uns das nicht gelingen.
Wenn ein Kind schreit, dann ist es schwer zugänglich, etwas aufzunehmen. Erst wenn Ruhe eingetreten ist, dann ist auch die Chance gegeben, dass man kommuniziert und den anderen erreicht.
So ist es auch mit Gott. Seine leisen Signale werden wir nur verstehen, wenn wir dafür eingestimmt, wenn wir dafür aufnahmebereit sind.
Das heißt auch manchmal warten. Warten, dass uns das Signal erreicht. Häufig sind wir der Versuchung ausgesetzt, möglichst schnell loszureden, möglichst schnell etwas zu tun. Doch das behindert dann manchmal, uns in der Aufnahmebereitschaft Gott gegenüber und wir sind uns dann selbst im Weg gestanden.
Im Folgenden beschreibt der Apostel, was das denn für ein Kampf ist und was wir bekommen, um diesen erfolgreich zu führen:
„Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt! Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt. Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen bleiben könnt!
Damit ist noch einmal klargestellt. Es geht nicht darum, dass wir irgendjemanden hier auf dieser Welt bekämpfen müssen, denn es ist ein geistiger Kampf! Ein Kampf gegen den, der in uns Leidenschaften anfacht, der uns zur Sünde verführt, der uns vom rechten Weg zu Gott abbringen möchte. Denn an einem gewissen Zeitpunkt werden wir vor Gericht stehen und Verantwortung dafür abgeben müssen, ob wir den Kampf geführt haben oder ob wir uns dem Widersacher angeschlossen hatten.
Paulus führt die Vielzahl an Ausrüstungsgegenständen, an Tools, an, die wir bekommen haben, um in den geistigen Kampf zu ziehen,
„So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, bekleidet mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums des Friedens! Bei alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt! Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort!“
Wahrheit, Gerechtigkeit, die Bereitschaft, das Evangelium zu verkünden, Glauben, Heil und das Wort Gottes – das sind also die Dinge, die uns Gott gegeben hat, damit wir den Kampf bestehen.
Das Wort Gottes, das Evangelium, ist das Schwert, das wir bekommen. Wir müssen dieses kennen. Klar, heutzutage ist es für die allermeisten schwierig geworden, sich mit längeren Texten zu befassen. Es sollte aber zumindest möglich sein, die Tageslesungen – Apostel und Evangelium – in Ruhe zu lesen. Das geht mittlerweile sogar online. So kann unter www.orthodoxer-kalender.de auch auf dem Smartphone oder anderen internetfähigen Geräten dies geschehen. Also einfach mal dies nutzen, anstatt sich fragwürdigen Content darüber reinzuziehen.
Mit dem Verkünden des Evangeliums ist es schon etwas schwerer. Das Erreichen wir durch Vorbildwirkung unseres eigenen Lebens in Bezug auf Andere, aber auch durch das Studium von Kirchenvätern zur Auslegung des Evangeliums oder zumindest der aufmerksamen Aufnahme von Predigten darüber, damit wir in die Lage versetzt werden, das Wort Gottes recht zu verbreiten.
Zusammengefasst sind es also drei Dinge, die uns in dem heute beschriebenen Kampf helfen:
- ein tugendhaftes Leben,
- die Bereitschaft, das Wort Gottes für sich selbst aufzunehmen und
- das Wort Gottes weiter zu verbreiten.
Wenn wir dieses im Sinne haben und auch umsetzen, dann werden wir auch den geistigen Kampf gewinnen! Möge uns Gott auf die Fürbitte des Apostels Paulus und aller Heiligen dabei helfen.
Amen.