Predigt zum 23. Sonntag nach Pfingsten über den heiligen Großmärtyrer Georg (Lk 8,41-56/Lk 21,12-19), 16.11.2025
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Liebe Brüder und Schwestern,
heute gedenken wir eines der meistverehrten Heiligen in Ost und West, des heiligen Großmärtyrers Georg.
Seinen Namen tragen viele Menschen, doch teilweise wissen sie gar nichts darüber. So sind im deutschen die Vornamen Jürgen und Jörg oder auch im süddeutschen Raum Schorsch von Georg abgeleitet; im slawischen ist es zum Beispiel Yuri, im italienischen Giorgio, im spanischen Jorge.
Städte, wie Moskau, London, Rio de Janeiro, Barcelona, St. Georgen oder Schwarzenberg im Erzgebirge oder gar Länder, wie England oder Russland und natürlich Georgien haben ihn als Schutzpatron.
Was hat es eigentlich mit dem heiligen Georg auf sich?
Der Großmärtyrer Georg war der Sohn wohlhabender und frommer Eltern, die ihn im christlichen Glauben erzogen haben. Er wurde in Belit (heute Beirut) am Fuße des Libanongebirges geboren.
Als er in den Militärdienst eintrat, zeichnete sich der Großmärtyrer Georg durch seinen Verstand, seine Tapferkeit, seine körperliche Stärke und seine militärische Haltung unter den Soldaten aus. Nachdem er bald den Rang eines Chilarchen, eines Heerführers d.h. eines Kommandeurs über tausend Soldaten, erreicht hatte, wurde der heilige Georg zum Günstling des Kaisers Diokletian. Diokletian war ein talentierter Herrscher, aber ein fanatischer Anhänger der römischen Götter. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, das aussterbende Heidentum im Römischen Reich wiederzubeleben, und ging als einer der grausamsten Verfolger der Christen in die Geschichte ein.
Als er einmal vor Gericht das unmenschliche Urteil über die Ausrottung der Christen hörte, entflammte der heilige Georg in Mitgefühl für sie. Da er ahnte, dass auch ihm Leiden bevorstanden, verteilte Georg sein Vermögen an die Armen, entließ seine Sklaven in die Freiheit, erschien vor Diokletian und erklärte sich zum Christen, wobei er ihn seiner Grausamkeit und Ungerechtigkeit bezichtigte. Die Rede des heiligen Georg war voller starker und überzeugender Einwände gegen den kaiserlichen Befehl, die Christen zu verfolgen.
Nachdem alle Versuche, ihn zum Abfall vom Christentum zu bewegen, erfolglos geblieben waren, befahl der Kaiser, den Heiligen verschiedenen Qualen zu unterziehen. Der heilige Georg wurde in ein Verlies geworfen, wo man ihn mit dem Rücken auf den Boden legte, seine Füße in Blocken fesselte und einen schweren Stein auf seine Brust legte. Aber der heilige Georg ertrug die Leiden tapfer und pries den Herrn. Da begannen die Peiniger Georgs, sich in Grausamkeit zu üben. Sie schlugen den Heiligen mit Ochsensehnen, flochten ihn auf das Rad, warfen ihn in ungelöschten Kalk und zwangen ihn, in Stiefeln mit scharfen Nägeln darin zu laufen. Der heilige Märtyrer ertrug alles geduldig. Schließlich befahl der Kaiser, dem Heiligen mit dem Schwert den Kopf abzuschlagen. So ging der heilige Märtyrer im Jahr 303 in Nicomedia zu Christus.
Der Großmärtyrer Georg wird wegen seines Mutes und seines geistigen Sieges über seine Peiniger, die ihn nicht dazu bringen konnten, dem Christentum abzuschwören, sowie wegen seiner wundersamen Hilfe für Menschen in Gefahr auch „der Siegreiche” oder „der Siegesträger“ genannt. Die Reliquien des Heiligen Georg des Siegers wurden in der palästinensischen Stadt Lydda in einer nach ihm benannten Kirche beigesetzt – das ist das Gedächtnis, welches wir heute begehen.
Auf Ikonen wird der Heilige Georg auf einem weißen Pferd sitzend dargestellt, wie er mit seinem Speer eine Schlange erschlägt. Diese Darstellung basiert auf einer Legende und bezieht sich auf die Wunder, die der heilige Großmärtyrer Georg nach seinem Tod vollbrachte.
Es wird erzählt, dass unweit des Geburtsortes des heiligen Georg in der Stadt Beirut in einem See eine Schlange lebte, die oft Menschen aus dieser Gegend verschlang. Was für ein Tier es war – eine Schlange, ein Krokodil oder eine große Eidechse – ist nicht bekannt, zumeist wird auch der Begriff „Drache“ verwendet.
Die abergläubischen Menschen dieser Gegend begannen, regelmäßig durch Losentscheid einen jungen Mann oder eine junge Frau dem Schlangenfraß zu opfern, um dessen Zorn zu besänftigen. Einmal fiel das Los auf die Tochter des Herrschers dieser Gegend. Sie wurde zum Ufer des Sees gebracht und dort festgebunden, wo sie voller Angst auf das Erscheinen der Schlange wartete.
Als sich das Tier ihr näherte, erschien plötzlich ein heller Jüngling auf einem weißen Pferd, der die Schlange mit seinem Speer erschlug und die Jungfrau rettete. Dieser junge Mann war der heilige Märtyrer Georg. Mit diesem Wunder beendete er die Vernichtung von jungen Männern und Mädchen in Beirut und bekehrte die Bewohner dieses Landes, die zuvor Heiden waren, zum Christentum.
Die Darstellung des siegreichen Georg auf einem Pferd symbolisiert den Sieg über den Teufel – den „alten Drachen“ (Offb 12,3; 20,2).
Seine Reliquien sind heute unter anderem auf der Insel Reichenau am Bodensee, in St. Georgen im Schwarzwald und in der Kathedrale in Limburg an der Lahn.
Möge uns der heilige Georg ein Beispiel darin sein, wie wir unsere Talente nutzen, um den orthodoxen Glauben zu verbreiten und das wir in diesem bis zum Ende unseres irdischen Lebens standhaft sind.
So, wie es auch am Schluss der heutigen Evangeliumslesung von uns gefordert ist
„In eurer Geduld gewinnet eure Seelen.“ (Lk 21, 19)
Beten wir zum heiligen Großmärtyrer Georg, dass er für uns vor Gott eintrete, uns beistehe und im Glauben festige, so, wie es im heutigen Festlied dem Troparion heißt:
„Der Gefangenen Befreier und der Armen Beschützer, der Kranken Arzt und der Regierenden Verteidiger, Träger des Siegeszeichens und Großmärtyrer Georg: Bitte Christus, unseren Gott, unsere Seelen zu erretten.“
Amen.
Nach Materialien von https://days.pravoslavie.ru/Life/life6523.htm