Predigt zum 9. Sonntag nach Pfingsten über die Stillung des Sturmes (Mt 14, 22-34), 10.08.2025
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Liebe Brüder und Schwestern,
die heutige Stelle aus dem Evangelium ist quasi jedem bekannt, sei es ein Christ oder einer der dem christlichen Glauben gegenüber neutral, negativ oder gar abwertend gegenübersteht.
Es geht um das Gehen über das Wasser, welches heute über Jesus bzw. auch über Petrus vorgelesen worden ist.
Man kann natürlich versuchen, mit naturwissenschaftlichen Mitteln dieses zu erklären.
Was sind da nicht alles für Hypothesen aufgestellt worden:
Ein amerikanischer Wissenschaftler vertrat die Meinung, dass der See Genezareth damals zugefroren gewesen sein müsste, da zu dieser Zeit in der Gegend andere klimatische Verhältnisse als heute vorgeherrscht haben sollten.
Oder liegt hypothetisch das zu Grunde, was wir im Tierreich beobachten? Denn in Brasilien gibt es eine Echsenart, die es schafft, trotz ihres Eigengewichtes von 200 Gramm und einer Körperlänge von 70 cm sich etwa 10 m über Wasser zu halten und quasi über die Wasseroberfläche zu rennen. Das schafft sie durch eine sehr hohe Geschwindigkeit der Fortbewegung, denn je schneller etwas auf die Wasseroberfläche trifft, desto stärker ist der Widerstand dieser, sie wird scheinbar hart.
Jemand, der einen unglücklichen Sprung vom 10-m-Brett im Schwimmbad absolviert hat, kann sicherlich bestätigen, wie hart so eine Wasseroberfläche durch diese sogenannte Oberflächenspannung sein kann. Dazu helfen dieser Echse auch noch Schwimmhäute, die diesen Effekt verstärken. Ein 85 kg schwerer Mensch müsste allerdings mit 160 km/h über Wasser laufen, um von Wasser getragen zu werden, das haben Forscher berechnet.
Oder hat das was mit sogenannten Fluiden zu tun? Im Toten Meer ist es der starke Salzgehalt, der niemanden versinken lässt. Ähnliches ist der Fall, wenn man Wasser genügend Maisstärke zusetzt und dann ein sogenanntes Newton-Fluid entsteht.
Doch alle diese Erklärungsversuche gehen am eigentlichen Ziel vorbei. Hier geht es darum, was Jesus bewirken wollte, hier geht es um den Glauben und nicht darum, wie er es genau tat.
Betrachten wir die Geschichte im Ganzen. Sie fängt damit an, dass Jesus die Jünger quasi ins Ungewisse schickt, er lässt sie ohne sich vorausfahren. Eigentlich ist der See Genezareth nicht sehr groß, bis an das andere Ufer waren es etwa 12 km. Das erscheint eine kleine Distanz. Wer aber schon mal erlebt hat, in einem Boot zu sein – und hier ist eher die Kategorie „Nussschale“ denn als eine Motorjacht gemeint –, hat dann etwa 6 km Wasser um sich herum und dann beginnt ein heftiger Sturm, der kann sicherlich nachvollziehen, welche Gefühle an Bord die Passagiere bekamen.
„Das Boot aber war schon mitten auf dem See, und ihm wurde stark zugesetzt von den Wellen; denn der Wind war entgegen.“
Plötzlich taucht Jesus mitten in der Nacht, so zwischen 3 und 6 Uhr morgens, auf dem Wasser auf, was unweigerlich zu einem großen Erschrecken der Jünger führte:
„sie [wurden] aufgewühlt und sagten: Es ist ein Gespenst. Und sie schrien vor Furcht.“
Sie waren also in einer sehr außergewöhnlichen, bedrohlichen Situation. Doch Petrus, den wir ja an anderen Stellen des Evangeliums schon als energischen, heißblütigen Menschen kennen gelernt haben,
„antwortete ihm und sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, über das Wasser zu dir zu kommen.“
Petrus war in diesem Moment weniger wichtig, über Wasser zu laufen, er äußerte den Wunsch, zu Christus zu kommen.
Auf die Aufforderung von Jesus hin stieg Petrus über den Rand des Bootes und fing an, gleichfalls zu Christus zu laufen. Doch dann kam die Ernüchterung:
„Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er und sprach: Herr, errette mich.“
Manchmal sind auch wir von Euphorie getragen, beginnen voller Begeisterung ein Werk, schauen nicht nach links und rechts. Dann aber verlischt das Strohfeuer, wir nehmen unsere Umgebung wahr und sind auf einem Mal wie gelähmt. Wir haben plötzlich unser Ziel aus den Augen verloren.
Genau so ging es Petrus. Sein Glaube an Christus war plötzlich Zweifeln ausgesetzt und in der Folge dessen begann er zu sinken. Da besann er sich in letzter Sekunde auf Gott, rief ihn um Hilfe an, Diese wurde ihm dann nicht versagt, sondern sofort gewährt.
Beide stiegen ins Boot, der Wind legte sich.
Mit dem Boot in dem Evangelium ist sinnbildlich auch die Kirche gemeint, sie geleitet uns – solange Christus an Bord ist – sicher durch das unruhige Meer des Lebens.
Erstmalig wandten sich dann die Jünger an Christus mit den folgenden Worten:
„Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.“
Diese Lebenserfahrung, welche die Jünger in dieser Nacht erhielten, ließ sie erkennen, dass sie es hier mit jemandem Größerem zu tun haben.
Mit dem Schöpfer des Himmels, der Erde, des Lebens.
Mit Dem, Der in der Lage ist, über die Naturgesetze als ihr Schöpfer zu bestimmen.
Mit Dem, Der errettet.
Mit Gott.
Es liegt an uns, ob wir diese Erkenntnis annehmen und in uns tragen oder ob wir zweifeln oder ob wir das alles abtun oder ob wir auf vergebliche naturwissenschaftliche Erklärungsversuche warten, das hier Geschilderte zu verstehen.
Mit dem Glauben haben wir die Chance auf die Errettung, ohne ihn sind wir verloren. Es liegt also an uns, ob wir diese Chance nutzen oder ob wir sie verstreichen lassen.
Amen.