Predigt zum Hochfest des Entschlafens der Allerheiligsten Theotokos (Phil. 2:5-11; Lk. 10:38-42; 11:27-28)
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Liebe Brüder und Schwestern,
wer das Fest des Entschlafens der Mutter Gottes einmal in Jerusalem erlebt hat, weiß, dass die Grabstätte der Mutter Gottes in Gethsemane, das zweitgrößte Heiligtum der Stadt, nicht nur aber besonders an diesem Tag Massen von Pilgern aus aller Welt anzieht. Und wer diesen Ort der Grablegung der Mutter des Herrn besucht hat, der weiß, dass hier nicht der Sieg des Todes, sondern der des Lebens gefeiert wird. So wird die Grabkammer der Theotokos auch als „Dreitägiges Lager“ der Allerheiligsten bezeichnet. Nach der Überlieferung wurde Sie nach drei Tagen mit dem Leibe in den Himmel aufgenommen, so dass wir dadurch im Glauben gestärkt werden, dass die Heimat für alle Christus Liebenden im Himmel ist (s. Phil. 3:20). Und hierfür steht das leere Grab der Allerheiligsten Jungfrau Maria.
Es dürfte sich also herumgesprochen haben, dass heute ein Tag der Freude ist. Aber diese Freude ist nicht einfach so vom Himmel gefallen, sie ist zum Preis des Kreuztodes Christi errungen worden (s. Phil. 2:8). Und die Mutter Gottes hat am meisten von uns allen am Leiden Christi partizipiert (s. Lk. 2:35).
Noch vor einigen Tagen begingen wir das Fest der Verklärung Christi. Wir gedachten der Offenbarung Christi in Seiner göttlichen Herrlichkeit (s. 2 Petr. 1:16-18), welche die drei Jünger auf dem Berg Thabor mit menschlichen Sinnen wahrzunehmen vermochten. Was sie da sahen, war schon der Menschensohn in Seinem Königtum (s. Mt. 16:28; Mk. 9:1; Lk. 9:27) – die Vorwegnahme des Himmlische Königtums, ein Fenster in die Ewigkeit. Und seit der Gründung der Kirche durch die Niedersendung des Heiligen Geistes steht es jedem Christen offen, diese Herrlichkeit zu schauen. Wer diese über alle Dinge anstrebt und keine Mühe zu ihrer Erlangung scheut (s. Mt. 11:12), kann demnach ebenso wie die Jünger auf dem heiligen Berg das kommende Königtum schauen. Dies taten viele Heilige zu allen Zeiten bis heute. Aber am meisten sehnte sich die Mutter Gottes nach der Gemeinschaft mit Ihrem leiblichen Sohn. Von Ihr ist bekannt, dass Sie die Worte unseres Herrn stets im Herzen bewahrte (Lk. 2:19, 51) und folglich, nach dreifacher Ankündigung der Auferstehung unseres Herrn (1. s. Mt. 16:21; Mk. 8:31; Lk. 9:22; 2. s. Mt. 17:23; Mk. 9:31; 3. s. Mt. 20:19; Mk. 10:34; Lk. 18:33), keine Notwendigkeit verspürte, am Ostermorgen mit den anderen Frauen zum leeren Grab Christi zu eilen. Durch Ihr Entschlafen lehrt Sie uns, dass der Tod in Jesus Christus überwunden ist und wir Gläubigen voller Freude dem letzten Tag unseres irdischen Lebens entgegensehen dürfen. Amen.