Predigt zum 3. Herrentag nach Ostern / Hll. Myron tragenden Frauen (Apg. 6:1-7; Mk. 15:43-16:8) (26.04.2026) Beliebt
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Liebe Brüder und Schwestern,
am Herrentag der heiligen Myronträgerinnen ehren wir den selbstlosen Einsatz, die unverbrüchliche Treue und das furchtlose Bekenntnis der Frauen um Maria Magdalena, welche dem Herrn während Seiner Mission in aller Bescheidenheit gedient und Ihm auch dann zur Seite standen, als Er verraten, verurteilt und verschmäht am Kreuze hing. Und als Er vom Kreuz genommen worden war, sorgten sie sich um die Salbung Seines Leichnams.
Es ist nichts überliefert, was auf einen Rangstreit unter den Frauen deuten ließe. Ihre Einmütigkeit im bescheidenen aber unverzichtbaren Dienst während der Verkündigung unseres Herrn ist modellhaft für die in Kirchengemeinden und Frauenklöstern bis heute geleisteten wertvollen Dienste unserer Frauen, ganz zu schweigen davon, dass Mütter und Großmütter zu allen Zeiten mit den höchsten Anteil an der inneren Festigkeit der Kirche haben.
Worin aber liegt das Geheimnis dieser bedingungslosen Treue der gläubigen Frauen früher und heute? Ich denke, dass Frauen im Gegensatz zu Männern eher intuitiv vorgehen, während Männer rational handeln. Mit anderen Worten: Frauen lassen sich mehr vom Herzen leiten, Männer hingegen von der Vernunft. Beide Fähigkeiten sind uns geschenkt, es kommt also nur darauf an, sie auch richtig einzusetzen. Im Idealfall ergänzen sich weibliche Intuition mit männlichem Vernunftdenken, was sich z.B. in der Ehe aber auch in jeder Gemeinschaft, vor allem in der Kirche, sehr vorteilhaft auswirken kann. Im weniger günstigen Fall kann es aber auch zu Konfliktszenarien kommen, wenn nämlich Egoismus, Überheblichkeit, unlautere Gesinnung etc. überwiegen. Das Idealbild der Frau und des Mannes ist ja nur denkbar, wenn die Liebe zu Christus im Mittelpunkt steht. Bei den Jüngern war sie ebenso vorhanden wie bei den Frauen im Gefolge des Herrn. Nur verließen sich die Männer zu sehr auf ihren eigenen Verstand – und der ist nun mal bei der Suche nach Gott fehlbar, ja, sogar völlig ungenügend. Man kann Gottes Ratschlüsse nicht mit menschlichen Gedanken fassen (s. Jes. 55:8-9). Das Herz ist aber groß genug, damit der unfassbare Gott darin einen Platz finden kann. Wir sehen das heute. Viele Christen meinen, sie könnten Gott nur dienen, indem sie „etwas Großes schaffen“, wofür sich aber in der Heiligen Schrift und in der Überlieferung der Kirche keine Anhaltspunkte finden lassen. Worauf es Gott ankommt, ist unsere Liebe zu Ihm, die sich dann in Ergebenheit ausdrückt: „Gib Mir dein Herz, Mein Sohn, deine Augen mögen an Meinen Wegen Gefallen finden“ (Spr. 23:26). Alle irdischen Werke werden sowieso irgendwann zerstört werden, doch „die Liebe hört niemals auf“ (1 Kor. 13:8). Man kann Gott aber nicht „im Herzen“ haben und zugleich völlig nach eigenen Gutdünken leben, d.h. sich über Gottes Wege nicht zu scheren. Das ist vielleicht die größte Selbsttäuschung, denen die Menschen jemals aufgesessen sind. Gott wirklich im Herzen tragen bedeutet, dass man mit aller Kraft bemüht ist, Gottes Willen zu erfüllen, d.h. Seine Gebote zu befolgen und alles Seinem Willen unterzuordnen. Nicht jeder von uns ist in der Lage, dies in globalen, nationalen, regionalen oder sonstigen Kategorien umzusetzen, vielleicht nicht einmal im familiären oder sozialen Umfeld, wohl aber in Bezug auf sich selbst, und zwar durch „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal. 5:22). Und das kann, so sagt es sinngemäß der heilige Seraphim (+1833), die Welt verändern. Dies ist auch in der Tat möglich und vollkommen realistisch, wenn man bei sich damit anfängt. Wie viele Frauen haben so ihre der Kirche gegenüber widerspenstigen Männer zum Glauben gebracht! Und Gott hat es so gefügt, dass in der ganzen Welt die treuen Anhänger Christi nur noch eine verschwindend kleine Minderheit darstellen, wodurch sie aber „das Salz der Erde“ (s. Mt. 5:13-16) sind. Salz kann in geringen Mengen Lebensmittel für lange Zeit vor dem Verderben bewahren und bereits eine Prise Salz verleiht jedem Essen seinen Geschmack, ohne die auch die erlesensten Speisen fade schmecken würden. Nur durch die Liebe, nicht durch Heldenmut, können wir „Gott ähnlich“ werden, denn „Gott ist die Liebe“ (1 Joh. 4:16). Auch als „kleine Herde“ (Lk. 12:32) sind wir imstande, etwas für diese Welt zu tun, aber nur wenn wir in der Liebe Gottes verbleiben. Dann wird es natürlich Gott sein, Der die Menschen zum Heil führt, nicht wir.
Die älteren unter uns können noch aus eigener Erfahrung bestätigen, dass von ihrer sozialen Stellung völlig unbedeutende Babuschki in der Sowjetunion durch ihre Treue zum Herrn nach Gottes Vorsehung letztlich das möglich gemacht haben, was wir heute sehen: Ein Aufblühen des kirchlichen Lebens in Staat und Gesellschaft und, hoffentlich, bald auch zunehmend im privaten und familiären Bereich. Auch wenn heute bei weitem nicht alles ideal ist (das war es auch nie), ist es doch eine Gnade Gottes, dass wir heute etwas erleben, was vor vierzig Jahren noch undenkbar schien. Und noch einmal, es waren überwiegend alte, wenig gebildete Frauen, die das bewirkt haben. Warum sollte Gott dann nicht auch auf unsere bescheidenen Bemühungen wohlwollend herab sehen und irgendwann die Saat aufgehen lassen?! Wir müssen dabei nur authentisch, nicht auf Außenwirkung bedacht sein, damit jeder von uns für sich zu einem Tempel des Heiligen Geistes werden kann (s. 1 Kor. 6:19). Keiner von uns ist von dieser Möglichkeit ausgeschlossen, selbst wenn er bis zum Ende seiner irdischen Tage ans Bett gefesselt sein sollte. Die heilige Matrona von Moskau (+1952) hatte so ein Schicksal aus den Händen Gottes voller Dankbarkeit entgegengenommen und bewirkte dank der Gnade des in ihr wohnenden Heiligen Geistes, dass Tausende um sie herum gerettet wurden. Amen.