Predigt zum Hohen und Heiligen Donnerstag (09.04.2026) Beliebt
Details Eintrag
Liebe Brüder und Schwestern,
als der Herr einst zu Gast in einem Hause war, sprach einer der Gäste zu Ihm: „Selig, wer im Königtum Gottes am Mahl teilnehmen darf“ (Lk. 14:15). Wie wahr! Ich glaube sogar, dass es überhaupt nichts Großartigeres geben kann als das! Das Mahl des Herrn, dessen wir heute gedenken, ist gewissermaßen die Erfüllung der prophetischen Sehnsüchte im Alten Testament: „Du hast vor mir einen Tisch bereitet, meinen Bedrängern entgegen, Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, und Dein Kelch, der mich trunken macht, wie mächtig ist er!“ (Ps. 22:5) und „Kommt, esst von Meinem Mahl und trinkt vom Wein, den Ich mischte“ (Spr. 9:5). Doch leider sieht Sich unser Herr veranlasst, als Antwort auf den enthusiastischen Ausruf des mit Ihm als Gast zu Tische liegenden Mannes, allen Anwesenden das Gleichnis vom Festmahl zu erzählen. Wir kennen es zur Genüge. Es beginnt vielversprechend: „Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein“ – und endet deprimierend: „Das aber sage Ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen“ (s. Lk. 14:16-24; vgl. Mt. 22:1-14). Der Herr erzählt dieses Gleichnis in leicht abgewandelter Form später noch einmal nach dem Einzug in Jerusalem, kurz vor Seinem Leiden. Hier ist es ein König, der viele Gäste zur Hochzeit seines Sohnes ruft. In beiden Fällen aber lassen sich die geladenen Gäste entschuldigen, weil sie mit ihren persönlichen oder gewerblichen Angelegenheiten beschäftigt sind. Man stelle sich das nur vor: Der König lädt mich zur Hochzeit seines Sohnes ein und ich gehe stattdessen auf meinen Acker oder in meinen Laden (s. Mt. 22:5)! Doch gerade das ist sinnbildlich für die übergroße Mehrheit der getauften Christen, für die es im Sinne der geistlichen Erbauung nur Werktage aber praktisch keine Festtage gibt. Natürlich „glauben“ sie alle nach eigenem Bekunden. Aber was ist so ein abstrakter und diffuser Glaube wert? Sie lassen ihre Kinder taufen, damit sie „einen Schutz haben“ (Frage: wovor?!), werden diese Kinder wegen ihrer elterlichen Sorglosigkeit in geistlichen Dingen aber nicht davor bewahren können, dass sie vollkommen von der „ungläubigen und ehebrecherischen Generation“ (s. Mt. 12:39; 16:4; 17:17; Mk. 8:38; Lk. 11:29) vereinnahmt werden. Es gibt aber ein Kriterium, das zeigt, ob jemand wirklich glaubt und Gott liebt: Das sehnlichste Verlangen, am Mahl des Herrn teilzunehmen. Wer diesen Wunsch im irdischen Leben nicht verspürt, der wird auch kein Verlangen danach im Königtum der Himmel haben, und wenn doch, dann wird er es dann nicht mehr stillen können. Punkt. Amen.