Predigt zum 21. Herrentag nach Pfingsten (Eph. 6:10-17; Lk. 18:18-27) (14.12.2025)
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Liebe Brüder und Schwestern,
wer das Evangelium aufmerksam liest, weiß natürlich, dass es uns in diesem zeitlichen Leben darum gehen muss, das ewige Leben zu gewinnen und folglich viel mehr Anstrengungen für die Erlangung dieser endlosen Seligkeit zu unternehmen. Das hat auch der Fragesteller aus der heutigen Lesung aus dem Lukas-Evangelium begriffen, der dem Herrn direkt die Frage nach dem ewigen Leben stellt. Es darf vermutet werden, dass er dem Herrn zuvor ein oder mehrere Male zugehört hatte oder aber von anderen über Dessen Predigten gehört hat. Aber in seiner Vorgehensweise ist er noch nicht zielorientiert, denn indem er den Herrn als „guter Meister“ (Lk. 18:18b) anspricht, offenbart er seine Unwissenheit bezüglich dessen, was das Heil betrifft. Ähnlich wie Pilatus, der wohl ironisch „was ist Wahrheit?“ (Joh. 18:38) fragte, obwohl doch die WAHRHEIT direkt vor ihm stand, so fragt auch „einer der führenden Männer“ (Lk. 18:18a) den Herrn nach dem ewigen Leben, obwohl doch das LEBEN vor ihm steht. Anders als der römische Statthalter fragt dieser fromme Mann jedoch zumindest nach dem Weg zum Heil, nicht ahnend, dass der WEG ihm in Person des Herrn Jesus Christus gegenübersteht. Unser Herr ist nämlich „der WEG, die WAHRHEIT und das LEBEN“ (Joh. 14:6a). Es gibt keinen anderen Weg zum Vater (s. Joh. 14:6b), es gibt keine andere Wahrheit (s. Eph. 4:21) und es gibt kein anderes Leben (s. Joh. 1:4; vgl. Kol. 3:4) als Jesus Christus. Alle anderen „Wege“, „Wahrheiten“ und Arten von „Leben“ haben, wenn überhaupt, nur kurzen Bestand in dieser Welt. Und bei dem wohl noch jungen Mann aus der lokalen Führungsriege trifft das Sprichwort zu, dass er „den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht“. Das kann aber auch uns passieren: „Was muss ich tun, damit meine Mutter wieder gesund wird?“, „Zu welchem Heiligen soll ich beten, damit ich Arbeit finde?“ oder „Welche Gebete gibt es gegen Schlaflosigkeit?“ und ähnliches hören wir sehr oft. Der junge Dialogpartner Christi fragt wenigstens nach dem wahren Ziel. Er weiß nur nicht, dass Jesus Christus auch das ZIEL unserer Sehnsüchte ist. Im Königtum der Himmel werde ich keinen Reichtum, kein körperliches Wohlergehen, keine Vergnügungen, keinen Ruhm benötigen. König Salomon hatte das alles in Fülle auf Erden, stellte dann aber desillusioniert fest: „Es ist alles eitel“ (Koh. 1:2,14). Möglich, dass sich der begüterte Mann im Gespräch mit dem Herrn Anhaltspunkte für das Erreichen so eines Lebens für die Ewigkeit erhoffte – verständlich aus seiner Sicht, war er doch jung, reich, angesehen, bestimmt gutaussehend – kurz, er genoss das Leben. Da will man natürlich, dass Reichtum. Gesundheit, persönliches Glück und Ruhm niemals aufhören. Das kann dieses zeitige Leben jedoch nicht im vollen Umfang bieten. „Vielleicht aber das, von dem dieser Jesus dauernd spricht?!.. Dann frage ich Ihn einfach mal?!“
Man kann dem auf der Suche nach dem Sinn des Lebens befindlichen Mann zugute halten, dass er wenigstens die heilbringende Blickrichtung im Fokus behält. Das tun viele unserer Zeitgenossen heute nicht, die ungleich angenehmere Lebensbedingungen haben als frühere Generationen. Doch Gott hat unseren Vorfahren diese Prüfungen und ständigen Besorgnisse aus Liebe zu ihnen geschickt, damit sie den engen Weg in das Paradies (s. Mt. 7:13-14; Lk. 13:24) nicht aus den Augen verlieren. Darum sorgt Sich Gott; warum sorgen wir uns nicht darum?!.. Unsere Vorfahren dankten Gott für jegliche Trübsal im Leben, fragten sogar nach längerer Zeit des Wohlergehens, ob Gott sie nicht „vergessen“ habe. Und wir diskutieren mit Gläubigen über die Theodizee, müssen uns als „Anwalt“ Dessen versuchen, Der über allen Dingen steht und keinerlei Rechtfertigung unsererseits bedarf. Unser Denken ist himmelweit von Gott entfernt, was Gott aber schon vorher wusste (s. Jes. 55:9). Jetzt aber haben wir „alles Notwendige“ zum Erhalt des ewigen Lebens, lassen aber permanent unsere Gedanken zu Nichtigkeit abschweifen (s. Ps. 143:4). Und damit wären wir bei uns heute angelangt. Wir sind gläubig und wollen als Christen natürlich das ewige Leben im Himmelreich in Empfang nehmen (s. Mt. 25:34,46b). Aber was können wir tun, damit das Ewige nicht nur ideell, nicht nur formal-theologisch, sondern vollkommen real und authentisch für uns an erster Stelle, also vor allen zeitlichen Gütern, steht?!
Metropolit Arsenij (Jakowenko), der derzeit für den orthodoxen Glauben inhaftierte stellvertretende Vorsteher der Swiatogorskaja Lawra, führte einmal dieses Beispiel an: Stellen Sie sich vor, jemand schenkt Ihnen eine Million Dollar. Werden Sie ihm dafür dankbar sein? - Oh ja, natürlich, und wie! - Gut. Und jetzt nehmen wir mal an, er schenkt ihnen zehn Millionen Dollar. Wie dankbar werden Sie dann sein? - Wow, da wäre noch cooler. Da wäre ich noch unvergleichlich dankbarer! - Okay. Aber wenn damit verbunden wäre, dass Sie nach Erhalt des Geldes am nächsten Morgen nicht mehr aufwachen werden – würden Sie diesen Deal dann noch eingehen wollen? - Gott bewahre!...
Aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet kann somit ein schöner Sonnenaufgang, das muntere Zwitschern der Vögel oder sogar das Brummen des frühmorgendlichen Berufsverkehrs unendlich schöner sein als aller materielle Reichtum dieser Welt. Und diese Wahrheit wird von einfachen Menschen sehr viel leichter aufgenommen als von Weisen und Gebildeten (s. Mt. 11:25; vgl. 1 Kor. 1:26-29). Klar, „die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts“ (Lk. 16:8), aber in Bezug auf die Erlangung der ewigen Güter erweisen sie sich als völlig fehlgeleitete, bedauernswerte Ignoranten. So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein (vgl. Mt. 20:16). Amen.