Predigt zum 25. Herrentag nach Pfingsten (Eph. 4:1-6; Lk. 12:16-21) (30.11.2025)
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Predigt zum 25. Herrentag nach Pfingsten
(Eph. 4:1-6; Lk. 12:16-21)
(30.11.2025)
Liebe Brüder und Schwestern,
wir kommen heute wieder auf den reichen Mann zu sprechen, der sich über eine gute Ernte und damit verbunden üppige Erträge freuen konnte. Er war wohl kein Halunke, kein Gesetzesbrecher, doch wandte er seinen Blick einzig und allein auf die horizontale Ebene. Die Sorge um den Reichtum (vgl. Mt. 13:22; Mk. 4:19; Lk. 8:14; Kol. 3:5) verhinderte es, dass der Mann in seinem Denken auch nach oben, gen Himmel schaute. Das hätte er aber tun sollen, um den materiellen Segen, den Gott ihm zweifellos gegeben hatte, in himmlische Schätze ummünzen zu können (s. Mt. 6:19-21; Lk. 16:9). Stattdessen haftete er mit der Seele an der Erde. Was kann so ein Mensch erwarten, wenn seine Seele früher oder später – in seinem Falle sehr viel früher als er dachte – aus diesem zeitlichen Leben hinweg genommen wird? Doch die zentrale Frage lautet für uns heute: unterscheiden wir uns denn so grundlegend von diesem Mann?!..
Dieser reiche Kornbauer war wahrscheinlich auch gläubig wie wir. Formal und auch rational glauben wir ja an Gott. Das reicht aber nicht. Es müssen Taten folgen. Dem Gleichnis von den Talenten zufolge erwartet Gott von uns, dass wir die uns verliehenen Gaben nach Maßgabe unserer Fähigkeiten vermehren (s. Mt. 25:14-30; vgl. Lk. 19:11-27) und unserem Herrn am Ende gewinnbringend zurückerstatten. Im Grunde folgt daraus, dass der Mann diese irdischen Güter usurpierte, also für sich beanspruchte. Und diese Gefahr besteht auch bei uns. Wir alle haben von Gott verschiedenartig nicht bloß pekuniäre irdische Glücksgüter erhalten – Eltern, Geschwister, Ehepartner, Kinder, eine große Verwandtschaft, Freunde, Nachbarn, Kollegen etc. All das ist Grund, dankbar zu sein. Aber wenn unsere Liebe zu ihnen die Liebe zu Gott verdrängt, wenn überhaupt irgend etwas in dieser Welt den dem Herrngott allein gebührenden Platz in unserem Herzen einnimmt, können wir meinetwegen die ganze Welt gewinnen, aber geistlich am Ende leer ausgehen, „denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat“ (Mt. 25:29; vgl. Lk. 19:26). Das, was er als Besitz zu haben meinte, gehörte nicht wirklich ihm; derjenige aber, welcher himmlische Schätze gesammelt hatte, wird diese nicht verlieren (s. Mt. 6:20) und sogar noch vielfach vermehren können.
Wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir erkennen, wie viel wir in das irdische Leben „investieren“ und wie wenig in das himmlische. Wir glauben zwar daran, dass es nach diesem Leben etwas anderes geben wird, nutzen aber kaum oder gar nicht die uns zur Erlangung desselben bereitgestellten Hilfsmittel. Wir verlassen uns einfach darauf, dass Gott uns schon irgendwie an Seiner Gnade teilhaben lassen wird. Gott ist gnädig, ohne jeden Zweifel. Aber Er gab uns die Mysterien der Kirche, Seine heilbringenden Gebote und zahlreiche für das Seelenheil notwendige Gebote und Vorschriften. Einige jedoch ignorieren diese Regeln vollständig, andere befolgen sie nur oberflächlich und halbherzig, während manche überhaupt nur äußerlich wie Christen leben.
Egal ob materiell reich oder arm, sind wir alle Sünder – und zwar im totalen Sinne. Ich stehe da an erster Stelle. Wenn ich bete, sündige ich; wenn ich die Göttliche Liturgie zelebriere, sündige ich; wenn ich meine Sünden beichte, sündige ich; wenn ich die Heiligen Gaben empfange, sündige ich. Und wenn ich das alles nicht mache, sündige ich sowieso. Also nicht nur, dass ich zumeist nicht das Gute tue, was ich will, sondern das Böse, was ich hasse (s. Röm. 7:15), nein – „Ich stoße auf das Gesetz, dass in mir das Böse vorhanden ist, obwohl ich das Gute will“ (Röm. 7:21). Selbst im Moment der Einswerdung mit Christus beim Empfang der Heiligen Gaben bleibe ich Sünder, weil ich mich dieser Gnade in unendlichem Maße als unwürdig erweise. Nur mein Glaube an die unermessliche Gnade des Herrn verleiht mir die Zuversicht, dass ich vor Gott Erbarmen finden kann. Das aber ist die echte Realität des Lebens. Und daraus ergibt sich dann auch von selbst, auf was, oder besser, auf WEN ich all meine Hoffnung setzte. Und wenn ich das in dem mir zugänglichen Maß getan habe (s. Eph. 4:6), schaue ich auch voller Zuversicht auf die mir noch übrigbleibende Wegstrecke hier auf Erden. All meine Sorge habe ich ja dem Herrn überantwortet („… lasst uns … unser ganzes Leben Christus, unserem Gott, anbefehlen!“). Er wird mich leiten, „denn sollte ich auch wandeln mitten im Schatten des Todes, ich fürchte nichts Böses, denn Du bist bei mir: Dein Stab und Dein Stock, die trösten mich“ (Ps. 22:4). Natürlich verbietet uns der Herr nicht die Sorge um das leibliche Wohl, doch zuerst muss es uns (hier auf Erden) um das Himmlische Königtum und seine Gerechtigkeit gehen (s. Mt. 6:33; Lk. 12:31). Vielleicht muss ich, wie der tragische Held unseres Gleichnisses, heute schon sterben. Aber das hat Gott so vorbestimmt. Er hat mir dabei keine Optionsmöglichkeit gegeben. Wo Er mir aber die freie Entscheidung eingeräumt hat, ist die innere Art und Weise, also der Zustand der Seele, mit dem ich vor meinen Herrn treten werde. Deshalb ruft Er mich, uns alle, zu ununterbrochener Wachsamkeit auf (s. Mt. 24:43-44;45-51; 25:13; Lk. 12:35-48; 1 Kor. 16:13; 1 Petr. 5:8). Die alltäglichen Sorgen bleiben erhalten, und wir müssen auch mit ihnen zurechtkommen. Doch wenn wir unsere irdischen Pflichten gottesfürchtig und gewissenhaft erledigen, wird uns das nicht von Gottes Königtum im Himmel entfernen (s. 1 Petr. 4:11; 1 Kor. 10:31; Kol. 3:23-24). Die permanente Hauptsorge gilt aber dem Königtum Gottes. Und darauf kommt es an: „Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, Der über allem und durch alles und in allem ist“ (Eph. 4:5). Amen.