Predigt zum Festtag der Synaxis des heiligen Erzengels Michael und aller übrigen heiligen körperlosen Mächte (Hebr. 2:1-10; Lk. 10:16-21) (21.11.2025)
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Liebe Brüder und Schwestern,
folgender Abschnitt aus dem Lukas-Evangelium wird uns heute zur geistlichen Erbauung angeboten: „Wer euch hört, der hört Mich; und wer euch ablehnt, der lehnt Mich ab; wer aber Mich ablehnt, der lehnt Den ab, Der Mich gesandt hat. Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und berichteten voll Freude: ´Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir Deinen Namen aussprechen`. Da sagte Er zu ihnen: ´Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Seht, Ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind`. In dieser Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: ´Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil Du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es Dir gefallen`“ (Lk. 10:16-21).
Die Rede ist zunächst von denen, die der Herr zur Verkündigung Seines Evangeliums ausgesandt hat. Natürlich kann auch ein Bischof oder Priester irren, weshalb der Herr auch nicht sagt: „Wer einen jeden von euch hört, der hört Mich, und wer einen von euch ablehnt, der lehnt Mich ab“ usw. Der Herr sagt stattdessen: „Wer euch hört (oder ablehnt), der hört Mich (oder lehnt Mich ab)“ usw. Gemeint sind demnach die, welche wirklich von Christus gesandt sind und wirklich in Seinem Auftrag sprechen, nicht wie die falschen Propheten im Alten Bund, die Gott, der Herr, „weder gesandt noch beauftragt“ und auch „nicht zu ihnen gesprochen“ hat, die dem Volk „erlogene Visionen, leere Wahrsagerei und selbst erdachten Betrug verkünden“ (Jer. 14:14). Die zweiundsiebzig Jünger dagegen waren direkt von Christus gesandt worden und handelten wirklich in Seinem Namen (s. Lk. 10:17). Doch aus dem Neuen Testament wissen wir, dass es sogar zu Zeiten Christi Menschen gegeben hat, die in Seinem Namen als Propheten aufgetreten waren, Dämonen ausgetrieben und viele Wunder vollbracht hatten, zu denen der Herr jedoch am Ende sagen wird, Er kenne sie nicht und schließlich diese Übertreter des Gesetzes von Sich schicken wird (s. Mt. 7:22-23). Den zweiundsiebzig Jüngern hat der Herr – wie zuvor den Zwölf – die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Im Kampf gegen den Feind muss man sowohl defensive als auch offensive Taktiken anwenden. Die offensive Kampfweise („Schlangen und Skorpione zertreten“) ermöglicht es, vor den Anschlägen des Widersachers („Macht des Feindes“) geschützt zu sein. Aber die Jünger sollen sich nicht darüber freuen, dass ihnen die Geister gehorchen – das kann ja auch gar nicht nicht verwundern, handeln sie doch im Auftrag Dessen, Welcher den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen sah – sie sollen sich vielmehr darüber freuen, dass ihre Namen im Himmel verzeichnet sind. Es ist kein Selbstzweck, wie gesehen, Wundertäter zu sein, denn das allein ist noch kein Garantieschein für die Zugehörigkeit zu Christus. Unser oberstes Ziel aber ist die gnadenvolle Gemeinschaft mit Christus schon in diesem Leben, die dann in absolut vollkommener Form im ewigen Leben Bestand im himmlischen Jerusalem haben wird. Wer das tut, „hat Anteil am Baum des Lebens, und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können“ (Offb. 22:14). Das ist es, was es heißt, dass unsere Namen im Himmel verzeichnet sind.
Darum preist unser Herr Seinen Himmlischen Vater, den Herrn des Himmels und der Erde dafür, dass Er dies alles den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hat. Wer sich ausschließlich auf seinen Intellekt und auf seine Bildung verlässt, wird niemals die Gnade des Heiligen Geistes empfangen können (vgl. 1 Kor. 1:18-31). Zwar war z.B. der Apostel Paulus ein hochgebildeter und überaus intelligenter Mann, aber er kam „nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um (…) das Zeugnis Gottes zu verkünden“, weshalb er zu den (sich ihrer Bildung rühmenden) Korinthern sagt: „Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten“ (1 Kor. 2:1-2). Er verließ sich nicht auf seine menschlichen Kapazitäten und Vorzüge, sondern allein auf die Geisteskraft, die von Gott kommt. Er war ja beileibe nicht perfekt, schon gar nicht als Verkünder des Wortes, wie er selbst sagt: „Im Reden mag ich ein Stümper sein, aber nicht in der Erkenntnis: wir haben sie euch in keiner Weise und in keinem Fall vorenthalten“ (2 Kor. 11:6). Und so zeigte sich Gottes Kraft in seiner Schwachheit (s. 2 Kor. 12:9).
Deshalb muss sich keiner von uns unnötig Gedanken darüber machen, wenn er nicht über irgendwelche „außergewöhnlichen“ Begabungen verfügt. Er ist von Gott so geschaffen worden wie er ist. Und das ist gut so. Jeder ist von Gott aber dazu berufen, die göttliche Gnade in sich wirksam zu machen. Gewiss sind natürliche Begabungen dabei hilfreich, zumal sie ja durch die Gnade des Heiligen Geistes in der Kirche Christi geheiligt und vervollkommnet werden (s. 1 Petr. 4:10-11; Röm. 12:6-8; 1 Kor. 12:4-11,28-31; Eph. 4:11). Aber diese Synergie der göttlichen Allmacht mit der menschlichen Begrenztheit ist nur möglich, wenn sich der Mensch engelsgleich in Demut und Gehorsam übt, sich vollkommen in den Dienst Gottes und der Kirche stellt. Nur dadurch wird die Kirchenstruktur und der Dienst jedes Einzelnen zu einem von Gott wohlwollend angenommenen Spiegelbild der himmlischen Ordnung. Und wenn wir uns selbst auf diese Weise „klein machen“, werden auch unsere Engel im Himmel stets das Angesicht des Himmlischen Vaters sehen können (s. Mt. 18:10). Amen.