Predigt zum Gedenken an die Enthauptung Johannes des Vorläufers (Apg. 13:25-32; Mk. 6:14-30) (11.09.2025)
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Liebe Brüder und Schwestern,
das heutige Gedenken der Enthauptung des Propheten, Vorläufers und Täufers des Herrn ist zum einen eines der fünf „Großen Feste“ (auf einer Stufe mit der Beschneidung des Herrn, dem Schutz der Mutter Gottes, dem Festtag der Apostelfürsten Petrus und Paulus sowie der Geburt des Täufers), zum anderen einer der drei Anlässe im Jahr, die ein eintägiges Fasten vorschreiben (neben dem Vorabend der Taufe Christi und dem Hochfest der Kreuzerhöhung). Es ist also ein bedeutender Gedenktag und ein Grund zur Trauer und Besinnung. Erinnern wir uns: der Prophet Johannes war der angekündigte „Rufer in der Wüste“ (s. Jes. 40:3), der durch sein persönliches asketisches Vorbild auch Mahner zu Mäßigung und Sittsamkeit war (s. Mt. 11:8; Lk. 7:25). So tadelte er den Herrscher über Galiläa dafür, dass dieser die Frau seines eigenen Bruders geehelicht hatte. Sein unschuldiger Tod erfolgte als Resultat der Unenthaltsamkeit des Herodes, der im Zustand der Trunkenheit ein unbedachtes Versprechen gab, das er eingedenk der Niedertracht seiner illegitimen Frau nie hätte geben dürfen. Deshalb ist dieser Tag auch für uns Mahnung, stets „nüchtern und wachsam“ zu sein (1 Petr. 5:8; vgl. Lk. 12:35). Nur wer nach diesen kirchlichen Richtlinien lebt, kann im Moment der Anfechtung auf der Höhe sein und der Verführung durch den Widersacher widerstehen.
So wie vor hundert Jahren ist die orthodoxe Kirche heute wieder zur Zielscheibe einer beispiellosen Vernichtungskampagne geworden, und das größtenteils unbemerkt von der Weltöffentlichkeit. Im Unterschied zu anderen Teilen der Welt, wo Christen von Andersgläubigen grausam verfolgt und misshandelt werden, sind es auf dem tausendjährigen Territorium der Kiewer Rus´ heutzutage vornehmlich orthodox getaufte Menschen, die gewaltsam Kirchen aufbrechen, Priester blutig schlagen und alte Frauen mit Schimpf und Schande aus ihren Gotteshäusern vertreiben. Wie konnte es zu solchen dämonischen Auswüchsen über dreißig Jahre nach dem Fall des Kommunismus kommen?! Ganz klar, durch die Berieselung mit Gedankengut, das dem Evangelium zuwider läuft. Falsche Ideen, wie sie im abendländischen „Wertekanon“ stehen, dazu blinder Nationalismus, Bruderhass und maßlose Selbstüberhöhung stürzen ein ganzes Volk ins Verderben. Diese „Trunkenheit“ führt zu völlig abwegigen und selbstzerstörerischen Handlungen, die nur noch durch die Rückbesinnung auf die eigenen geistlichen Wurzeln wiedergutzumachen sein werden. Amen.