Predigt zum Gedenktag der hl. Apostelgleichen Maria Magdalena (1 Kor. 9:2-11; Lk. 8:1-3) (04.08.2025)
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Liebe Brüder und Schwestern,
im Troparion zu Ehren der heiligen Maria Magdalena singen wir:
„Du bist dem um unseretwillen aus der Jungfrau geborenen Christus nachgefolgt, ehrwürdige Magdalena Maria, indem du Seine Rechtfertigungen und Anordnungen bewahrtest. Deshalb feiern wir alle heute dein Gedächtnis und empfangen durch deine Fürbitten den Nachlass der Sünden“.
Maria aus Magdala folgte also Christus nach, wohl aus Dankbarkeit dafür, dass Dieser sieben Dämonen aus ihr ausgetrieben hatte (s. Mk. 16:9; Lk. 8:2). Zunächst war sie im Gefolge des Herrn und unterstützte materiell Sein Missionswerk (s. Lk. 8:3; vgl. 1 Kor. 9:5). Wie wir wissen, war es vor allem sie, welche später den Jüngern des Herrn von der Auferstehung Christi berichtete. Das war ganz zu Beginn der christlichen Ära, die mit der Verkündigung der Auferstehung begann. Maria Magdalena steht also ganz am Anfang als maßgebliche Zeugin und bedeutende Nebendarstellerin unserer Heilsgeschichte. Sie ist zur Patronin unserer Gemeinde in Weimar-Jena geworden – von Gott als Vorbild gegeben zur Nachahmung für uns alle. Christus nachfolgen sollen und können wir alle. Im direkten Sinne, indem man sein Leben gänzlich Christus und Seiner Verkündigung weiht, wie es unsere himmlische Fürsprecherin in ihrem irdischen Leben getan hat – also z.B. durch ein Leben im Kloster oder als Weltpriester oder Priesterfrau – aber auch indirekt als Weltkind durch das Einhalten der Rechtfertigungen und Anordnungen des Herrn. Und wenn wir den Vergleich der Epoche der heiligen Maria Magdalena mit unserer heutigen Situation ziehen, können wir ungeahnt viele Parallelen entdecken. Gleich nach der Gründung der Kirche wurde dem Glauben an Jesus Christus dämonischer Hass und fanatische Ablehnung entgegengebracht. Es war aber dem unerschrockenen Glaubenseifer der vom Herrn gesandten Männer und Frauen zu verdanken, dass sich die Gnade Gottes trotzdem vermehrte und das Blut der Märtyrer zur Saat für die Ernte auf Gottes Ackerfeld wurde. Das Christentum sollte mit allen einer Weltmacht zur Verfügung stehenden Mitteln ausgerottet werden, doch am Ende behielt die Kirche Christi die Oberhand und triumphierte über ihre Widersacher. Ähnlich war es in der Sowjetunion und in den anderen kommunistischen Staaten Osteuropas, die ja schon eine jahrhundertelange Unterdrückung durch das Türkenjoch zu erdulden hatten. Dabei waren es ja jeweils nur verhältnismäßig wenige, welche Christus in der größten Drangsal die Treue hielten. Trotzdem blickte Gott gnädig auf ihr Vermächtnis herab und ermöglichte jedes mal eine Zeitenwende. Das heidnische Römische Imperium, die Mongolenherrschaft, die muslimischen Reiche und die atheistische Supermacht sind inzwischen Geschichte, doch die Kirche Christi gibt es immer noch. Und so wird es immer sein bis zum Ende dieses Weltalters (s. Mt. 16:18; 20:20). Aber ein Ende der Christenverfolgungen ist dennoch nicht in Sicht, im Gegenteil. Heute kann sich jeder ausmalen, was uns allen im einstmals christlichen Abendland aber auch in Russland bevorsteht. Man muss kein Prophet sein, sondern nur Realist, um voraussehen zu können, dass das Christentum in seiner historischen Kernregion wieder massiver Verfolgung ausgesetzt sein wird. Neulich erst sah ich ein Video aus Australien, in dem tausende bärtiger Männer die im viktorianischen Stil errichtete Kathedrale von Melbourne umzingeln und laut „Allahu akbar“ brüllen. Aus Westeuropa und Russland ist man das schon längst gewohnt, aber wenn solche Bilder aus einem Land kommen, das in der jüngeren Vergangenheit durch seine restriktive Einwanderungspolitik von sich reden machte, weiß man, dass die gesellschaftlichen Umwälzungen in naher Zukunft kommen werden und nur noch eine Frage der Zeit sind. Und wenn wir weiter realistisch bleiben, müssen wir wohl davon ausgehen, dass nur ein Bruchteil der Christen der Kirche treu bleiben wird. Dennoch gibt es keinen Grund zur Verzweiflung: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Königtum zu geben“ (Lk. 12:32). Christus wird siegen, trotz aller Bedrängnis! „Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?“ (1 Joh. 5:4-5; vgl. Joh. 16:33). Es wird aber definitiv kein Sieg in politisch-militärischer Weise sein. Wir Christen streben nicht die Weltherrschaft an (s. Hebr. 13:14). „Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn als Retter, Der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt Seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der Er Sich alles unterwerfen kann“ (Phil 3:20-21). Mit dem Glauben an Jesus Christus werden wir bis ans Ende standhaft sein können. Der „Fürst dieser Welt“ (Joh. 14:30) wird den Christen immer seine „Alternative“ anbieten, nämlich innere Abkehr von Christus bei Beibehaltung äußerer Attribute, wie es zu Beginn der kommunistischen Verfolgung war (die „Lebendige Kirche“, von Konstantinopel anerkannt), wie wir es heute auf dem Gebiet der Kiewer Rus´ erleben (die schismatische „Orthodoxe Kirche der Ukraine“, ebenfalls von Konstantinopel anerkannt) und wie es in weiten Teilen der abendländischen Christenheit bereits ohne Not Realität geworden ist. Aber die Lebensdauer solcher Phänomene ist begrenzt. Uns bleibt nur die Gefolgschaft Christi nach dem Vorbild der heiligen Maria Magdalena – ein Weg, von dem wir nicht abirren wollen. Amen.