Predigt zum 9. Herrentag nach Pfingsten (1 Kor. 3:9-17; Mt. 14:22-34) (10.08.2025)
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Liebe Brüder und Schwestern,
die uns heute angebotene Begebenheit aus dem Evangelium spiegelt im allegorischen Sinne unser geistliches Leben, d.h. unseren geistlichen Kampf wider. Gemäß der einhelligen Lehre der heiligen Väter kann der Mensch kein geistliches Leben ohne den Kampf (die Askese) führen. Der Weg zu Gott ist nur auf dem schmalen Pfad zu erreichen (s. Mt. 7:13-14). Unser Wegführer ist der Gottesmensch Jesus Christus. Er trägt uns auf, mit Ihm das Kreuz auf uns zu nehmen (s. Mt. 16:24; Mk. 8:34; Lk. 9:23). Wer das tut, wird Ruhe finden für seine Seele (s. Mt. 11:29) – auch und vor allem inmitten der Stürme des Lebens.
Nur in solchen Prüfungen kann sich unser Glaube bewähren, nur dann können wir von Gott des Empfanges der ewigen Güter als würdig erachtet werden. Also ist alles, was mit uns persönlich und alles, was in der Welt passiert, Bestandteil des göttlichen Heilplans. Die heutige Geschichte legt uns diese Wahrheit offen.
Nachdem der Herr eine große Menschenmenge in der Einöde aus nur fünf Broten und zwei Fischen gespeist hatte, entsendet Er Seine Jünger zum anderen Ufer des Sees, während Er die Leute nach Hause schickt (s. Mt. 14:22). So verfährt der Herr auch mit uns. Nachdem Er uns Seine überreiche Gnade geschenkt und mit allem Notwendigen für das Leben ausgestattet hat, entlässt Er uns, schickt uns quasi allein auf das weite Meer des Lebens. Er geht dabei behutsam vor. Das erste Mal, als die Jünger in Seenot gerieten, war Er ja noch mit ihnen (s. Mt. 8:23-27), jetzt aber müssen sie die nächste Stufe in ihrem geistlichen Reifeprozess nehmen, nämlich ohne die (leibliche) Anwesenheit ihres Meisters auskommen. Auch wir wachsen allmählich unter der Obhut unserer Eltern, unter der geistlichen Anleitung unserer Seelsorger auf. Doch mit zunehmender Lebensdauer steigen die Anforderungen an uns, was ja vollkommen in der Natur der Sache liegt, denn irgendwann müssen wir selbst eine Stütze unserer Kinder sein, müssen selbst die geistliche Reife erlangen, zu der uns unsere Hirten herangeführt haben. Als Kind hat man seine Eltern, unter deren Schurz man sich bei Gefahr verkriechen kann, als Erwachsener muss man der Gefahr ins Gesicht sehen können. Und unsere stärkste Waffe ist der Glaube an unseren Herrn Jesus Christus. Aber dieser Glaube muss sich durch jahrelanges Üben in den Geboten des Herrn (s. z.B. Mt. 5:3-12) gestärkt haben. Der Herr lässt uns niemals ohne Seine Fürsorge. Von oben herab überblickt Er das Geschehen, welches ja ohne Seinen Willen nicht hätte stattfinden können (s. 14:23-24). Was dann auf dem Höhepunkt der Not geschieht, ist gleichsam die Vorwegnahme der für alle Menschen ohne Ausnahme unausweichlichen Begegnung mit dem Herrn. Als die im Boot – dem Sinnbild für die Kirche – befindlichen Jünger die Hoffnung auf Rettung fast schon verloren haben, erscheint der Herr auf wundersame Weise auf den Wogen des Meeres. Der Glaube der Jünger ist da noch schwach. Ja, viele Wunder haben sie schon miterlebt, vor wenigen Stunden wurden sie Zeugen der wundersamen Brotvermehrung, aber da war ihr Meister ja bei ihnen. Jetzt stehen sie in der Verantwortung, Gott um Beistand anzuflehen. Und als Sich ihnen der Herr inmitten des Sturms nähert, glauben sie, ein Gespenst zu sehen. Später, nach der Auferstehung, wird Johannes, der Beste unter ihnen, im Morgengrauen vom Boot aus ausrufen: „Es ist der Herr!“ (Joh. 21:7). Jetzt aber bedürfen sie alle noch der Aufmunterung durch den Herrn: „Habt Vertrauen, Ich bin es; fürchtet euch nicht!“ (Mt. 14:27). Wie beruhigend, tröstend, ja erlösend müssen diese Worte gewirkt haben! Denn für die, welche Christus lieben, wird der Klang Seiner Stimme (vgl. Joh. 10:27) die paradiesische Freude bedeuten, während er für alle anderen „verzehrendes Feuer“ sein wird (Hebr. 12:29).
Dadurch zeigt der Herr uns allen, dass der anfangs schwache Glaube eines reifen Menschen (wir reden hier nicht vom reinen kindlichen Glauben – vgl. Mt. 18:1-5) in der Tat wachsen kann. Er muss auch ständig wachsen und wird deshalb ständigen Anfechtungen ausgesetzt sein, damit jeder von uns am letzten Tag die unbeschreibliche Freude der Gemeinschaft mit Christus Gott erben kann. Nur so! Wenn wir uns aber wie Petrus, der zunächst noch Christus fest im Blick hatte, unseren Blick von Ihm abwenden auf die Wirren dieser Welt abschweifen lassen, wird uns Ungemach widerfahren. Aber Christus kennt unsere Unbeständigkeit, Er ist bei uns, wartet auf unser Flehen: „Herr, rette ich!“ (Mt. 14:30). Und der Herr wird nicht zögern, uns Seine rettende Hand auszustrecken. Das ist keine Metapher, sondern geistliche Realität, welche freilich auf einem starken Glauben basieren muss. Und dazu lässt der Herr all die Prüfungen zu, die uns sämtlich zuteil werden. Denn wenn wir dank unseres hierdurch gestärkten Glaubens die überreichliche Gnade des Herrn erkennen, welche ihre Kraft bekanntlich in der Schwachheit erweist (s. 2 Kor. 12:9), werden auch wir zur einzig für die Seele Rettung bringenden Wahrheit gelangen (s. Joh. 17:3; 1 Joh. 5:20; 1 Kor. 8:6) und mit den Jüngern vor dem Herrn niederfallen und vor Ihm ausrufen: „Wahrlich, Du bist Gottes Sohn“ (Mt. 14:33).
Was also die Schrecknisse im globalen Bereich oder evtl. auch im privaten Umfeld angeht, erkennen wir, das wir ohne den unerschütterlichen Glauben an unseren Herrn Jesus Christus verloren gehen. Ohne diesen Glauben kommt auch für den stärksten Menschen irgendwann der Punkt, wo er zu einer Verzweiflungstat schreiten wird. Für uns aber gilt die Gewissheit, „dass Gott bei denen, die Ihn lieben, alles zum Guten führen wird“ (Röm. 8:28). Wir wissen zudem, dass Gott, „durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder und ausdenken können“ (Eph. 3:20). Aber dazu bedarf es eben eines starken Glaubens. Amen.