Predigt zum 8. Herrentag nach Pfingsten (1 Kor. 3:9-17; Mt. 14:22-34) (03.08.2025)
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Liebe Brüder und Schwestern,
die Ernährung der Menschheit – bald werden es neun Milliarden auf unserem Planeten sein – ist zweifelsohne eine große Herausforderung für die Menschheit selbst. Für Gott ist das aber eine Kleinigkeit. Er würde den Menschen liebend gerne alles im Überfluss geben, wenn sie sich an Seine Anordnungen hielten: „Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um Sein Königtum und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben“ (Mt. 6:31-33; vgl. Lk. 12:29-31). Das ist eine, nein, die Grundvoraussetzung für ein Leben nach dem Geist (s. Röm. 6:1-14; 8:1-17; Gal. 5:25:13-26). Doch wer lebt heute nach dieser Maxime? Wenn wir ehrlich sind, dann leben ca. 99% der sich als gläubig bezeichnenden Getauften heute nach ganz anderen Grundsätzen, und das bedeutet, dass wir, entsprechend der o.g. Einordnung des Herrn, um die 99% getaufter Heiden haben (darin nicht einmal eingeschlossen sind die Getauften, die sich selbst nicht als gläubig bezeichnen). Und wie sollen sich die äußeren Lebensbedingungen für die meisten Menschen auf diesem Planeten ändern, wenn sie die grundlegendsten inneren Kriterien nicht erfüllen?! Im übrigen ist es ja so, dass Gott den Menschen auch so alles im Überfluss gibt. Die Ressourcen dieser Erde sind ja im Überfluss vorhanden, das Problem ist die ungerechte Verteilung der Reichtümer dieser Erde. Und an dieser globalen bzw. sich regional manifestierenden sozial-ökonomischen Ungleichheit ist nicht Gott schuld, sondern die Menschen selbst. Gott hat ihnen ja den Weg aus der Misere gezeigt.
Einen Gegenentwurf zum Zustand (nicht nur) der heutigen Menschheit bietet uns die Speisung der über fünftausend Menschen in einer einsamen Gegend nahe des Sees Genezareth vor zweitausend Jahren. Schon bevor der Herr die vielen Menschen mit Brot sättigte, heilte Er aus Mitleid ihre Kranken, nachdem Er gesehen hatte, dass sie Ihm an diesen verlassenen Ort folgen wollten, um das Wort Gottes zu hören (s. Mt. 14:14). Hier stimmte noch alles bei den Menschen, und sie wurden dafür belohnt: Christus gab ihnen, wie versprochen, das Notwendige zum Leben für diesen Tag (vgl. Mt. 6:11; Lk. 11:3; Ex. 16). Aber die Menschen sind nun mal so gestrickt, dass sie die Gnade Gottes, die niemals verdient sein kann, sondern immer ein Geschenk ist, für etwas ihnen Zustehendes ansahen (s. Joh. 6:23-27) – quasi wie Kinder, die am Tag nach ihrem Geburtstag wieder einen Haufen teurer Geschenke von ihren Eltern erwarten. Reicht es ihnen nicht, dass sie liebende und fürsorgliche Eltern haben, die ihnen alles Notwendige geben, aber auch dazu erziehen, zu gegebener Zeit selbst für sich und für andere sorgen zu können?!.. Festtage sind schön, doch ohne den Alltag wären sie sinnlos. Wir haben beides in der Kirche. Das macht unser Leben so schön! Und das ist das Leben in Christo, das Leben in der Kirche. Etwas anderes kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Aber was nützt es den „getauften Heiden“, wenn sie weder Alltag (Gebet, Fasten, Einhaltung der Gebote etc.) noch Feiertage kennen? Wir haben außer dem Osterfest zwölf großartige, gnadenvolle Hochfeste im Jahr, dazu das Patronatsfest unserer jeweiligen Kirche, jeder hat seinen Namenstag, dazu viele andere Feste im Kirchenjahr, die wir in der Kirche alle gemeinsam mit unserem Herrn begehen dürfen! Aber viele feiern stattdessen lieber Silvester bzw. Neujahr, ihren Geburtstag oder den „Herrentag“ (!) zu Hause, zu Gast oder im Biergarten mit ihren Freunden und Angehörigen (vgl. Mt. 22:1-14; Lk. 4:15-24). Ja, an solchen Tagen kann es auch mal sein, dass die Welt zumindest für eine kurze Zeit in Ordnung zu sein scheint. Aber wenn diese an sich nicht verwerflichen Feierlichkeiten nicht dem Seelenheil dienen und in der Realität die Sorge um die Erlangung des ewigen Lebens verdrängen, nimmt die Seele Schaden daran und die Probleme dieser Welt werden dadurch ohnehin nicht gelöst. Die Seele ist aber unendlich mehr wert als der Leib und sogar unvergleichlich mehr als die ganze Welt (s. Mt. 16:26; Mk. 8:36-37; Lk. 9:25)!.. Noch so eine Grundwahrheit des Evangeliums, die heute von vielen gar nicht ernst genommen wird!
Die heutige Erzählung aus dem Evangelium zeigt uns noch einen Lösungsansatz für die Beseitigung der Missstände in der Welt. Wenn wir Gott alles geben, was wir haben – und seien es fünf Brote und zwei Fische – wird Gott nicht lange unser „Schuldner“ bleiben. Der Apostel Paulus schreibt seinem Schüler: „Ermahne die, die in dieser Welt reich sind, nicht überheblich zu werden und ihre Hoffnung nicht auf den unsicheren Reichtum zu setzen, sondern auf Gott, Der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen. Sie sollen wohltätig sein, reich werden an guten Werken, freigiebig sein und, was sie haben, mit anderen teilen. So sammeln sie sich einen Schatz als sichere Grundlage für die Zukunft, um das wahre Leben zu erlangen“ (1 Tim. 6:17-19). Nicht alle können, nicht alle müssen ihren Reichtum an die Armen verteilen, aber mit ihnen teilen können alle, wobei auch ich kein Freund unbedachter und bedingungsloser Almosengeberei bin. Wenn ich z.B. ein Geschäft mit einem Handelspartner abschließe, will ich natürlich für mich einen Gewinn erzielen, das ist normal. Aber gleichzeitig werde ich mir auch Gedanken darüber machen, wie es uns beiden danach gut geht. Ich werde also nicht ausschließlich meinen Profit im Sinn haben, d.h. nicht versuchen, zur Gewinnmaximierung meinen Gegenüber nach Vertragsabschluss evtl. in Unterwäsche stehen zu lassen. Und dieses Verantwortungsdenken kann man in der Weltpolitik, Sozialökonomie, der Familie usw. anwenden. Gott zur Ehre und allen Menschen zum Wohle. Amen.