Predigt zum Samstag vor Weihnachten (Gal 3,8–12; Lk 13,18–29) (20.12.2025)
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Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amin.
Lieber Vater, liebe Gläubigen,
im heutigen Evangelium hören wir Christus sprechen: „Kämpfet, durch die enge Pforte einzugehen; denn viele, sage ich euch, werden einzugehen suchen und werden ‹es› nicht vermögen“ (Lk 13,24). Dazu, liebe Brüder und Schwestern, habe ich euch heute drei Zitate mitgebracht: (1) „Der Weg zum Sieg führt immer durch Dornen und das Kreuz.“ vom Hl. Grigol Peradse (6. Dezember) – ein georgischer Heiliger; (2) „Halte deinen Geist in der Hölle und verzweifle nicht.“ des Hl. Siluan vom Berg Athos (24. September); und (3) ein Zitat vom Hl. Isaak dem Syrer: „Halte Frieden mit deiner Seele, so werden Himmel und Erde mit dir Frieden haben!“
(1) „Der Weg zum Sieg führt immer durch Dornen und das Kreuz.“: Der Hl. Archimandrit Grigol Peradse (u.a. auch: Gregor Peradze, 1899–1942) ist ein georgischer Priestermärtyrer, der 1942 freiwillig anstelle eines jüdischen Familienvaters in die Gaskammer von Ausschwitz ging. Er war ein Wissenschaftler, Theologe und Archimandrit, der aus seiner Heimat Georgien floh, als es von den Bolschewisten überrannt wurde, und nie mehr zurückkehren sollte. Sein Weg führte ihn nach Berlin und Bonn, wo er studierte und promovierte. Dann empfing er die Weihen und wurde der erste Priester der georgischen Kirchengemeinde St. Nino in Paris, der ersten georgisch-orthodoxen Gemeinde im Ausland. Zusätzlich folgte er dem Ruf an die Universität von Warschau, wo er sich nach der Annexion Polens durch die Deutschen sowohl gegen das nationalsozialistische als auch gegen das kommunistische Regime stellte. Im Zweiten Weltkriegs half er Juden und politisch Verfolgten, indem er sie versteckte oder ihnen mittels Bargeld zur Flucht verhalf. Schließlich wurde er verhaftet, empfing im Konzentrationslager von Ausschwitz das Martyrium und wurde 1995 glorifiziert. Sein berühmtestes Zitat: „Der Weg zum Sieg führt immer durch Dornen und das Kreuz.“ Auch wiederholte er Zeit seines kurzen heiligen Lebens – gerade in schwierigen Lebenslagen – stets die letzten Worte des Hl. Johannes „Goldmund“ Chrysostomos:„Dank sei Gott für alles!“ Möge der Hl. Grigol – der sein Kreuz auf sich nahm und es trug bis zum Äußersten, der sich selbst bis zum Tod verleugnete und Christus bis zum Ende nachfolgte –, uns darin bestärken, schwere Lebenslagen und die herausfordernden Alltagssituationen zu überstehen und möge er uns Mut schenken, wenn wir fallen.
(2) „Halte deinen Geist in der Hölle und verzweifle nicht.“ Diese Worte empfing der Hl. Siluan (Berg Athos, 1866–1938), dessen Hl. Reliquien bei uns in Aubing verehrt werden können, von Christus höchstpersönlich. Zuvor sah er sich heftigen Anfechtungen, Versuchungen und Kämpfen ausgesetzt. Als er schon der schieren Verzweiflung nahe war, vernahm er diese barmherzigen Göttlichen Worte, die uns dazu auffordern, die schweren inneren Kämpfe, die geistigen Qualen und das Gefühl, von Gott verlassen worden zu sein, auszuhalten, dabei nicht die Hoffnung zu verlieren, sondern tiefe Demut und bedingungslose Liebe zu lernen. Möge der Hl. Siluan uns darin bestärken, die Demütigungen des Lebens zu ertragen, die Feindesliebe zu praktizieren und das immerwährende Gebet auf den Lippen zu tragen: Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner, des Sünders!
(3) „Halte Frieden mit deiner Seele, so werden Himmel und Erde mit dir Frieden haben!“ (Hl. Isaak der Syrer, 613–700): In dieser Fastenzeit auf die Geburt des Herrn, die wir nun schon fast wieder geschafft haben, haben wir versucht, unseren Blick nach innen zu kehren. Wir haben versucht, unseren Magen zu zügeln sowie wachsam gegenüber unseren Gedanken und den täglichen Prüfungen zu sein. Wir haben zusätzlich jeden Tag den Psalter gebetet und sind vor allem wieder der Hl. Kirche und ihrer Hl. Mysterien (Beichte, Krankensalbung, Eucharistie, …) wieder etwas näher, als wir es wahrscheinlich für gewöhnlich sind. Dadurch sollten wir normalerweise auch der inneren Seelenruhe wieder etwas näher sein, denn Gott schenkt Frieden. Je näher wir Ihm kommen, desto mehr inneren Frieden mit unserer Seele werden wir haben und desto weniger äußere weltliche Konflikte werden Einfluss auf uns haben. Wenn unsere innere Welt stabil ist, empfinden wir auch die Welt („Himmel und Erde“) als harmonischer. Alles scheint betrachtet aus einem erhabenen Blickwinkel mehr an seinem Platz. In der Göttlichen Liturgie beten wir für den Frieden der Welt – Herr, erbarme Dich! Dabei liegt die Quelle des Friedens, wie wir sehen, in uns selbst. Möge der Hl. Siluan uns darin bestärken, innerlich einzukehren, den Versuchungen des Bösen zu trotzen und unsere Schritte zu den Hl. Mysterien der Kirche zu lenken.
Schließen wir diese heutige Predigt mit einem Absatz aus dem Kommentar des Hl. Ephräm des Syrers zu Lk 13,24:
„Und das, daß hinwieder unser Herr sagt: „Streng dich an, einzutreten durch die enge Pforte“. Und dies eben sehen wir, daß so [beschaffen] sei die Pforte des Königreiches. Wer sehnsüchtig wünscht, angeworben zu werden und sich selbst in die Zahlen der Liste der Krieger hier auf der Welt einzuschreiben, der setzt dies zuvor in seinen Sinn, herauszugehen aus seinem Hause und seiner Verwandtschaft, sich zu entfernen in andere Gegenden und sich zu stürzen in den Kampf des Krieges des Todes. Wie der Krieger, daß er zuerst lernt, zu putzen und blank zu halten seine Rüstung und die Dinge des Krieges lernt, solange er für sich ganz allein ist, bevor die Zeit des Kampfes gekommen ist. [Wenn aber die Zeit des Kampfes gekommen ist] stürzt er sich inmitten kampfesmutiger, begeisterter Männer; und nichts anderes sieht er dort, als nur das Glitzern der Waffen und das Blitzen des Schwertes und den Ansturm der Reiter und das Schwirren der Bogen; und nichts anderes hört er dort, als allein den Ton der geschlagenen Leier und das Schmettern der Trompeten und das Drängen der Flöte, den Schrecken des Schwertes und das Ermutigen der Trompeten. Einer geht vorm Blute vorüber, und ein anderer, wenn er die Stimme des furchtbaren Geschreies hört, wird, geschwächt [und] erschöpft, schlaff von seiner Furcht, und ein anderer wird ermutigt stark, und es werden durch ihn auch die Kriegskameraden, seine Genossen, ermutigt, und mancher erhebt seine Augen und sieht, daß ein Schwert vor ihm und ein Schwert hinter [ihm ist], und er spricht in seinem Sinne: Wenn ich erschlaffend schwach werde in diesem Kriegskampfe, wird das Schwert da vor mir mich töten, und wenn ich den Rücken wende, werden [meine] Schienbeine diejenigen schlagen, die die meinigen sind; aber ich will männlich sterben; und erhebt seine Augen zum Himmel und ruft zu Gott im Gebete und sich selbst gibt er männlich dem Kriegskampfe hin. Das ist, was unser lebendigmachender Erlöser gesagt hat: Er sagt: „Wer sich mir nähert, nähert sich dem Feuer, und wer sich von mir entfernt, entfernt sich vom Leben“. So auch wir, die wir Verlangen hatten nach der himmlischen Pforte des Königreiches, und [die wir] eingeschrieben sein möchten in die Liste des Lebens zu den Kriegern, zu den Propheten, zu den Aposteln: wir müssen zuvor die Dinge des Krieges lernen, die Vorschriften und Gesetze unseres Herrn, und uns in ihnen täglich üben und uns reinigen wie eine Rüstung und befestigt werden in unserem Herzen, und darauf legen wir sie an wie eine tapfere Rüstung; und alsdann werden wir mächtig, dem Kampfe des Krieges Widerstand zu leisten, wenn wir jene angelegt haben.“
Dank sei Gott für alles! Amin.