Predigt zum Herrntag des Triumphes der Orthodoxie (Hebr. 11: 24-26, 32-12: 2: Joh. 1: 43-51) (24.03.2013)

Liebe Brüder und Schwestern,

nun haben wir alle zusammen das erste Etappenziel auf dem Weg zur Karwoche und zur Feier der Auferstehung Christi erreicht. Die erste Woche der Großen Fastenzeit ist vorüber. Die zweite Woche hält für uns als ersten Höhepunkt den „Triumph der Orthodoxie“ bereit, den die Heilige Kirche seit 845 jedes Jahr am ersten Sonntag der Großen Fastenzeit begeht (liturgisch bzw. biblisch gesehen endet die alte Woche jeweils am Samstag und die neue beginnt am Sonntag). Es ist der Tag im Kirchenjahr, an dem wir als Ausdruck der Liebe mit einem besonderen rituellen Akt all derer gedenken, die noch nicht mit uns im Leib Christi vereint sind. Die für fremde Ohren hochtrabende Bezeichnung dieses Festtages - „Triumph der Orthodoxie“ - hat jedoch nichts mit einem primitiven Triumphalismus zu tun. In der Tat wäre ein wie auch immer geartetes Überheblichkeitsdenken seitens der orthodoxen Christen hier völlig fehl am Platze, zumal wir keinesfalls besser sind als die anderen. Vergessen wir aber trotzdem nicht, dass dieser Brauch aus einer Zeit stammt, in der die Orthodoxie Staatsreligion im Römischen Reich war und das Christentum noch nicht in unzählige Konfessionen aufgesplittert war.

Der Schlüssel zum Verständnis des heutigen Feiertags liegt vielmehr in einem durchweg positiven Ansatz. Es stimmt, in gewisser Art feiern wir uns selbst, aber nicht auf Grund unserer Vorzüge oder Verdienste, sondern im Bewusstsein der uns zuteil gewordenen Gnade Gottes. Kurz und knapp ausgedrückt, bringen wir unsere Freude darüber zum Ausdruck, dass wir Teilhaber Christi und Erben Seiner Verheißungen sind: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die Ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach Seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die Er im voraus erkannt hat, hat Er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt Seines Sohnes teilzuhaben, damit Dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. Die aber, die Er vorausbestimmt hat, hat Er auch berufen, und die Er berufen hat, hat Er auch gerecht gemacht; die Er aber gerecht gemacht hat, die hat Er auch verherrlicht“ (Röm. 8: 28-30).

Nur wäre es jetzt geradezu schizophren, auf andere herabzuschauen, die nicht im Glauben und den Mysterien mit uns verbunden sind. Entsprechend der Liebe zu unseren Mitbrüdern und Mitschwestern, die nach Gottes Willen eins mit uns sein sollen (s. Joh. 17: 11, 22-23), vernehmen wir auch das Wort des Apostels: „Der Gott der Geduld und des Trostes schenke euch die Einmütigkeit, die Christus Jesus entspricht, damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einträchtig und mit einem Munde preist. Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes“ (Röm. 15: 5-7). Der heutige Festtag enstspricht also einem Aufruf im Namen des „Gottes der Geduld und des Trostes“ an alle, sich mit uns einmütig und einträchtig im Leibe Christi, der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche zu vereinen. Es ist eine Einladung, eine ausgestreckte Hand, die signalisieren soll, dass alle willkommen sind. Am besten jedoch lässt sich dieser Gestus in drei kurze Worte fassen, die wir heute aus dem Munde des Apostels Philippus vernehmen: „Komm und sieh!“ (Joh. 1: 46).

Aber hier müssen wir schon gleich auf die vorläufige Euphorie-Bremse treten: Was sollen die potentiellen Neu-Christen denn sehen?! Es ist heute offensichtlich nicht damit getan, jemanden zu einem orthodoxen Gottesdienst einzuladen, damit er anschließend feierlich verkündet: „Ich habe den Himmel offen erlebt, und wusste nicht, ob ich im Himmel oder auf der Erde war“. 

Es muss also etwas da sein, das der Kommende auch sieht. Im Falle von Natanaёl war es Gott Selbst in menschlicher Gestalt (s. Joh. 1: 50). Es ist ja überliefert, dass Natanaёl in der Abgeschiedenheit unter dem Feigenbaum betete, Gott möge ihm den Messias, „den Sohn Gottes ... (und) König von Israel“ (1: 49) offenbaren. Also muss Christus auch bei uns, und zwar nicht bloß auf Ikonen und Fresken, nicht bloß in der äußeren Prachtentfaltung des Gottesdienstes zu sehen sein. Umso mehr müssen also wir, als vom Wesen her missionarische, apostolische Kirche das geistliche Auge der Menschen jenseits unserer sichtbaren Gemeinschaft ansprechen. Es kommt demnach auf den Geist an, der dem Außenstehenden mittels seines spirituellen Sehvermögens zugänglich gemacht werden soll, denn „wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu Ihm“ (Röm. 8: 9).

Und weil dem so ist, müssen wir uns zunächst selbst von dem weltlichen, fleischlichen Denken lossagen, denn es ist für uns buchstäblich eine Frage von Leben und Tod: „Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben: wenn ihr aber durch den Geist die (sündigen) Taten des Fleisches tötet, werdet ihr leben“ (Röm. 8: 13). Dabei bestreitet niemand die wohltuenden gesellschaftlichen Errungenschaften des Humanismus, ohne die unsere europäische Kultur heute undenkbar wäre. Aber in grundlegenden Fragen des kirchlichen Selbstverständnisses hat weltliches, emotionales, einzig durch menschlichen Verstand bestimmtes und auf vergänglichen Denkmustern gegründetes Gedankengut  nichts zu suchen – egal wie stark der Druck der äußeren Welt noch sein mag. Und die orthodoxe Kirche weiß, wovon sie spricht, ist doch der „Triumph der Orthodoxie“ infolge der Überwindung der eineinhalb Jahrhunderte wütenden Häresie des Ikonoklasmus Mitte des 9. Jhd. der krönende Abschluss einer langen turbulenten Epoche, in der sich die Kirche eben diesem (gewaltsam aufgezwungenen) säkularen Denken vor allem seitens der Staatsmacht erfolgreich widersetzt und auf sieben Ökumenischen Konzilen die ewig gültigen Glaubensgrundsätze und innerkirchlichen Bestimmungen formuliert hat.

Es sei nicht unerwähnt, dass sich in der Epoche der sieben Ökumenischen Konzile sehr oft das Kirchenvolk als Hüter des Glaubens – auch gegen den Widerstand der Staatsgewalt – bewährt hat. Kein selbstsüchtiger, eingebildeter Mob, sondern das Volk Gottes, „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das Sein besonders Eigentum wurde“ (1 Petr. 2: 9).  Jawohl, auch Laien tragen das priesterliche Siegel des Heiligen Geistes, denn sie sind es ja, die den Leib Christi ausmachen, dem der Heilige Geist innewohnt. Das nur als Ansatzpunkt für unsere weiteren Reflektionen.

 

Und jetzt die Frage, die uns unter den Nägeln brennt: Können wir, schwache und sündige Menschen auch ganz individuell tatsächlich den Geist Christi in uns haben? - Wir können! „Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, Der in euch wohnt und Den ihr von Gott habt?“  (1 Kor. 6: 19).  Wir sind durch das Mysterium der Myronsalbung mit dem Geist Gottes gesalbt, und „die Salbung, die ihr von Ihm erhalten habt, bleibt in euch, und ihr braucht euch von niemand belehren zu lassen. Alles, was Seine Salbung euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Bleibt in Ihm, wie es Seine Salbung gelehrt hat“ (1 Joh. 2: 27). Voraussetzung ist und bleibt aber die reale innere und äußere Einheit mit dem Leib Christi (s. Joh. 15: 1-8).

 

Und jetzt weiter im Diskurs über das Leben entsprechend dem Geist Christi. Warum ist fleischliches Denken so Verderben bringend? - Wir sehen es anschaulich anhand von solchen Gläubigen, die nur an Irdisches denken. Sie stellen dutzende von Kerzen auf, bitten den Priester um Gebete, geben ganze DIN-A-4-Blätter voll mit Namen ihrer Verwandten in den Altar, tragen literweise Weihwasser nach Hause. All das zeugt von Herzlichkeit, Güte, Empathie und Fürsorglichkeit bei ihnen; was aber fehlt ist die Sorge um „das einzig Notwendige“ (s. Lk. 10: 42) - das Seelenheil. Nur dafür aber ist Gott Mensch geworden, und nur dafür hat Er Seine Kirche gegründet (s. Mt. 6: 33). Bei aller Inbrunst bleiben nach dem Fleisch lebende Menschen in ihrem Denken ausschließlich auf das irdische Dasein fixiert und vergessen: „Das Trachten des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott; es unterwirft sich nicht dem Gesetz Gottes und kann es auch nicht“ (Röm. 8: 7). Der Urheber dieser Worte weiß doch, wovon er spricht, denn ihm wurde die Gabe der Unterscheidung der Geister in besonderem Maße zuteil (s. Apg. 16: 18), so dass er imstande war, die Geister zu prüfen, „ob sie aus Gott sind“ (1 Joh. 4: 1).

 

Für die Gesamtheit der Kirche ist die nun gemachte Feststellung insofern wichtig, als dass wir alle erkennen, dass weltliches Denken (mehr „Rechte“ für wen auch immer, Anpassung an den Zeigeist, „Schritthalten“ mit der gesellschaftlichen Entwicklung etc.), sofern es jeglicher geistlicher Ausrichtung entbehrt, in der Kirche nicht angebracht ist. Es ist geradezu absurd, wie manche Repräsentanten politischer Parteien und gesellschaftlicher Verbände weltweit danach trachten, auf die christlichen Kirchen Einfluß zu nehmen. Wieder einmal bewahrheiten sich die Worte der Heiligen Schrift: „Sie sind aus der Welt; deshalb sprechen sie, wie die Welt spricht, und die Welt hört auf sie. Wir aber sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums“  (1 Joh. 4: 6). Einen eindeutigeren Nachweis der Schrift für die Autorität der von Christus gegründeten Kirche und deren Berufung zur Standhaftigkeit kann man sich nur schwerlich vorstellen. Das ist nämlich die „Kirche des lebendigen Gottes, die die Säule und das Fundament der Wahrheit ist“ (1 Tim. 3: 15), „und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (s. Mt. 16: 18).

 

Desgleichen verdeutlicht uns die heutige Epistellesung anhand des Beispiels Mose, dass der Geist Gottes immer im Widerspruch zum Geist dieser Welt steht: „Aufgrund des Glaubens weigerte sich Mose, als er herangewachsen war, Sohn einer Tochter des Pharao genannt zu werden; lieber wollte er sich zusammen mit dem Volk Gottes misshandeln lassen, als flüchtigen Genuss von der Sünde zu haben; er hielt die Schmach des Messias für einen größeren Reichtum, als die Schätze Ägyptens; denn er dachte an den künftigen Lohn“ (Hebr. 11: 24-26).  Schon eineinhalb Jahrtausende vor der Geburt des Messias bezeugte somit dieser Prophet durch sein vom Glauben bestimmtes Handeln, was alle wahren Nachfolger des Messias gemäß den Worten des Herrn erwartet: „Die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch Ich nicht von der Welt bin“ (Joh. 17: 14).

 

Von diesem Geist der Wahrheit müssen wir also erfüllt sein. Wir sind freilich noch in der Welt“ (Joh. 17: 11), aber wir dürfen „nicht von der Welt“ (17: 16) sein. In der Welt sein bedeutet für die Nachfolger Christi, wie die heutige Epistellesung veranschaulicht, etlichen Prüfungen, Anfechtungen, Versuchungen, Verfolgungen, Entbehrungen, Leid und Not ausgesetzt zu sein (s. Hebr. 11: 32-40). Äußere komfortable und unverbindliche Attribute des Glaubens allein (z.B. dem für dieses oder jenes Problem „zuständigen“ Heiligen eine Kerze anzünden) helfen in der Regel nicht, - von einigen seltenen Wundern einmal abgesehen, - von besagten Widrigkeiten verschont zu werden. Aber die Gnade Christi „erweist ihre Kraft in der Schwachheit“ (2 Kor. 12: 9). Und diese Widrigkeiten des irdischen Lebens geben uns als Kirche sowie jedem von uns  persönlich die Möglichkeit, den Geist Christi in uns wirksam werden zu lassen.

 

Und das funktioniert in der Realität so:

 

- ohne den Geist Christi verzweifle ich, wenn Krankheit oder Unglück mein irdisches Dasein erschüttern („Warum gerade ich?!“); mit dem Geist Christi habe ich die Kraft, Gott voller Zuversicht mein Vertrauen zu schenken und darin mein Glück zu finden.

- ohne den Geist Christi sehe ich um mich herum nur Feinde, die mir Übles wollen; mit dem Geist Christi finde die Kraft, meine Mitmenschen als Brüder und Schwestern, als Kinder unseres Himmlischen Vaters anzusehen, und als erster auf die anderen zuzugehen, um dann gemeinsam mit ganzer Kraft den Weg der Versöhnung zu beschreiten.

ohne den Geist Christi ärgere ich mich über eigene Misserfolge, vermute jedesmal ein Komplott gegen mich, neide anderen ihr Wohlergehen; mit dem Geist Christi freue ich mich aufrichtig darüber, dass statt mir ein anderer das bekommen hat, was ich erfolglos angestrebt hatte.

- ohne den Geist Christi echauffiere ich mich über Niederlagen meines Lieblingsclubs; mit dem Geist Christi würde mich Nebensächliches nicht aus der Fassung bringen.

- ohne den Geist Christi hege ich Rachegelüste gegen die, welche mir Böses getan haben; mit dem Geist Christi vertreibe ich diesen Dämon aus meinem Herzen und erfreue mich an der für mich ergreifenden Erkenntnis, dass durch die Kraft der Vergebung Frieden in meinem Herzen eingekehrt ist.

- ohne den Geist Christi sehe ich alles nur von der negativen Seite; mit dem Geist Christi ist das Glas immer halbvoll für mich.

- ohne den Geist Christi sehe ich die Schwächen der anderen; mit dem Geist Christi betrachte ich mich selbst als den letzten Sünder, und verzweifle trotzdem nicht, denn nur so spüre ich die Anwesenheit des Herrn.

- ohne den Geist Christi fehlt mir immer etwas, um glücklich zu sein, auch wenn ich Reichtum, Gesundheit und Macht habe; mit dem Geist Christi bin ich selbst als mittelloser und pockennarbiger Krüppel voll des Dankes für alles, denn ich erkenne den wahren Sinn dieses zeitlichen Lebens.

- ohne den Geist Christi wächst mein Forderungskatalog, mein außerweihnachtlicher Ganzjahres-Wunschzettel schier ins Unermessliche; mit dem Geist Christi sage ich nur in meinem Herzen: „Herr, es geschehe, wie Du es willst!“.

- ohne den Geist Christi klammert sich mein Gedächtnis fest an Unrecht, das mir vor Jahren und Jahrzehnten zugefügt wurde; mit dem Geist Christi kommen plötzlich wie aus dem Nichts Erinnerungen an die von mir selbst in der frühen und späten Jugend begangenen Gemeinheiten zurück.

- ohne den Geist Christi suche ich Hoffnung und Trost bei Menschen und Institutionen; mit dem Geist Christi erkenne ich, dass Weltreiche zugrunde gehen, dass Weltherrscher höchstens durch Mumifizierung dem ungezügelten Appetit der Würmer entgehen können und dass die Mächtigen dieser Welt dereinst gemeinsam mit mir vor dem unbestechlichen Richter stehen werden, wo wir alle zusammen Rechenschaft über unser irdisches Leben ablegen werden.

- ohne den Geist Christi bin ich offen und empfänglich für alles Neue und Moderne, bin tolerant gegenüber alternativen Lebensformen; mit dem Geist Christi bin ich offen und empfänglich für alles Neue und Moderne - und lächele mitunter dabei. Dazu bin ich als gesetzestreuer Bürger tolerant gegenüber alternativen Lebensformen, trage aber immer meinen eigenen Wertekompass in der linken Brusttasche.

- ohne den Geist Christi ballt sich meine Faust in der Jackentasche, wenn ich Perücke tragende männliche Gestalten mit Lippenstift und Ohrringen sehe, die mir und anderen mit mezzosopraner Stimme erklären, was Freiheit der Andersdenkenden bedeutet; mit dem Geist Christi erkenne ich aber, dass solche Menschen auch ein gutes Herz haben können, so dass der Samen des Wortes Gottes auch bei ihnen auf fruchtbaren Boden fallen könnte (s. Mt. 13: 1-9; Mk. 4: 1-9; Lk. 8: 4-8).

- ohne den Geist Christi sehne ich mich in Anbetracht der gesellschaftlichen Entwicklung nach „der guten alten Zeit“ zurück, die wir besonders in der Griechischen, Russischen, Serbischen oder Bulgarischen Kirche wie in einem Archäologischen Museum gleichsam konservieren wollen; mit dem Geist Christi fange ich langsam an zu begreifen, dass wir inzwischen die „Andersdenkenden“ sind, dass aber unsere Kirche in der Historie immer dann auch zu äußerer Blüte gelangte, wenn nach menschlichem Ermessen ihr Ende nahe schien.

- ohne den Geist Christi würde ich am liebsten andere ihrer Freiheit berauben; mit dem Geist Christi gehe ich lieber meiner eigenen äußeren Freiheiten verlustig, um mir die innere Freiheit Christi zu bewahren und dadurch wie unzählige Bekenner und Martyrer schon in diesem Leben die Seligkeit zu erlangen (s. Hebr. 11: 35).

- ohne den Geist Christi bringt mich der Hype um „Pussy Riot“ zur Weißglut; mit dem Geist Christi frohlocke ich bei dem Gedanken, dass neben dem unschuldig inhaftierten Erzbischof Jovan in Mazedonien weltweit konfessionsübergreifend hunderttausende von christlichen Bekennern und Martyrern überwiegend in muslimischen Ländern die Wahrheit des Evangeliums bezeugen, selbst wenn dies den Medienvertretern in ehemals christlichen Ländern keine Randnotiz in ihrer Berichterstattung wert ist.

- ohne den Geist Christi lässt mich die galoppiernde Islamisierung unseres Kontinents erschaudern; mit dem Geist Christi nehme ich mir ein Beispiel am heiligen Seraphim von Vyritsa (+1949), der Gott für alles demütig gedankt hat und nur mit dem einen Umstand nicht klarkommen konnte, warum nämlich ausgerechnet er, ein Ex-Kapitalist und Pope niemals Arrest oder Verbannung um Christi willen erdulden durfte.

- ohne den Geist Christi bin ich ein Affe, dessen Vorfahren irgendwann einmal den aufrechten Gang erlernt haben und dessen gegenwärtige Artgenossen nun dieselben Bäume im Regenwald abholzen, auf denen ihre Vorfahren früher gelebt haben; mit dem Geist Christi bin ich Abbild des Schöpfers, des vortrefflichen Künstlers, Der alle meine Mitmenschen mit einer solchen inneren Schönheit ausgestattet hat, dass Er es niemals akzeptieren wird, dass sie sich durch ihre Sünden selbst dieser Würde berauben wollen (s. Lk. 15: 22).

- ohne den Geist Christi bin ich in der Kirche eine „Fliege“, die in einem wunderschönen Garten mit duftenden Blumen nur den einen Hundehaufen am Beetrand bemerkt; mit dem Geist Christi bin ich in der Kirche eine „Biene“, die sogar beim Überfliegen eines Misthaufens einzig und allein ein dorthin achtlos entsorgtes Bonbon entdeckt.

- ohne den Geist Christi bin ich aufmüpfig gegenüber meinen Vorgesetzten; mit dem Geist Christi bin ich ihnen treu ergeben und entbiete ihnen meine aufrichtige Hochachtung.

- ohne den Geist Christi nerven mich meine Untergebenen und Schutzbefohlenen; mit dem Geist Christi diene ich ihnen von ganzem Herzen und stoße dabei zunehmend bisher ungeahnte Glückshormone aus.

- ohne den Geist Christi unterscheide ich meine Gemeindeglieder nach Nationalität, sozialer Herkunft, Aussehen, Geschlecht und Bildungsniveau; mit dem Geist Christi gibt es unter uns „nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau“, denn wir alle sind „einer in Christus Jesus“ (Gal. 3: 28).

- ohne den Geist Christi sehe ich nur Mißstände, Unrecht und Leid in dieser Welt; mit dem Geist Christi habe ich die untrügliche Hoffnung auf eine andere, bessere Welt, die ich schon jetzt in meinem Inneren in Umrissen zu erkennen vermag (s. 1 Kor. 13: 12).

- ohne den Geist Christi werden kreischende Kinder in der schlecht beheizten Kirche vor den Augen ihrer grenzhysterischen Mütter und präinfarktären Großmütter von einem seltsam bekleideten bärtigen Mann ins (nicht immer warme) Wasser getaucht, damit sie von nun an immer gesund, erfolgreich, glücklich und wohlbehütet sein mögen; mit dem Geist Christi werden sie zu Teilhabern Seines Todes und Seiner Auferstehung (s. Röm. 6: 5).

- ohne den Geist Christi versteht die zahlreich erschienene Taufgesellschaft nicht wirklich, weshalb im Anschluss daran noch eine Salbung mit wohlriechendem Öl erfolgt; mit dem Geist Christi werden an Christus Glaubende zu Empfängern eben dieses Geistes.

- ohne den Geist Christi ist die Eucharistie ein Erinnerungsritual an das Abschiedsessen des Herrn; mit dem Geist Christi werden wir schon auf Erden zu Teilhabern des Himmlischen Reiches (s. Mt 26: 29).

- ohne den Geist Christi sind Begräbnisfeiern voller Tränen und Verzweiflung; mit dem Geist Christi überwiegt die freudvolle Hoffnung der Auferstehung über den irdischen Schmerz.

- ohne den Geist Christi bricht beim Tod eines lieben Menschen die Welt zusammen; mit dem Geist Christi beginnt hierdurch der Übergang zur seligen Ewigkeit.

- ohne den Geist Christi ist die Bibel für mich ein korsettartiges Regelwerk, das ich „auf natürliche Weise“ zu befolgen suche, anstatt „aufgrund der Verheißung“ (s. Gal. 4: 21-31); mit dem Geist Christi ist die Heilige Schrift für mich wichtigste Orientierunghilfe in meinem Bestreben, ungezwungen aber verantwortungsbewusst zu „dienen in der neuen Wirklichkeit des Geistes, nicht mehr in der alten des Buchstabens“ (Röm. 7: 6).

- ohne den Geist Christi wäre ich nie geboren; mit dem Geist Christi überlebte ein 22-jähriger russischer KZ-Häftling als einer von wenigen im Frühjahr 1945 den Todesmarsch von Buchenwald nach Dachau.

- ohne den Geist Christi ist mir Angst und Bange vor der Zukunft; mit dem Geist Christi werde ich auch im größten Leid „auf Jesus blicken, den Vollender und Urheber des Glaubens; Er hat angesichts der vor Ihm liegenden Freude das Kreuz auf Sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und Sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt“ (Hebr. 12: 2).

- ohne den Geist Christi bin ich stets darauf erpicht, andere um jeden Preis von der Richtigkeit meines Standpunktes zu überzeugen; mit dem Geist Christi vertraue ich felsenfest auf Gottes Ratschluss bezüglich eines jeden von uns, respektiere den freien Willen der Menschen und sage nur: „Komm und sieh!“

Amen.

Jahr:
2013
Orignalsprache:
Deutsch

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