Die Orthodoxe Einstellung zu Schlaf und Traum - Teil 1
In diesem Artikel analysiert Diakon George Maximov die Einstellung zu Schlaf und Traum in der Heiligen Schrift und in den Werken der heiligen Väter.
In der Heiligen Schrift wird der Schlafzustand erwähnt als etwas, was dem Menschen natürlich sei. Die erste Erwähnung findet sich in der Erzählung über die Zeit vor dem Sündenfall: bevor der Herr Eva aus Adams Rippe erschuf, hatte er „einen tiefen Schlaf auf ihn fallen lassen“ (s. Gen 2,21).
Über den guten Schlaf steht folgendes geschrieben: „Nun gibt es seit Urzeiten her eine köstliche Wohltat, die bei Tag und Nacht durch den gnädigen Spender allen, denen er will, zuteil wird, der Schlaf, und von diesem sandte er ein gut Teil dem König“ (3 Makk 5,11). Die Schlafqualität wird vom Leben des Menschen beeinflusst: „Der Schlaf des Arbeiters ist süß, mag er wenig oder viel essen; aber der Überfluss des Reichen lässt ihn nicht schlafen“ (Koh 5,11); und an anderer Stelle steht: „Gesunden Schlaf hat einer, der den Magen nicht überlädt “ (Sir 31, 20).
Es gibt Hinweise darauf, dass Gott den menschlichen Schlaf so wie auch sein Fehlen gezielt einsetzt. So war „Schlaf von den Herrn“ auf Saul und all seine Gefährten gefallen, damit David aus der Umzingelung entschlüpfen konnte (1 Sam 26,12). Und umgekehrt – um König Artaxerxes die Wohltat des gerechten Mordokai einfallen zu lassen, ließ der Herr ihn nicht einschlafen (Est 6,1).
Was Träume betrifft, so steht über sie geschrieben: „Träume kommen durch viel Geschäftigkeit“ (Koh 5,2) und „bei vielen Träumen und Worten sind auch viele Eitelkeiten“ (Koh 5,6). Das bezieht sich auf normale, alltägliche Träume.
Doch gibt es in der Schrift auch Hinweise darauf, dass Gott manchmal seinen Willen oder eine Warnung vor zukünftigen Ereignissen an den Menschen auf diese oder jene Weise im Schlaf bzw. durch einen Traum verkündet.
So sprach der Herr zu Abraham, während dieser schlief (s. Gen 15,12), und zum heidnischen König Abimelech (s. Gen 20,3–6). Auch Patriarch Jakob hatte eine Vision im Schlaf (s. Gen 28,12). Mittels eines Traums brache Gott Laban zur Vernunft (s. Gen 31,24). Als Patriarch Josef jung war, erlebte er einen Wahrtraum (s. Gen 37,6–9), in Ägypten deutete er auch die Wahrträume des Obersten der Schenken und des Obersten der Bäcker (s. Gen 40) und später auch des Pharaos (s. Gen 41,15–32). Um Gideons willen wurde einem Krieger aus dem Heer Midians ein Wahrtraum gesandt (s. Ri 7,13). „Zu Gibeon erschien Jahwe dem Salomo in einem Träume“ (1 Kön 3,5). Prophet Daniel deutete einen Wahrtraum von Nebukadnezar (s. Dan 2) und hatte auch selbst im Traum „prophetische Visionen“ (Dan 7,1).
Diese Fälle liefern Beispiele sowohl dafür, wie der Herr im Traum direkt zu den Menschen spricht, als auch dafür, wie der Mensch eine Offenbarung durch eine Vision erhält, die in der Regel einer Deutung bedarf. Solche Träume von Gott sahen sowohl Gerechte als auch Sünder und sogar Heiden, sowohl Könige und Propheten als auch einfache Menschen. Diese Träume könnten sogar weniger als Ausnahmen denn als Regel betrachtet werden: „Im Traume, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt (…) dann öffnet er das Ohr der Menschen und besiegelt die Unterweisung, die er ihnen gibt, um den Menschen von seinem Tun abzuwenden, und auf dass er Übermut vor dem Manne verberge; dass er seine Seele zurückhalte von der Grube, und sein Leben vom Rennen ins Geschoß“ (Hiob 33,15–18).
Am bedeutendsten war dies für den prophetischen Dienst: „Wenn ein Prophet unter euch ist, dem will ich, Jahwe, in einem Gesicht mich kundtun, in einem Traume will ich mit ihm reden“ (Num 12,6). Während ein einfacher Mensch Wahrträume hat, die in der Regel nur sein Schicksal betreffen, erhält der Prophet Offenbarungen über das Schicksal des ganzen Volkes und sogar der ganzen Menschheit.
Auch im Neuen Testament sehen wir, dass der Herr Menschen durch Träume unterweist. Zweimal erschien Josef im Traum ein Engel, der ihm den Willen Gottes verkündete. Im Traum wurden die Drei Könige vor der Rückkehr an Herodes gewarnt. Schließlich hatte auch die Ehefrau des Pilatus einen Alptraum, während ihr Mann Jesus Christus richtete. Dieser Traum wurde ihr als Zeichen der Gerechtigkeit Jesu gesandt. Sie sagte zu Pilatus: „Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten; denn viel habe ich heute im Traum gelitten um seinetwillen“ (Mt 27,19).
Prophet Joel sagt vorher: „Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen“ (Joel 3,1). In seiner Predigt am Pfingsttag bezeugte Apostel Petrus, dass diese Prophezeiung sich in der neutestamentlichen Kirche erfüllte, welche die apostolische Frohe Botschaft an alle Völker richtete: „Männer von Judäa, und ihr alle, die ihr zu Jerusalem wohnet!.. Dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist: ‚Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geiste ausgießen werde auf alles Fleisch (…) und eure Jünglinge werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume haben“ (Apg 2,14 u. 2, 16-17).
Doch bedeutet das keineswegs, dass jeder menschliche Traum ein Wahrtraum wäre. In der Schrift werden häufig trügerische Träume erwähnt und berichtet, wie verderblich es ist, ihnen zu vertrauen und sie als Offenbarungen anzusehen: „Die Wahrsager haben Lüge geschaut; und sie reden Träume des Truges, trösten mit Dunst“ (Sach 10,2). „Die Propheten des Truges ihres Herzens, welche gedenken, meinen Namen bei meinem Volke in Vergessenheit zu bringen durch ihre Träume, die sie einer dem anderen erzählen “(Jer 23,26-27). “Siehe, ich will an die, spricht Jahwe, welche Lügenträume weissagen und sie erzählen und mein Volk irreführen mit ihrer Prahlerei; da ich sie doch nicht gesandt und sie nicht entboten habe, und sie diesem Volke gar nichts nützen, spricht Jahwe“ (Jer 23,32). „Lasst euch von euren Propheten, die in eurer Mitte sind, und von euren Wahrsagern nicht täuschen; und höret nicht auf eure Träume, die ihr euch träumen lasset“ (Jer 29,8).
In den Werken der heiligen Kirchenväter wird dem Schlafzustand und dem Traumphänomen noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet.
Der Schlafzustand
Die Bedeutung des Schlafes
Der selige Augustinus beschreibt den Schlafzustand wie folgt: „Das, was den Schlaf hervorbringt, entsteht aus dem Leib und wirkt im Leibe. Der Schlaf macht die leiblichen Sinne sinnlos und beschirmt sie gewissermaßen. Was die Seele betrifft, gibt sie sich dieser Veränderung gerne hin, denn diese Veränderung, die die leiblichen Kräfte nach der Arbeit wiederherstellt, geschieht nach dem Naturgesetz (…) der Schlaf als leibliche Veränderung könnte der Seele die Fähigkeit, den Leib zu benutzen, wegnehmen, aber nicht ihr eigenes Leben“[1].
Der selige Theodoret von Kyrrhos weist auf die vorsehende Bedeutung des Schlafs als Erholung für die Leibe von arbeitenden Menschen hin: „Die Vorsehung Gottes (…) gab (…) den süßen und langen Schlaf, der den ermüdeten Leib erholen und ihn für die Arbeit des nächsten Tages noch stärker machen kann. Deshalb schaue nicht nur die Mühe an, sondern mache dich auch auf den Trost nach der Arbeit aufmerksam und preise den All-Herrscher für alles“[2].
Der heilige Erleuchter Gregor von Nyssa betrachtet den Schlafzustand als natürliches Ereignis, bedingt durch die Veränderlichkeit, die ein gewisses Attribut des irdischen Lebens sei: „Der Schlaf lockerte das, was im Wachzustand gespannt gewesen war; danach brachte der Wachzustand das, was gelockert war, in Spannung. Keiner dieser Zustände dauert zusammen mit dem anderen pausenlos an, sondern die beiden wechseln sich gegenseitig ab, und so, durch diese Abwechslungen, erneuert sich das Wesen (…). Rechtzeitiges und mäßiges Verbleiben in beiden Zuständen gibt dem Wesen die Selbsterhaltungskraft (…). Die rechtzeitige Erholung ist für die leibliche Beschaffenheit notwendig, damit das Essen sich über den ganzen Leib durch die dafür bestimmten Wege verteilt, wobei dieser Übergang durch keine Spannung verhindert wird“[3].
Die heiligen Väter machten darauf aufmerksam, dass der fleischgewordene Herr Jesus Christus auch geschlafen hatte. Nach dem seligen Theodoret von Kyrrhos „sprechen Hunger, Durst und dazu auch noch Schlaf dafür, dass der Leib des Herrn ein menschlicher Leib war.“[4] Der heilige Erleuchter Gregor der Theologe erklärt, dass der Herr „manchmal auch schläft, um auch den Schlaf zu segnen, manchmal strengt ER sich in Arbeit an, um die Arbeit zu heiligen, manchmal weint ER auch, um auch die Tränen löblich zu machen.“[5]
Auch der heilige Johannes Klimakos geht auf den Schlafzustand, dem normale Menschen anheimfallen, ein und weist darauf hin, dass er den Menschen aus verschiedenen Gründen befallen mag: „Der Schlaf ist eine gewisse Eigenschaft der Natur, ein Bild des Todes, Stillstand der Sinne. Der Schlaf an sich ist immer derselbe; doch hat er, so wie auch die Lust, vielerlei Gründe: er kommt durch die menschliche Natur, durch Essen, durch Dämonen zustande, oder auch eventuell durch übermäßiges und langes Fasten, wenn das erschöpfte Fleisch sich durch Schlafen stärken will.“[6]
Schlaf als Metapher
Die Heiligen Väter benutzten den Schlaf häufig als Metapher für etwas Flüchtiges, Instabiles und Unwirkliches. Sehr viele von ihnen verglichen das jetzige Leben mit einem Schlaf. Als Beispiel könnte ein Zitat des hl. Mönches Ephraim Syrer angeführt werden: „So wie der Schlaf die Seele mit Illusionen und Träumen verführt, so eben verführt die Welt durch ihre Vergnügen und Güter. Betrügerisch ist manchmal der Nachtschlaf; es bereichert dich mit von dir gefundenen Schätzen, macht dich zum Herrscher, vergibt dir höchste Ämter, bekleidet dich mit pompösen Gewänden, erfüllt dich mit Stolz und Arroganz und zeigt dir Menschen kommen und dich verehren. Doch dann ist die Nacht vorbei, der Traum ist fort – du bist wieder wach und alle Illusionen, die du im Schlaf hattest, waren nur Lug und Trug. Ebenso betrügt dich auch die Welt durch ihre Güter und Schätze – sie gehen als Nachtraum vorbei und werden zu nichts. Der Leib schläft im Tode ein, die Seele aber wird wach, erinnert sich an ihre Träume in dieser Welt, schämt sich für sie und errötet.“[7]
Bemerkenswert ist auch eine weitere Metapher, weniger verbreitet, aber nicht weniger lebendig. Der selige Augustinus verglich seine Bekehrung zum Glauben mit einem Erwachen: „So lag die Last der Welt, wie auf einem Schlafenden, sanft auf mir, und die Gedanken, welche ich sinnend auf dich richtete, glichen den Anstrengungen derer, die aufstehen wollen, aber von der Tiefe, des Schlafes überwältigt wieder zurücksinken. Und wie es keinen Menschen gibt, der immer schlafen will, und nach aller gesundem Urteil das Wachen besser ist, dessen ungeachtet es aber der Mensch oft verschiebt, den Schlaf abzuschütteln, wenn er in seinen Gliedern eine große Schwere empfindet, und um so lieber den Schlaf genießt, den er abschütteln möchte, da die Stunde des Aufstehens herangekommen ist – so war ich gewiss, es sei besser, mich deiner Liebe hinzugeben als meiner Lust nachzugeben; aber jene gefiel mir und überwand mich, diese gelüstete mich und band mich. Nichts hatte ich dir zu erwidern, mein Gott, wenn du zu mir sprachst: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird Christus dich erleuchten“[8]
Diese Metapher spiegelt die Einstellung, dass Träume nicht vertrauenswürdig sind und man sich nicht nach ihnen richten sollte. Auch der Schlaf wird als etwas angesehen, was man nicht übermäßig genießen sollte.
Die asketische Einstellung zum Schlafen
Barsanuphius der Große beschreibt die Gefahren durch Schlafen wie folgt: „Es gibt zwei Arten von Schlaf: manchmal wird der Leib durch Völlerei belastet, manchmal vermag der Mensch seinen Dienst auch aus Kraftlosigkeit nicht zu erfüllen und wird vom Schlaf übermannt; nach der Völlerei folgt ja der Kampf gegen die Unzucht, denn [der Feind] beschwert den Leib durch Schlaf , um ihn zu schänden.“[9]
Der hl. Mönch Johannes Cassianus nennt zweierlei Arten von Schäden, die der Mönch durch Schlaf erleiden kann: „Der Teufel, der die Reinheit hasst (…), bemüht sich, uns während der Ruhe zu schänden und in Verzweiflung zu versetzen, insbesondere nachdem wir vor Gott gebeichtet haben (…), und manchmal gelingt es ihm auch, denjenigen, den er die ganze Nacht hindurch nicht versehren konnte, während einer kurzen Stunde des Schlafs doch noch zu versehren. Zweitens (…) kann auch der reine Schlaf ohne gefährliche Träume einen Mönch, der früh aufstehen soll, lähmen; er erzeugt eine faule Laschheit in der Seele, schwächt die Munterkeit für den ganzen Tag ab, trocknet das Herz aus und stumpft den Scharfblick des Verstands ab; all das macht uns für den ganzen Tag anfälliger für die Afterreden des Feindes.“[10]
Der heilige Johannes Klimakos schreibt darüber, wie Dämonen den Schlaf als Mittel des Kampfes gegen den Asketen benutzen: „Wenn die Brüder sich auf den Klang der Trompete oder einer Glocke versammeln, gesellen sich die spirituellen Feinde unsichtbar dazu. Nachdem wir aufgestanden sind, treten sie ans Bett heran und bringen uns dazu, uns wieder hinzulegen, indem sie uns ins Ohr flüstern: „Warte, bis die Anfangshymnen zu Ende sind, dann gehst du in die Kirche.“ Andere, die im Gebet sind, versetzen sie in Schlaf[11]; „ein ungeübter Mönch ist beim Gespräch munter; wenn aber die Stunde des Gebets kommt, dann sind seine Augen mit Schaf beschwert. Ein müßiggängerischer Mönch ist in Weitschweifigkeit geübt; wenn aber die Zeit der Lektüre kommt, kann er vor Schläfrigkeit nicht gucken.“[12]
Über den Schaden der Vielschläferei sagt der heilige Vater folgendes: „Das wachsame Auge reinigt der Verstand, langes Schlafen verbittert aber die Seele. Ein munterer Mönch ist Feind der Unzucht, während ein schläfriger sein eigener Feind ist. Wachen ist Erlöschen der leiblichen Erregung und Befreiung von Träumen (…). Übermäßiges Schlafen ist die Ursache der Vergessenheit; Wachsamkeit aber bereinigt das Gedächtnis. Langes Schlafen ist der ungerechte Lebensgefährte, der den Faulen die Hälfte des Lebens oder noch mehr entführt.“[13]
Der hl. MönchPaisios (Welitschkowski) schreibt, dass Schlafen die Faulheit, die Schwermut, die Verzweiflung „und viele andere Leidenschaften“ auslöst. „Schlafen ist ein großes Desaster; so wie die Finsternis die Sonne bedeckt, so bedeckt langes Schlafen die kontemplative Kraft des Verstandes. Wie mit einem Vorhang bedeckt er den Verstand mit Vergessen, so dass dieser dadurch gefühllos gegenüber all dem Guten und Spirituellen, so wie auch vergesslich wird (…). So wie Dämonen den Verstand mit Finsternis betrüben und so wie man mit Wasser das Feuer löscht, so überwältigen sie den Menschen durch den Schlummer und den Schlaf, um die Möglichkeit zu haben, der Seele alle guten Taten abzunehmen und sie in Leidenschaften zu versetzen.“[14]
Unter Berücksichtigung dieser durch das übermäßige Schlafen entstehenden Gefahren ist es kein Wunder, dass die heiligen Väter dem Kampf dagegen viel Aufmerksamkeit widmeten. Dieser Kampf gehörte zu einer der ersten asketischen Taten eines Novizen. Der hl. Mönch Johannes Klimakos schreibt: „So wie zuviel zu trinken eine Gewöhnungssache ist, ist es eben auch zuviel zu schlafen. Deshalb eben sollen wir, insbesondere am Anfang unserer Askese (Podwig), uns im Kampf gegen das Schlafen üben, denn es ist schwer, diese Gewohnheit zu heilen.“[15] Der heilige Paisios sagt dazu: „so wie viel essen und viel trinken zur Gewohnheit werden (…) eben so auch schlafen: wird jemand schwach und kämpft nicht gegen den Schlaf, sondern will schlafen, bis er ausgeschlafen wird, dann verlangt auch die Natur viel Schlaf (…). Wenn aber jemand sich angewöhnt, wenig zu schlafen, dann bittet auch die Natur weniger darum (…). Die besten Hilfsmittel gegen den Schlaf sind folgende vier Tugenden: Enthaltsamkeit, Nüchternheit, Jesusgebet und Gedenken des Todes – diese Tugenden werden als wachsamer und nüchterner Wächter bezeichnet (…). Setze dich nie ohne Buch oder Handarbeit hin – nicht weil die Handarbeit nötig ist, sondern um dem Schlaf einen Widerstand entgegenzusetzen (…). Das Ausmaß des Schlafes am Tag ist folgendes: für Neueinsteiger sieben Stunden, für die Mittelstufe vier, für die Vollkommenen zwei Stunden und die Vigil.“[16]
Die heiligen Väter gaben auch konkrete Ratschläge, wie der Asket sich täglich auf das Schlafen vorbereiten soll, um währenddessen keinen Schaden zu erleiden. Der heilige Antonios der Große empfiehlt: „Wenn du dich auf dein Lager hinlegst, erinnere dich mit Dankbarkeit an die Wohltaten und die Vorsehung Gottes. Dann (…) würde der Schlaf deines Leibes zur Nüchternheit der Seele, das Schließen deiner Augen zur wahren Vision Gottes, und dein Schweigen, vom Wohlgefühl erfüllt, würde mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Kraft Gott von allem und jedem die Ehre erweisen.“[17]
Auch der heilige Mönch Nilus von Sora empfiehlt, bei der Schlafvorbereitung auch auf die Körperlage zu achten: „Vor allem sollte man während des Schlafens auf sich aufpassen, fromm bleiben, seine Gedanken in sich sammeln und seine Körperglieder sittlich platzieren, denn dieser kurzfristige Schlaf ist ein Bild des ewigen Schlafs, also des Todes, und unser Liegen auf dem Bett muss uns an unsere Lage im Sarg erinnern. Und bei alledem muss man Gott immer vor Augen haben. (…) Derjenige, der sich so verhält, ist immer im Gebet.“[18]
Wie soll der Mönch gegen die unnötige Schläfrigkeit ankämpfen? Der heilige Mönch Barsanuphius gibt dazu folgenden Ratschlag: „Nach jedem Lied [des Kanons] spreche je drei Psalmen und mache eine Proskynese, dann wird der Schlaf dich nicht beherrschen, und dein Unvermögen wird verschwinden. So solltest du es jede Nacht tun.“[19]
Diese asketischen Vorschriften beziehen sich nicht nur auf Mönche, sondern sind im Allgemeinen auch für Laien vom Nutzen. Das folgt erstens daraus, dass manche der obigen Prinzipien der Einstellung zum Schlafen sich in der Morgen- und Abendgebetsregel widerspiegeln, die jeder Orthodoxe liest.
So bittet der Gläubige im ersten Abendgebet vor dem Schlaf (dessen Autor der heilige Mönch Makarios der Große ist): „ Gewähre mir, Herr, einen friedlichen Schlaf in dieser Nacht“, und im vierten Gebet (auch von diesem Heiligen) sagt er: „O Herr, geruhe, mich aus den Fallstricken des Bösen zu erretten (…) und lass mich jetzt ungerichtet einschlafen ohne leere Träume; bewahre die Gedanken Deines Knechts vor jeder Verwirrung und halte fern von mir alles Wirken des Teufels (…), dass ich nicht in den Tod entschlafe. Sende mir den Engel des Friedens (…), dass er mich von meinen Feinden erlöse; und dass ich, vom Lager aufgestanden, Dir Dankgebete darbringen kann“. Im Gebet des heiligen Mönches Johannes von Damaskus erinnert sich der Betende an den Tod: „Menschenliebender Gebieter! Soll mir dieses Nachtlager etwa zum Grab werden (…)? Siehe, das Grab steht vor mir; siehe, der Tod steht mir bevor“. Nach dem Wachwerden dankt der Christ im sechsten Morgengebet ( dessen Autor der heilige Mönch Basilios der Große ist) Gott, der „uns Schlaf zur Linderung unserer Schwachheit und Entspannung von den Mühen des vielfach geplagten Fleisches gab (…)“.
Über die Wichtigkeit der asketischen Einstellung zum Schlafen schrieben auch einige Heilige direkt. So schreibt der heilige Erleuchter Ambrosius von Mailand demjenigen, der seine Sünden büßen möchte, vor, „weniger als die Natur verlangt zu schlafen, das Schlafen mit Seufzern zu unterbrechen und es mit Beten abzuwechseln“[20]. Auch der heilige Johannes von Kronstadt merkt an: „Wer lange schläft, dem werden die spirituellen Interessen fremd, das Beten fällt ihm schwer und es geschieht nur noch äußerlich und nicht von Herzen, während die fleischlichen Interessen in den Vordergrund treten (…). Zu viel Schlafen ist schädlich, es lähmt sowohl die Seele als auch den Leib.“[21]
Jedoch sollte man im Kampf gegen zu viel Schlaf auch vernünftig und mäßig vorgehen, da der Verfall in das andere Extrem, nämlich der übermäßige Verzicht auf Schlaf, auch großen Schaden anrichtet, und zwar nicht nur dem Leib, sondern der Seele des Mönches. Davor warnt der heilige Mönch Johannes Cassianus in seiner Darlegung über die Erfahrungen der Asketen der Sketischen Wüste: „Durch die listige Wirkung des Teufels hat sich der Schlaf vor meinen Augen so weit entfernt, dass ich, nachdem ich viele Nächte ohne Schlaf verbracht hatte, den Herrn anflehte, dass ich kurz einschlafen könnte. Und die Gefahr durch die Maßlosigkeit im Fasten und Wachen, in der ich mich befand, war viel größer als diese durch Völlerei und viel Schlaf. Sowohl der übermäßige Wunsch nach fleischlichem Vergnügen als auch Abneigung gegen Essen und Schlaf werden von unserem Feind erregt; dabei ist unmäßige Enthaltsamkeit schädlicher als Übersättigung, denn es ist möglich, mithilfe der Reue von der Letzteren zum richtigen Urteil überzugehen, von der Ersteren aber nicht.“[22]
Über diese Mäßigkeit in der Askese schreibt auch der heilige Erleuchter Ignatios (Brjantschaninow): „Man sollte sich bei Essen und Schlaf begnügen, immer maßvoll und den Kräften und der Gesundheit entsprechend, damit Essen und Schlaf dem Leib angemessene Stärkung einbringen und dabei weder anstößige Bewegungen, die aus Üppigkeit entstehen, noch Erschöpfung zu erzeugen, die vom Mangel herrührt.“[23]
(Abschluss folgt.)
Quelle: https://www.pravoslavie.ru/put/4305.htm
[1][Augustinus von Hippo: Von der Unsterblichkeit der Seele] АвгустинИппонийский , блаженный. О бессмертии души. 14.
[2]Феодорит Кирский, блаженный. Десять глав о промысле. 7.
[3][Gregor von Nyssa, hl. Erleuchter. Über die Erschaffung des Menschen] ГригорийНисский, святитель. Об устроении человека. 13.
[4]Феодорит Кирский, блаженный. Сокращенное изложение Божественных догматов. 12.
[5]Григорий Богослов, святитель. Слово 37.
[6][JohannesKlimakos, hl. Erleuchter. Die Leiter] Иоанн Лествичник, преподобный. Лествица. 19. 1–2.
[7]Ефрем Сирин, преподобный. Слово на Еккл. 1: 14.
[8]Augustinus von Hippo, seliger. Die Bekenntnisse. 12.
[9][Barsanuphius der Große und Johannes der Prophet, hll. Mönche] Варсануфий Великий и Иоанн Пророк , преподобные. Руководство к духовной жизни. 500.
[10]Иоанн Кассиан, преподобный. О постановлениях киновитян. 2. 13.
[11][Johannes Klimakos, hl. Mönch. Die Leiter] Иоанн Лествичник, преподобный. Лествица. 19. 3
[12]Ebenda. 20.12–13.
[13]Ebenda . 20. 3–5, 9, 11
[14]Паисий Величковский, преподобный. Крины сельные. 30.
[15]Иоанн Лествичник , преподобный. Лествица. 19. 2.
[16]Паисий Величковский , преподобный. Крины сельные. 30.
[17]Антоний Великий, преподобный. Наставления о доброй нравственности и святой жизни. 170.
[18]Нил Сорский, преподобный. О спасении души.
[19]Варсануфий Великий и Иоанн Пророк, преподобные. Руководство к духовной жизни. 245.
[20][Ambrosius von Mailand: Abhandlung über die Buße] Амвросий Медиоланский, святитель. О покаянии две книги. II. 11.
[21]Иоанн Кронштадтский , праведный. Живой колос. III.
[22]Иоанн Кассиан , преподобный. Десять собеседований отцов. 2. 17.
[23]Игнатий (Брянчанинов), святитель. Беседа старца с учеником. 2.
Die Orthodoxe Einstellung zu Schlaf und Traum - Teil 2
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17. Dezember 2014
Maximov, George, deacon
Im zweiten Teil seines Artikels beleuchtet Diakon George Maximov die orthodoxe Ansicht über die sogenannten Wahrträumen.
Was sind Träume? Der heilige Erleuchter Gregor von Nyssa schreibt, dass sie „Gespenster der mentalen Tätigkeit sind“, die „von dem Teil der Seele, der unvernünftig ist, zufällig zusammengesetzt werden“. Es ist daran zu sehen, dass der „Träumende sich im Schlaf häufig etwas Unstatthaftes und Unmögliches vorstellt, was nicht geschehen wäre, wenn die Seele auch im Schlaf durch die Vernunft und das Besinnen gesteuert wäre. Gewisse Ebenbilder dessen, was im Wachzustand passiert ist und die in der Seele durch deren Gedächtniskraft Abdrücke hinterlassen haben, was durch Gefühle und Gedanken erzeugt wird, werden dort nachgebildet“[1]
Der heilige Erleuchter Ignatios (Brjantschaninow) beschrieb dies ausführlich wie folgt: „Während des Schlafes ist der Zustand des schlafenden Menschen von Gott so angeordnet, dass der Mensch sich in gänzlicher Ruhe befindet. Diese Ruhe ist so vollkommen, dass der Mensch währenddessen nicht mehr bei Bewussten über seine Existenz ist und in Selbstvergessenheit landet. Während des Schlafens ist jegliche Tätigkeit, die mit Arbeit einhergeht und willentlich, unter Leitung des Verstands und des Willens erzeugt wird, eingestellt: es bleiben nur die Tätigkeiten, die für die Existenz notwendig sind und davon nicht getrennt werden können. Im Leib fließt nach wie vor das Blut, der Magen verdaut das Essen, die Lungen atmen, die Haut lässt Schweiß hindurch; in der Seele regen sich nach wie vor Gedanken, Vorstellungen und Emotionen, aber nicht in Abhängigkeit von Verstand und Willen, sondern nach der unbewussten Aktivität der Natur. Diese Vorstellungen, die mit dazugehörigem Denken und Gefühlen einhergehen, machen Träume aus (…). Manchmal trägt der Traum ein zusammenhangloses Gepräge willkürlicher Gedanken und Vorstellungen; manchmal ist er eine Folge der sittlichen Stimmung.“[2]
Dabei, so Augustinus, „verliert die Seele auch im Schlaf weder das Gefühls- noch das Verstandesvermögen. Denn auch dann hat sie vor ihren Augen Bilder der für sinnliche Eindrücke empfänglichen Gegenstände, und häufig sind diese von den Gegenständen, deren Bilder sie sind, nicht einmal zu unterscheiden; und wenn die Seele dabei etwas begreift, dann ist es sowohl für den Schlafenden als auch für den Wachenden gleich wahrhaftig. Wenn sich zum Beispiel jemand im Traum als philosophierend erlebt und in der Lage ist, etwas aufgrund von wahren Prämissen zu behaupten, blieben diese Prämissen auch nach dem Wachwerden ebenso wahr, auch wenn all das Restliche sich als falsch erweisen sollte, beispielsweise der Ort, wo philosophiert worden sein soll, die Person, die dabei gewesen sein soll u.a., was häufig spurlos vorübergeht und auch im Wachzustand meist vergessen wird“[3].
Der heilige Erleuchter Gregor weist darauf hin, dass Träume vom Zustand des Leibes beeinflusst werden: „So erscheint es dem Durstigen, dass sich neben ihm eine Quelle befindet, dem Nahrungsbedürftigen, dass er auf einem Festmahl ist; auch der junge Mann in der Blüte seiner Kräfte träumt davon, was seiner Leidenschaft und seinem Alter gemäß ist“. Auch Krankheiten wirken da hinein: „Einige typische Schlafträume gibt es besonders bei Menschen, die unter Magenstörungen leiden, andere bei Menschen mit Gehirnhautstörungen, wiederum andere bei Menschen, die unter Fieber leiden.“ Auch der Sittlichkeit und der Charakter des Schlafenden üben ihren Einfluss aus: „Einige Träume gibt es bei mutigen Menschen und andere bei Feiglingen; einige bei den Zügellosen und andere bei den Sittsamen (…). Wovon die Seele gewöhnt ist, im Wachzustand zu träumen, dessen Bilder stellt sie in Träumen zusammen.“[4]
Der heilige Symeon der Neue Theologe sagt, dass Träume von Denkweise und Beschäftigungen des Menschen beeinflusst werden: „Womit die Seele sich im Wachzustand beschäftigt, davon träumt bzw. philosophiert sie auch im Wachzustand; wenn sie den ganzen Tag mit alltäglichen Aktivitäten verbracht hat, versetzen sie diese auch während des Schlafens in Unruhe; wenn sie dagegen die ganze Zeit über göttliche und himmlische Sachen gesinnt hatte, wird sie dies auch während des Schlafens tun und dadurch weise gemacht, nach dem Wort des Propheten: ‘eure jungen Männer werden Visionen haben‘ (Joel 2,28; Apg 2,17). Sie blendet sich nicht mit betrügerischen Träumen, sondern sieht während des Schlafes das Wahre und sinnt über die Offenbarungen nach.“[5]
Der heilige Erleuchter Gregor Dialogus erklärt ausführlich, wie verschiedenartig die Quellen von Träumen sind: „Manchmal kommen Träume von der Fülle des Magens, manchmal von seiner Leere, manchmal durch das Blendwerk [des Teufels], manchmal durch das Nachdenken und das Blendwerk zusammen, manchmal von der Offenbarung, manchmal von der Offenbarung und dem Blendwerk zusammen. Die Träume der ersten zwei Arten kennen wir nach der Erfahrung; die Beispiele der Träume der anderen vier Arten finden wir in den Büchern der Heiligen Schrift. Wären Träume noch so häufig durch das Blendwerk des heimlichen Feindes entstanden, hätte der allweise Mann darauf nie mit folgenden Worten hingewiesen: ‚Träume haben schon viele in die Irre geführt, weil sie ihnen vertrauten, sind sie gestrauchelt‘ (Sir 34,7). Und auch: ‚Ihr sollt weder Zauberei noch Wahrsagerei an Träumen treiben‘ (Lev 19.26)[6]. Durch diese Worte wird deutlich gemacht, dass man sich den Träumen, die mit Wahrsagerei einhergehen, abwenden sollte. Andererseits, verdankten sich Träume nicht manchmal auch dem Nachdenken und dem Blendwerk zusammen, hätte der allweise Mann nicht gesagt: ‚Denn Träume kommen durch viel Geschäftigkeit‘ (Koh 5,2). Wären Träume auch nicht manchmal durch geheime Offenbarungen ausgelöst, hätte (…) der Engel den Verlobten Marias während des Schlafens nicht überzeugt, das Kindlein zu nehmen und mit ihm nach Ägypten zu fliehen (s Mt 2). Wiederum (…) [wenn] der Prophet David, als er über den Traum Nebukadnezar urteilt (s. Dan 2,29), ihn und seine Bedeutung mit Ehrfurcht betrachtet und erklärt, aus welcher Besinnung er stammt, zeigt er deutlich, dass Träume häufig durch Nachdenken und Offenbarung zusammen zustandekommen. Wenn aber Träume so verschiedenartig sind, ist es offensichtlich, dass ihnen desto weniger zu glauben ist, je schwieriger es ist zu verstehen, aus welcher Quelle sie kommen. Allerdings unterscheiden heilige Männer durch ein gewisses inneres Gefühl in Blendwerk und Offenbarungen selbst die Stimme und die Art der Visionen, so dass sie erkennen, was sie vom guten Geist wahrnehmen und was sie durch teuflisches Blendwerk erleiden. Wird der Verstand in Bezug auf Schlaf nicht vorsichtig, wird er durch den verführenden Geist in viele leere Träume verfallen; üblicherweise sagt er viel Wahrhaftiges voraus, um die Seele danach durch Lügen zu umstricken.“[7]
Davon spricht auch der heilige Erleuchter Philaret von Moskau: «Träume sind unterschiedlich. Sie können durch unterschiedliche Zustände des Körpers entstehen, insbesondere der Nerven, des Herzens, der Gedanken und des Vorstellungsvermögens im Wachzustand, sowie auch durch Einflüsse der spirituellen Welt, die rein, gemischt oder unrein sind. Die Bestimmung der Qualität des Traums bedarf tiefer Überprüfung.“[8]
Wahrträume
Bemerkenswert ist, wie die heiligen Väter die sogenannten „Wahrträume“ erklären, die in Erfüllung gehen. Der hl. Mönch Johannes von Damaskus erwähnt sie nur kurz: „Zum Denkvermögen gehören: Urteil, Bewilligung, Tätigkeitstrieb, sowie auch Abneigung gegen und Vermeidung von Tätigkeiten (…) Dieses Vermögen wirkt auch in Träumen und verheißt uns damit die Zukunft.“[9]
Der heilige Erleuchter Gregor von Nyssa beschreibt diesen Mechanismus ausführlicher, indem er zwischen solchen Träumen und Offenbarungen von Gott unterscheidet: „Das verworrene Gedächtnis und die nächtlich verschleierten schlummernden Alltagssorgen stellen [dem Menschen] im Traum Ebenbilder dessen vor, was ihn im Wachzustand besorgte, und weisen häufig auf etwas hin, was sich erfüllen wird. Denn die Seele hat, aufgrund ihrer feinen Natur, außer der leiblichen Derbheit noch etwas, was darüber steht, und kann in tatsächlichem Geschehen anderes vorhersehen. So kelterte der Oberst der Schenken die Trauben in den Kelch des Pharaos; so stellte sich der Oberst vor, dass der Bäcker Körbe trägt - jeder von ihnen sah sich im Traum damit beschäftigt, womit er sich im Wachzustand beschäftigte. Die Ebenbilder ihrer gewöhnlichen Beschäftigungen, abgebildet in der vorsehenden Fähigkeit der Seele, ermöglichten es ihnen, anhand dieser Prophezeiung des Verstands vorauszuahnen, was sich erfüllen würde (…). Auch wenn alle Im Schlaf natürliche Visionen haben, werden in Träumen nicht alle der Göttlichen Offenbarung teilhaftig. Allen Anderen, denen in Träumen ein Vorherwissen über etwas mitgeteilt wird, geschieht dies in der oben erwähnten Weise.“[10]
Der hl Erleuchter Nikolaj (Velimirović) von Serbien berichtet über die Zeichen, die der Herr den Menschen schickt, folgendes: „Häufig gibt der Herrgott den Menschen im Traum ein Signal, etwas, was sie geplant haben, nicht zu tun (…). Manchen gottesfürchtigen Frauen, die unter der Unfruchtbarkeit litten und eifrig zu Gott beteten, ihnen ein Kind zu schenken, wurden im Traum Signale gegeben, dass ihre Gebete gehört worden waren (…). Es ist nicht selten der Fall, dass jemand im Schlaf ein Zeichen empfängt, dass sein Tod nah ist (…). Auch heutzutage gibt es zahlreiche Beispiele von solchen Signalträumen."[11]
Dabei verurteilten die heiligen Väter die Bestrebung, Träume zu deuten und aus ihnen wahrzusagen. Oben wurden bereits die Worte des heiligen Erleuchter Gregor Dialogus zitiert, der uns an das Gebot Gottes, aus Träumen nicht wahrzusagen, erinnert hatte. Auch der heilige Erleuchter Basilios der Große mahnt: „Kaum bist du durch einen Traum aufgeregt, rennst du sofort zum Traumausleger.“[12] Im Folgenden gehen wir näher auf die patristischen Einstellung zu Träumen ein.
Die asketische Einstellung zu Träumen
Der heilige Erleuchter Theophan der Klausner schreibt: „Es wird historisch bestätigt, dass es Träume von Gott, von sich selbst und vom Feind gibt. Wie man sie aber erkennen kann – darüber schweigt die Wissenschaft. Das Auge guckt ja gerne. Definitiv kann nur folgendes gesagt werden: Träume, die dem orthodoxen Christentum zuwiderlaufen, sollten abgelehnt werden. Und noch etwas: es ist keine Sünde, Träumen nicht zu folgen, wenn man sich ihrer nicht sicher ist. Träume von Gott, die erfüllt werden sollten, werden wiederholt geschickt“.[13]
Als allgemeingültig gilt die Prämisse, dass Dämonen Träume häufig als Waffe gegen Gläubige benutzen. Der heilige Erleuchter Ignatios (Brjantschaninow) schreibt: „Dämonen, die, während wir wach sind, zu unseren Seelen Zugriff haben, haben diesen auch während des Schlafes. Auch während des Schlafes verführen sie uns durch die Sünde, indem sie unseren Träume ihr Gift beimischen. Auch versuchen sie, nachdem sie in uns Aufmerksamkeit auf Träume entdecken, unsere Träume interessant zu machen und in uns große Aufmerksamkeit für Blendwerk zu erregen, wodurch sie allmählich Vertrauen ihnen gegenüber erwecken.“[14] Dasselbe lesen wir auch beim heiligen Mönch Isaak dem Syrer: „Manchmal bringt der Feind, unter dem Deckmantel der Offenbarungen von Gott, sein Blendwerk (Prelest) hervor und zeigt in Träumen dem Menschen etwas (…) und tut alles, um den Menschen allmählich zu überzeugen und ihn wenigstens einigermaßen in Einverständnis mit sich zu bringen, damit der Mensch in seine Hände gelangt.“[15]
Das zeigt, dass sogar Träume, die faszinierend, verlockend und auffällig sind, eine Gefahr darstellen könnten, wenn man ihnen gegenüber ungesundes Interesse entwickelt. Deshalb gibt es beim heiligen Mönch Johannes Klimakos Belehrungen darüber, wie man sich nach dem Schlaf verhalten soll, um keinen Schaden durch Träume zu erleiden: „Tagsüber möge niemand im Kopf die während des Schlafens ereigneten Träume weiterbedenken, denn die Dämonen beabsichtigen, uns durch Träume zu schädigen, während wir wach sind.“[16]
Der heilige Mönch Johannes erwähnt einige Spezialfälle dämonischer Verführungen, die Mönche durch Träume befallen: „Wenn wir, um Gottes willen, unsere Häuser und unsere Verwandten verlassen und uns aus Liebe zu Gott dem Eremitenleben widmen, dann bemühen sich Dämonen, uns mit Träumen zu irritieren, indem sie uns unsere Verwandten vorführen, die klagen oder wegen uns im Gefängnis sind oder andere Miseren erleiden. Deshalb ist derjenige, der an Träume glaubt, einem Menschen ähnlich, der seinem Schatten hinterherläuft und nach ihm zu greifen versucht.“[17]
„Die Dämonen des Ehrgeizes kommen in Träumen als Propheten, und da sie durchtrieben sind, erschließen sie aus gegenwärtigen Geschehnissen die Zukunft und verkünden uns diese, damit wir, nachdem diese Träume in Erfüllung gegangen sind, erstaunt sind und, als ob wir die Offenbarungsgabe erhalten hätten, uns gedanklich überhöhen. Für diejenigen, die dem Dämon glauben, ist dieser häufig ein Prophet; doch für diejenigen, die ihn verachten, entpuppt er sich immer als Lügner. Als Geist sieht er das, was im Luftraum geschieht, und wenn nachdem er beispielsweise merkt, dass jemand im Sterben liegt, sagt er dies den Leichtgläubigen durch einen Traum voraus. Dämonen haben über die Zukunft kein Vorherwissen; es ist aber bekannt, dass auch Ärzte uns den Tod vorhersagen können.“[18]
Der heilige Mönch Petrus von Damaskus beschreibt, wie Dämonen „spirituelle“ Träume imitieren: „Als der Teufel sah, dass Christus sich aus seiner äußeren Güte der heiligen Märtyrer und heiligen Väter erbarmte, indem ER ihnen selbst oder durch Engel oder auf eine anderen unerklärlichen Weise erschien, wie ER es auch angekündigt hatte (s. Joh 14,21), fing er an, Manchen verführerische Visionen zu präsentieren, welche aber zum Untergang führen. Denn der Teufel vermag es, uns in Träumen oder sinnlich zu verführen“[19].
Der selige Diadochus von Photice warnt vor einer anderen Gefahr: „Wenn der Verstand beginnt, den gnadenvollen Trost des Heiligen Geistes zu spüren, dann legt auch der Satan während der Nachtruhe oder im Augenblick des feinsten Schlafs (bzw. des Einschlafens) in die Seele seinen Trost in ein scheinbar süßes Gefühl hinein. Wenn der Verstand in diesem Augenblick den heiligen Namen des Herrn Jesu in wärmsten Gedenken hält (…), dann entfernt sich dieser böse Lügner sofort.“[20]
Was ist der Unterschied zwischen Träumen von Gott und Träumen von Dämonen?
Zu dieser Frage haben viele heilige Väter geschrieben, um auf die Merkmale hinzuweisen, die zu erschließen ermöglichen, ob ein spirituell erscheinender Traum wahrhaft oder betrügerisch ist. Der selige Diadochus von Photice: „Träume, die aus der Liebe Gottes herstammen (…), ändern sich nicht von einem Bild in ein anderes, sie jagen keine Angst ein, sie erregen weder Lachen noch plötzliche Trauer, sondern treten ganz still an die Seele heran und erfüllen sie mit spiritueller Freude; deswegen begehrt und sucht die Seele auch nach dem Erwachen des Leibes diese während des Schlafens erlebte Freude . Bei dämonischen Träumen ist alles umgekehrt: sie bleiben weder auf Dauer bei einem Bilde noch erscheinen sie ganzheitlich; (…) da wird viel gesprochen und viel Großartiges versprochen, und öfter noch schüchtern sie mit Drohungen ein, indem sie sich häufig als Krieger darstellen; manchmal singen sie der Seele etwas Schmeichelhaftes, mit lautem Geschrei (...). Es ist allerdings manchmal auch so, dass auch gute Träume der Seele keine Freude, sondern eine gewisse süße Trauer und schmerzlose Tränen bringen. Das geschieht mit denen, die in der großen Demut bereits fortgeschritten sind.“[21]
Der heilige Mönch Johannes Klimakos: „Dämonen wandeln häufig ihre Gestalt und geben sich als Lichtengel und Märtyrer aus und machen uns im Traum vor, dass wir zu ihnen kämen, und wenn wir wach werden, dann erfüllen sie uns mit Freude und Selbstüberhebung. Das sollte ein Zeichen der Verleitung sein, denn Engel zeigen uns Qualen, das Jüngste Gericht und Trennungen und erfüllen die Wachgewordenen mit Furcht und Reue. Wenn wir uns in Träumen Dämonen unterwerfen, werden sie uns auch im Wachzustand misshandeln. Derjenige, der Träumen glaubt, ist einfältig; wer ihnen dagegen keinen Glauben schenkt, liebt die Weisheit. Glaube also nur den Träumen, die dir Qual und das Gericht verkünden; wenn sie dich aber in Verzweiflung versetzen, dann sind auch sie von Dämonen.“[22]
Der heilige Mönch Barsanuphios der Große beantwortet die Frage „Wie wagt es der Teufel, in einer Vision oder im Schlaf den Herrn Christus oder die heilige Kommunion zu zeigen?“ wie folgt: „Er kann weder den Herrn Christus selbst noch die heilige Kommunion zeigen, sondern er lügt und stellt das Bild irgendeines Menschen und einfachen Brots dar; das heilige Kreuz kann er aber nicht zeigen, denn er findet kein Mittel, es auf andere Weise darzustellen (…) so wagt der Teufel nicht, es (zu unserer Verleitung) zu benutzen, denn am Kreuz wurde seine Kraft zerstört, und durch das Kreuz wurde ihm ein todbringende Geschwür zugefügt (…). Wenn du also im Traum ein Bild des Kreuzes siehst, sollest du wissen, dass dieser Traum wahr und von Gott ist; versuche aber auch, die Auslegung seiner Bedeutung von den Heiligen zu bekommen und glaube deinen eigenen Gedanken nicht“[23].
Der heilige Ambrosios von Optina: „Diese Träume sind eventuell nicht wahr, sondern vom Bösen geschickt, denn wahre Visionen bringen Frieden und spirituellen Nutzen, diese Deinen Träume dagegen eine große Verwirrung stiften. Deshalb empfehle ich Dir, solchen Träumen nicht zu vertrauen, sondern sie unbeachtet zu lassen und zu beten, damit der Herr und die Himmelkönigin Dir das zeigen, was Dir nutzt, wie es Ihnen beliebt.“[24]
Der heilige Erleuchter Ignatios (Brjantschaninow): „Träume, die von Gott geschickt werden, haben in sich selbst eine unumstößliche Überzeugungskraft. Diese Überzeugungskraft ist für die Heiligen Gottes verständlich, aber für diejenigen, die sich noch im Kampf gegen die Leidenschaften befinden, unbegreiflich.“[25]
Und weiter: „Wir sollten wissen, dass wir in unserem Zustand, der durch die Gnade noch nicht erneuert ist, unfähig sind, andere Träume zu sehen als solche, die vom Wahnsinn unserer Seele und den Afterreden von Dämonen herrühren (…). So wie unser Trost in der Zeit unseres Wachbleibens aus Rührseligkeit besteht, die durch das Bewusstwerden der eigenen Sünden, das Gedenken des Todes und des Gerichtes Gottes zustande kommt (…), so zeigen uns die Engel Gottes im Traum ganz selten, im äußeren Notfall, entweder unser Dahinscheiden oder die Höllenqualen oder das gestrenge Gericht im Jenseits nach unserem Tod. Durch solche Träume kommen wir zur Gottesfurcht , zur Rührseligkeit, zum Weinen über uns selbst. Solche Träume werden sehr selten Asketen oder sogar offensichtlichen, sehr bösen Sündern geschickt, nach einer besonderen geheimnisvollen Vorsehung Gottes.“[26]
Man sollte den Träumen nicht glauben
Wie oben gezeigt, erkannten die heiligen Väter zwar an, dass es Träume von Gott gibt, riefen aber, weil es für spirituell unvollkommene Menschen unmöglich ist, zwischen solchen Träumen und dämonischer Verblendung zu unterscheiden, einstimmig und resolut dazu auf, generell Träumen nicht zu glauben. Um zu bekräftigen, wie ernst diese Gefahr ist, werden Beispiele dafür angeführt, wie sogar sehr erfahrene Asketen in ihrem Vertrauen auf Träume manchmal in Fallen gerieten.
Der selige Diadochus von Photice widmete „der Tugend des Nicht-Glaubens an Träume“ einen ganzen Abschnitt eines seiner Werke. Er nennt sie „die große Tugend“ und bestimmt ihr Wesen in der folgenden Regel: „Man sollte überhaupt keinem im Schlaf gesehenen Traum glauben. Denn meist sind Träume nichts anderes als Gedankenidole, Spiele der Phantasie oder dämonische Schändungen und Spielerei mit uns. Wenn wir, indem wir uns an diese Regel halten, irgendwann einmal einen Traum nicht wahrnehmen, der uns von Gott geschickt wurde, würde unser liebevoller Herr Jesus Christus über uns deswegen nicht entzürnt sein, da ER weiß, dass wir dies aus Furcht vor den dämonischen Listen unterließen.“[27]
Der ehrwürdige Ephraim der Syrer: „Mein Lieber, glaube nicht den betrügerischen Träumen; Träume haben schon viele in die Irre geführt; weil sie ihnen vertrauten, sind sie gestrauchelt“ (Sir 34,7). „Denn welches Maß an Vollkommenheit haben wir erreicht, um Visionen der Engel sehen zu können?“[28] Auch der heilige Petrus von Damaskus spricht davon, dass Träumen generell keine Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte: „Derjenige, der Leidenschaftslosigkeit erreichen möchte, sollte (…) auch weder Angst vor bösen oder scheinbar guten Träumen haben, noch vor bösen oder guten Gedanken, noch vor Trauer oder Freude.“[29]
Der heilige Mönch Makarios von Optina: „Wenn du Träumen glauben würdest, wäre es sehr einfach, in Täuschung (Prelest) zu verfallen. Die heiligen Väter verwerfen den Glauben an Träume komplett und befehlen auch uns, die wir leidenschaftlich und eingebildet sind, Träumen nicht zu glauben. Anstatt über einen leeren Traum zu rätseln, sollten wir unserer Sünden eingedenk sein, uns immer fehlende Berichtigung vorwerfen und uns demütigen, wodurch die Hilfe Gottes herbeigerufen wird“[30]; „wegen dem Glauben an Träume sollte sie Bedenken haben und sich mit der Ruhe ihres Gewissens begnügen; auch wenn ein Traum gnadenvoll ist, würde sie nicht sündigen, wenn sie sich aus Furcht vor Prelest dieses Traumes unwürdig erachten würde.“[31]
Beim heiligen Hierarchen Theophan dem Klausner lesen wir: „In Ihrem während der Großen Fastenzeit geschriebenen Brief fragen Sie, ob man Träumen glauben darf. Besser ist es, ihnen nicht zu glauben, denn unser Feind träufelt uns auch im Wachzustand viele Lappalien in den Kopf, und im Schlaf ist das für ihn noch einfacher. Wenn manche Träume in Erfüllung gehen, sollten Sie nach ihrer Erfüllung dem Herrn für seine Gnade danken. Danken Sie sowohl für angenehme als auch für belehrende Träume. Reinigen Sie, gleich nachdem sie erwacht sind, ihre Seele und ihr Gedächtnis von verführerischen Träumen. Das beste Mittel dafür sind das Gebet und die Erinnerung an gute Geschehnisse, insbesondere aus der evangelischen Geschichte.“[32]
Der heilige Mönch Ambrosios von Optina: „Am meisten hüte Dich vor dem Glauben an deine Träume; bemühe dich, sie zu vergessen und schreibe ihnen keine Bedeutung zu.“[33]
Der heilige Erleuchter Ignatios (Brjantschaninow) erklärt ausführlich, „wie sinnlos es ist, auf Träume zu achten, erst recht, ihnen zu vertrauen, und was für ein fürchterlicher Schaden durch solches Vertrauen entstehen kann. Durch die Aufmerksamkeit auf Träume schleicht sich unweigerlich der Glaube an sie in die Seele ein, und deshalb ist bei ihnen schon Aufmerksamkeit streng verboten.“[34]
Schlaf der Gerechten
Der selige Hieronymus von Stridon: „Der Apostel befiehlt uns, immer zu beten; bei Heiligen ist selbst der Schlaf ein Gebet.“[35] Dasselbe bestätigt auch der heiligen Abba Thalassios: „Der von Leidenschaften befreite Verstand sieht hintergründige, unterschwellige, fast unmerkliche Gedanken - sowohl wenn der Leib wach ist, als auch, wenn er einschläft.“[36]
Der heilige Maximus der Bekenner: „Wenn die Seele beginnt, sich heil zu fühlen, dann hat sie auch reine und ungetrübte Träume.“[37]
Der heilige Erleuchter Ignatios (Brjantschaninow): „Das vom Heiligen Geist erneuerte Wesen wird durch ganz andere Gesetze als das gefallene und in seinem gefallenen Zustand erstarrte Wesen gesteuert (…). Ihre Gedanken und Träume, die während des Schlafes der Steuerung durch den menschlichen Verstand und den Willen entzogen sind und bei anderen Menschen unbewusst nach dem Verlangen des Wesens entstehen, wirken in solchen Erneuerten unter der Leitung des Heiligen Geistes, und die Träume solcher Menschen sind spirituell bedeutsam.“[38]
Ausführlicher schreibt der heilige Johannes über solche Zustände, also über den Schlaf des vollkommenen geistlichen Vorkämpfers: „Auch wenn er für eine Weile einschläft, ist sein Schlaf wie der Wachzustand bei Anderen; denn das Feuer der Herzensflamme in ihm lässt nicht zu, sich in den Schlaf zu versenken, und er singt zusammen mit David: ‘Erleuchte meine Augen, dass ich nicht entschlafe zum Tode‘ (Ps 13,4). Derjenige, der diese Stufe erreicht und ihre Wonne bereits gekostet hat, der versteht das Gesagte; solch ein Mensch erquickt sich nicht durch sinnlichen Schlaf, sondern nutzt den natürlichen“.[39]
Natürlich gibt es in solch einem Schlaf auch andersartige Träume. Der heilige Mönch Zosimas Werschowskij berichtete über die spirituelle Erfahrung seines Lehrers, des heiligen Mönches Basiliskus, dass dieser im Schlaf häufig spirituelle Visionen hatte: „In diesen Visionen im Schlaf sah er manchmal, quasi wie in einer Offenbarung, die zukünftigen Vergeltungen, die für Sünder und Gerechte vorbereitet sind, war aber ratlos, wie er diese erklären sollte, denn die Vergeltung der Sünder war wegen ihrer fürchterlichen Entsetzlichkeit und ihrer unerträglichen qualvollen Grausamkeit unsagbar, und die der Gerechten ebenso – wegen des wunderschönsten Ruhmes und der unaussprechlichen Wonne und Freude. Manchmal sah er auch einige Änderungen in seinem Leben und diesem der anderen Väter voraus, die sich mit der Zeit dann auch erfüllten.“[40]
Der selige Diadochos von Photice schreibt, dass der geistliche Vorkämpfer, dessen Verstand rein ist, auch wenn der Teufel mit seinen Visionen an ihn herantritt, bereits während des Schlafens die teuflische Herkunft des Schlafens erkennen können und entweder willentlich wach werden oder im Schlaf selbst diese Verführung entlarven würde. All das betrifft aber bereits vollkommene Menschen und bezieht sich weder auf die in ihrer Erfahrung noch unvollkommenen Asketen noch Novizen, und umso weniger auf Laien.
Quelle: https://www.pravoslavie.ru/put/4309.htm
[1][Gregor von Nyssa: Über die Erschaffung des Menschen] ГригорийНисский , святитель. Об устроении человека. 13.
[2]Игнатий (Брянчанинов) , святитель. О сновидениях / О прелести.
[3][Augustinus von Hippo: Von der Unsterblichkeit der Seele] АвгустинИппонийский , блаженный. О бессмертии души. 14.
[4][Gregor von Nyssa: Über die Erschaffung des Menschen] ГригорийНисский, святитель. Об устроении человека. 13.
[5]Симеон Новый Богослов, преподобный. Деятельные и богословские главы. 176.
[6]So Septuaginta . In der synodalen Übersetzung: ihr sollt nicht Wahrsagerei noch Zauberei treiben.
[7]Григорий Двоеслов , святитель. Собеседования о жизни италийских отцов. IV.48.
[8]Филарет Московский , святитель. Письмо к А.П. Толстому от 3 октября 1860 года.
[9][Johannes von Damaskus: Genaue Darlegung des rechten Glaubens]ИоаннДамаскин, преподобный. Точное изложение православной веры. 2. XIX.
[10]Григорий Нисский, святитель. Об устроении человека. 13.
[11]Николай (Велимирович) , святитель. Символы и сигналы. II. 10. 8–10.
[12]Василий Великий, святитель. Беседы на псалмы. 45.
[13]Феофан Затворник, святитель. Письма. VII. 1163.
[14]Игнатий (Брянчанинов) , святитель. О сновидениях / О прелести.
[15]Исаак Сирин, преподобный. Слова подвижнические. 60.
[16] [JohannesKlimakos, hl. Erleuchter. Die Leiter] Иоанн Лествичник, преподобный. Лествица. 15. 55.
[17]Ebenda, 3. 26.
[18]Ebenda, 3. 27.
[19]Петр Дамаскин, преподобный. Творения. I. 2.
[20]Диадох Фотикийский , блаженный. Подвижническое слово. 31.
[21]Ebenda, S. 37.
[22][Johannes Klimakos, hl.Mönch: DieLeiterzumParadiese] Иоанн Лествичник, преподобный. Лествица. 3. 28.
[23]Варсануфий Великий и Иоанн Пророк, преподобные. Руководство к духовной жизни. 413.
[24]Амвросий Оптинский, преподобный. Письма к монашествующим. 422.
[25]Игнатий (Брянчанинов), святитель. О сновидениях / О прелести.
[26]Ebenda.
[27]Диадох Фотикийский, блаженный. Подвижническое слово. 38.
[28]Ефрем Сирин, преподобный. В подражание притчам.
[29]Петр Дамаскин , преподобный. О бесстрастии.
[30]Макарий Оптинский, преподобный. Письма. 397.
[31]Ebenda 562.
[32]Феофан Затворник, святитель. Письма. III. 472.
[33]Амвросий Оптинский, преподобный. Письма к монашествующим. 378.
[34]Игнатий (Брянчанинов) , святитель. О сновидениях / О прелести.
[35]Иероним Стридонский, блаженный. Письмо к Евстохию.
[36]Авва Фалассий . О любви, воздержании и духовной жизни. I. 54.
[37]Максим Исповедник, преподобный. Главы о любви. I. 89.
[38]Игнатий (Брянчанинов), святитель. О сновидениях / О прелести.
[39]Варсануфий Великий и Иоанн Пророк, преподобные. Руководство к духовной жизни. 318.
[40]Зосима Верховский, преподобный. Повествование о действиях сердечной молитвы. 28.
Maximov, Georgij, Priester