Über die christliche Meditation
Diakon Andrey Balakhnin, Kleriker der Tula-Diözese und Lehrer am Geistlichen Seminar Tula analysiert in seinem Artikel das Phänomen der christlichen Meditation, die Mitte der 1960er Jahre um Vater John Main vom Ordo Sancti Benedicti (OSB) entstand. Jetzt hat sich diese Praxis zu einer internationalen Bewegung, die „Weltgemeinschaft für die Christliche Meditation“ genannt wird, ausgewachsen. Der Autor versucht zu klären, inwiefern eine derartige Praxis der christlichen Glaubenslehre entspricht.
Mitte der 1960er Jahre sammelte sich in London um den Benediktiner-Pater John Main ein kleiner Kreis von Gleichgesinnten – Menschen, die sich für seine Vision der modernen spirituellen Praxis, christliche Meditation, interessierten. Die christliche Meditation wird als eine Art kontemplatives Betens definiert. Als Gebetsformel dient die Formel „Maranatha“ („Komm, Herr!“)aus dem syrischen Dialekt der aramäischen Sprache oder das Jesusgebet („Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner Sündigen“). Normalerweise praktizieren die meisten Mitglieder der Gesellschaft die Meditation morgens und abends jeweils 30 Minuten.[1]
Mit der Zeit wuchs dieser kleine Kreis zu einer internationalen Bewegung an, der „Weltgemeinschaft für Christliche Meditation“ (The World Community for Christian Meditation, kurz WCCM). Heutzutage gibt es das „Internationale Zentrum der Christlichen Meditation“ in London, und überall in der Welt gibt es Depandancen, die mit dem Ordo Sancti Benedicti (OSB; Benedektinerorden) durch die Congregazione Benedettina di Santa Maria di Monte Oliveto (OSBoliv, ein Zweig des OSB mit Sitz in Norditalien in der Nähe der Stadt Brescia) spirituell verbunden sind.
Vater Laurence Freeman, Nachfolger von John Main und WCCM-Oberhaupt seit 1991, sagt, Main habe einen neuen Typ von Benediktiner-Gemeinde gegründet, die auf der uralten Praxis der Tradition der Wüstenväter beruhe. „John Main glaubte, dass die Meditation allen Menschen einen Weg in das tiefste Geheimnis anbietet, nämlich ins Mysterium der christlichen Erfahrung. Sein größter Beitrag war der ‚Weg des Mantra‘, der Weg des Wortes des Gebets – eine einfache Disziplin, die von Menschen aller Lebensweisen praktiziert werden kann. Für manche Meditierenden eröffnen die monastischen Wurzel einen besonderen Kontext und die Vision ihres Weges.“[2]
Zu den Mitgliedern der Gesellschaft zählen sowohl Mönche, welche das Armuts-, Keuschheits- und Demutsgelübde abgelegt haben, als auch Laien, die „Oblaten“ genannt werden – das sind Menschen, die zwar keine Gelübde abgelegt haben, sich aber an bestimmte Regeln halten:
Im Gegenteil zu den Mitgliedern anderer Orden sind die Mitglieder der Weltgemeinschaft für Christliche Meditation weder durch Regeln noch durch bestimmte religiöse Riten verbunden, obwohl sie, entsprechend der Regel des Hl. Benedikt, täglich bestimmte Zeit dem Dienst an Gott und am Nächsten widmen (die Verwirklichung des Prinzips „ora et labora“). Auch wenn sie nach wie vor mitten unter den Menschen leben, ist ihre Suche nach Gott tiefer und andächtiger.
Die WCCM wurde von der Römisch-Katholischen Kirche als kontemplative ökumenische Gemeinde gebilligt und von Giulio Sanguineti, Bischof von Brescia, durch seinen Erlass vom 11. Juli 2007[3] als Privatverband von Gläubigen anerkannt und mit juristischen Befugnissen ausgestattet.
In dem Erlass heißt es unter anderem, dass „die Weltgemeinschaft für Christliche Meditation zahlreiche Initiative propagiert, die die Erkenntnis und die Vertiefung der christlichen Spiritualität bezwecken“, „dass ihre Mitglieder bei der christlichen apostolischen Mission durchaus bedeutend mitwirken, indem sie vor allem den Reichtum der Spiritualität und der christlichen Meditation propagieren und eine Position des Dialogs und des allseitigen Respekts vertreten“. Deswegen sei der Bischof der Meinung, dass „eine derartige Gesellschaft, falls sie in dieser Diözese wirken würde, die Einheit der kirchlichen Gemeinde fördern und für das evangelische Leben und den ökumenischen sowie auch den interreligiösen Dialog nützlich sein könnte“.
Auf den ersten Blick ist das völlig richtig und entspricht tatsächlich der uralten christlichen Tradition. Aber eben leider nur auf den ersten Blick. Schauen wir aber etwas genauer hin, ist alles leider gar nicht mehr so klar.
Zitieren wir die Worte von Slawomir Cabajewski, Mitglied der WCCM Warschau und Teilnehmer der Konferenz „Was ist die Wahrheit“, die 2008 in der Schule der höheren Sozialpsychologie in Warschau stattfand: „Meditation, wie Vater Laurence betonte, lehrt uns, im Hier und Jetzt zu sein; sie bringt uns die Einfachheit bei, und dieser Weg führt uns ins Reich Gottes. Setze dich in die Stille und wiederhole aufmerksam das Gebetwort. Konzentriere dich nicht auf die Bedeutung der Worte, sondern auf ihren Klang. Jesus sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast es Unmündigen geoffenbart (Mt 11,25) (…) Das Fehlen der Konzeptualisierung und die Einfachheit macht die sogenannte Meditation zur universellen Methode, die nicht nur für die Religionen des Fernen Ostens charakteristisch ist (wie man häufig sagt), sondern auch für das Christentum. Sie wurde sowohl vom historischen Buddha Shakyamuni als auch von den frühchristlichen Wüstenvätern angewandt.“[4]
So stellen sich moderne katholische „Asketen“ das innere Tun vor. Einer der größten Lehrer der Askese, der Mönch und Theologe Euagrios Pontikos, spricht in seiner Schrift „Über das Gebet“ wie folgt von der Gebetspraxis: „Das Gefühl des Gebets ist die tiefe Besinnung, die mit Ehrfurcht, Zerknirschung, Reue und seelischer Qual einhergeht und ein lautloses Bekenntnis zu den eigenen Sünden ist (…) Willst du beten, brauchst du Gott, der dem Betenden das Gebet gewährt. Deshalb rufen ihn auf mit Worten: geheiligt werde dein Name, dein Reich komme (Mt 6,9-10), also den Heiligen Geist und den Einziggezeugten Sohn. Denn so lehrte [uns der Herr], indem ER sagte: Die Vater anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten (Joh 4,24)“[5]. Und, eventuell das wichtigste: „Wünsche nicht das, was dir richtig erscheint, sondern wünsche das, was gottgewollt ist.“[6]
Vater Laurence Freeman, der jetzige Leiter der Gesellschaft für Meditation, sagt: „Wir wenden uns nicht an die Religion, sondern an die Spiritualität. Was die westliche Welt und Indien betrifft: ein bedeutender Teil der WCCM-Teilnehmer ist auch Mitglied der „Bede Griffiths Sangha“ oder arbeitet mit anderen Organisationen zusammen, die mit dem Erbe der Drei Väter[7] bzw. der modernen christlichen Swamis verbunden sind.“[8]
Skizzieren wir nun das Fundament, auf dem das Gebäude der christlichen Meditation ruht.
Der Gründer der Weltgemeinschaft für die Christliche Meditation, Vater John Main, war ein spiritueller Bruder von Vater Bede Griffiths, Acharya des Sat-Chit-Ananda Ashrams. Griffiths war Mitbegründer eines katholischen Hl.-Dreiheit-Ashrams (Klosters) in Südindien, des „Sat-Chit-Ananda Ashram“ (auch bekannt als Shantivanam).Seine Mitstreiter waren der Benediktiner Henri Le Saux (Swami Abhishiktananda) undJules Monchanin (Swami Paramarubyananda ). Die Shantivanam-Väter betrachteten die Lehre Jesu Christi vom Standpunkt der Advaita-Vedanta-Philosophie und übernahmen die Kultur und die Lebensweise indischer Sannyasin-Mönche. Der Sat-Chit-Ananda Ashram wurde zum Zentrum des Dialogs zwischen Christentum und Hinduismus und zum Pilgerort für Vertreter verschiedener spiritueller Traditionen.[9]
Alan Richard Griffiths wurde 1906 in England geboren. Er wurde anglikanisch erzogen und wurde sogar zum Priester geweiht. Bei einer Meditation sah er sich selbst am Fuß des Kreuzes. Er habe sich in den Zustand des „wahren Gebets“ versetzt, den er später „Rückkehr zum Zentrum“ nannte. Nachdem Alan Griffiths wieder in seinen Alltag und zu seiner Arbeit zurückgekehrt war, begeisterte er sich für die Lektüre verschiedener römisch-katholischer Autoren, darunter auch Kardinal Newman. 1932 begann er ein Benediktiner-Noviziat unter dem Namen Bede, und 1937 legte er ewige Professen ab. 1940 wurde er zum Priester geweiht. Nach einer Zeit begegnete er dem indischen Priester Benedict Alapott und dem Forscher Tony Sussman. „Diese zwei Menschen – der Priester und der Wissenschaftler – inspirierten Griffiths zur gründlichen Erforschung der orientalischen Philosophie“, schreibt Demtschenko. „Griffiths begann, sich mit Yoga zu beschäftigen, und bemühte sich, möglichst viele Informationen über diese Wissenschaft von der Harmonisierung der Materie und des Geistes aus allen ihm zugänglichen Quellen zu sammeln. Er macht sich auch mit den Meisterstücken der indischen spirituellen Literatur vertraut. Die Bhagavad Gita hinterließ eine tiefe Spur im Herzen von Vater Bede, der sich später immer wieder auf sie berief, da sie ihm zu einer unerschöpflichen Quelle der Inspiration wurde. Um ihre ewige Weisheit der christlichen Zivilisation und der westlichen Welt näherzubringen, schrieb er sein Leben lang Kommentare zu diesem Werk, die unter dem Namen „River of Compassion“ bekannt geworden sind. Doch schien es Griffiths unausreichend, sich bloß von außen für die indische Zivilisation zu interessieren. Er wollte sich in dieses Milieu ganz versenken, um seine Spiritualität voll auszukosten und Teil der Gesellschaft zu werden, die die Offenbarungen der uralten Rishis kannte. Er bat um einen Missionsauftrag für Indien, erhielt jedoch zunächst eine Absage. Es sollte fast zehn Jahre dauern, bis seine Verhandlungen mit der Kirchenleitung Erfolg hatten. 1955 schließlich machte er sich auf den Weg nach Bombay (heute Mumbai), Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra und größte Hafenstadt Indiens.“
Ausgezeichnet, oder? Der katholische Mönch und Priester hatte für sich in der Überlieferung der Kirche also keine spirituelle Perle gefunden, die ihn interessieren konnte! Ihm war es zu eng im Rahmen der Tradition der christlichen Kirche. Die Worte Christi „ Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14, 6) verstand er offensichtlich so, dass es auch andere Wahrheiten und andere Wege zum Heil gäbe.
1958 gründete Griffiths zusammen mit Francis Acharya in Kerala in Südindien ein Kloster des Syrischen Ritus, genannt „Kurisumala Ashram“ („Kloster des Berg des Kreuzes“). Die Priester, die die indische Tradition der Sannyasins aufnehmen und die Atmosphäre eines christlichen Ashrams erschaffen wollten, trugen orange Gewänder (kavi), und Vater Bede nahm den Sanskrit-Namen Dhayananda („Seligkeit des Gebets“) an.
„Zur Grundlage der mystischen Praxis von Vater Bede wurde die advaitische Erfahrung (die Erfahrung der Nicht-Dualität des Weltgebäudes und der Kommunikation der Liebe zwischen Schöpfer und Schöpfung). Im Mai 1991 drückte er diese Erfahrung mit folgenden Worten aus: „Ich möchte meine advaitische Erfahrung mit euch teilen (…) Ich war mit Liebe überfüllt und versunken (…) Ich sah Gott in der Erde, in den Bäumen und in den Bergen (…) Das brachte mich zu der Überzeugung, dass es in der Welt weder das absolute Gute noch daы absolute Böse gibt“[10] – so die Erinnerung von Pascaline Coff, Gründerin des benediktinischen Osage-Ashrams in Sand Springs, Oklahoma, USA.
Viele versuchen, die Praktiken der Meditation und des inneren Tuns miteinander zu vergleichen und Parallelen zwischen ihnen zu ziehen. Wie oben erwähnt, ist in der Praxis der christlichen Meditation die Wiederholung verschiedener Worte (Formeln) möglich, die den Namen unseres Herrn und Heilands Jesu Christi gar nicht unbedingt enthalten, obwohl er doch Zentrum und Grundlage des inneren Tuns ist.
Bischof Kallistos (Ware) von Diokleia schreit über das Jesusgebet: „Seine kurze Formel manifestiert die zwei Hauptmysterien des christlichen Glaubens: Menschwerdung und Dreiheit. Vor allem spricht das Gebet von den zwei Naturen Christi, dem Menschgott – über seine menschliche Natur mit dem menschlichen Namen ‚Jesus‘, den ihm Maria nach seiner Geburt in Bethlehem gab, und über seine ewige Göttliche Natur als ‚Herr‘ und ‚ Sohn Gottes‘ verherrlicht wird. Außerdem weist das Jesusgebet auf die Drei Personen der Heiligen Dreiheit hin, denn die Ansprache an die zweite Hypostase, an Jesus als ‚Sohn Gottes‘, impliziert die Präsenz des Vaters, und der Heilige Geist ist präsent, da ‚niemand sagen kann: Herr Jesus! als nur im Heiligen Geiste‘ (1 Kor 12,3).“[11]
„Der Name des Sohnes Gottes“, heißt es im Hirten des Hermas (IX, 14), „ist groß und immens, und er hält die ganze Welt.“[12] Uns würde es vermutlich kaum gelingen, uns die Heiligen Mönche Sergius von Radonesch oder Seraphim von Sarow im orangen Gewand eines hinduistischen Sannyasin vorzustellen, wie sie mithilfe der Meditation (auch wenn sie christlich genannt wird) versuchen, die segensspendenden Gaben des Heiligen Geistes zu gewinnen.
Durchaus einzigartig ist auch folgende Aussage von Henri Le Saux OSB, Sannyasin, Freund und Kollege von Vater Bede Griffiths, in seinem Buch „Saccidananda: A Christian Approach to Advaitic Experience“, wo er sich über Jesus Christus äußert:
„Christus, über den ich predige, ist einfach der ‚ Ich bin‘ (der ‚ Seiende‘) in der Tiefe jedes Herzens. Er kann sich sowohl im tanzenden Shiva als auch im liebreichen Krishna äußern! Und sein Reich ist in dieser Entdeckung (…) der Entdeckung des inneren Grals! Die Erweckung ist eine Explosion! Keine Kirche wird danach weder Christus noch sich selbst erklären können!“[13]
Anscheinend sucht der Gläubige sowohl im Christentum als auch im Hinduismus nach der Vereinigung mit der Gottheit. Doch ist Gott für den Christen keinesfalls eine impersonale kosmische Kraft, und die Vereinigung mit Gott ist keine Auflösung in IHM unter Verlust der eigenen Persönlichkeit. Die christliche Vergöttlichung ist keine Veränderung der menschlichen Natur ins Göttliche in ihrem Wesen, sondern die Veränderung dank der Gnade Gottes, wo die Persönlichkeit des Menschen Gott ähnlich wird. Der Christ ist nicht der Meinung, dass er sich selbst aus eigener Kraft mit dem Schöpfer vereinigen kann, sondern bemüht sich um Selbstreinigung und bittet Gott dabei um Mithilfe. Eins der Hauptprinzipien des Heils in der Orthodoxie ist συνεργία (gr. συν – zusammen + εργος – wirkend, Wirkung).
Osho, also bekannt als Bhagwan Shree Rajneesh, auch der erleuchtete Meister unserer Zeit genannt, spricht über die Meditation wie folgt:
„Die Meditation bedeutet Seligkeit im Verharren in der Einsamkeit. Der Mensch wird erst dann wirklich lebendig, wenn er zur Einsamkeit fähig ist, wenn er von niemandem abhängig ist – von keiner Situation und von keinen Umständen.
Einsamkeit ist eine Blume, ein Lotos, der in deinem Herzen aufblüht. Einsamkeit ist die Freude, man selbst zu sein. Einsamkeit ist die Freude der Beherrschung des eigenen Raums.
Die innere Reise ist die Reise zur absoluten Einsamkeit.
Die Einsamkeit ist so tief, dass der Mensch Mut braucht. Doch blüht diese Einsamkeit mit der Seligkeit auf. Aus der Einsamkeit entsteht das Erlebnis Gottes. Es gibt keinen anderen Weg, es gab ihn nie und wird ihn nie geben.“[14]
„Prof. Johannes Aagaard (Dänemark), der mehrere Jahrzehnte lang über Yoga forschte (auch in Indien), bezeichnete diese als Kunst des Todes und Nuklearwaffe des Hinduismus in seinem Krieg gegen das Leben. Während der Christ sich auf den Tod vorbereitet, um auferweckt zu werden und ewig mit Christus zu leben, widmet der Yogi sein ganzes Leben, um vollkommen und auf immer zu sterben (oder, noch kürzer: der Christ stirbt, um zu leben, und der Yogi lebt, um zu sterben).“[15]
„Sannyasin zu sein bedeutet, eine Entscheidung zu fällen: die Entscheidung, ins Unbekannte zu gehen, die Entscheidung, ohne Entscheidungen zu leben. Es ist ein Sprung ins Unbekannte. Es ist keine Religion und mit keiner Religion verbunden. Es ist die Religiosität selbst“[16], sagt Osho.
Sicherlich ist es gut, wenn ein Mensch versucht, Askese zu üben. Schrecklich ist es aber, dass Menschen nach neuen Erlebnissen suchen. Die Meditation hilft dem Menschen, einen ekstatischen Zustand zu erreichen. Das philosophische Lexikon charakterisiert Meditation wir folgt: „Meditation ist eine Form der psychischen Aktivität, die den Menschen in besondere Trance-Zustände versetzt.“[17]
Mönchpriester Seraphim (Rose) in seinem Buch „Orthodoxie und die Religion der Zukunft“ charakterisiert diese spirituellen Zustände sehr prägnant: „Jeder, der die Natur der Prelest bzw. spiritueller Täuschung versteht, erkennt in der Beschreibung des ‚christlichen Yoga‘ genaue Charakteristika desjenigen, der spirituell vom Weg abgekommen ist – entweder zu heidnischen religiösen Erfahrungen oder zu sektiererischen ‚christlichen‘ Übungen. Dasselbe Streben nach ‚heiligen und göttlichen Empfindungen‘, dieselben Offenheit und Bereitschaft, vom gewissen Geist ‚entrückt‘ zu werden, dieselbe Suche nicht nach Gott, sondern nach dem ‚spirituellen Trost‘, dieselbe Selbstberauschung, die irrtümlicherweise für den ‚Zustand der Gnadengabe‘ gehalten wird, dieselbe unwahrscheinliche Leichtigkeit, mit welcher der Mensch zum ‚Praktiker der Kontemplation‘ bzw. ‚;Mystiker‘ wird, dieselben mystischen Offenbarungen und pseudospirituellen Zustände. Das sind allgemein prägende Merkmale desjenigen, der in diesen Zustand spiritueller Täuschung verfallen ist.“[18]
Die Römisch-Katholische Kirche nutzt die Erfahrung der drei Väter intensiv und hält sie für sehr bedeutsam im Leben der modernen Kirche. Auf dem 2. Vatikanischen Konzil in der Deklaration „ Nostra aetate“ verkündetet sie: „Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.“[19]
Als Fazit ist es notwendig folgendes zu sagen: Gott schuf alle Menschen in seinem Bilde, nach seinem Gleichnis. Deshalb sollen wir alle Menschen mit Liebe und Respekt behandeln. Laut den Worten des Heiligen Erleuchters Ignatios (Brjantschaninow): „Gewähre Ehre sowohl dem Blinden als auch dem Leprösen, dem Geisteskranken und dem Säugling, dem Kriminellen und dem Heiden. Was liegt dir an ihren Unvermögen und Mängeln? Beobachte dich selbst, damit du keinen Mangel an Liebe hast.“[20]
Doch auch wenn der Christ den Heiden als menschliche Persönlichkeit anerkennt, kann er seinen religiösen Einsichten nicht zustimmen. In Bezug auf das gemeinsame Gebet mit Häretikern besagen die apostolischen Regeln ganz deutlich: „Ein Bischof, ein Presbyter oder ein Diakon, der mit Häretikern [zusammen] gebetet hat, sollte einen Bann für die Kommunion bekommen. Versucht er aber, als Diener der Kirche zu wirken, sollte er exkommuniziert werden.“[21]
In anderen Religionen kann es nur „Nachklänge“ der wahren Religion geben, da bei einigen Nicht-Christen die Ansichten über Gott sich im Kontext der natürlichen Offenbarung geformt haben. Doch ist es für den Christen völlig unzulässig, religiöse Praktiken von Andersgläubigen am guten und heilsamen Weinstock des Christentums aufzupfropfen. Wir haben kaum genug Zeit, um das reiche spirituelle Erbe, das uns die Heiligen Väter hinterlassen haben, zu studieren und zu verstehen; wozu sollten wir dann, „ in ein fernes Land“ gehen und uns von „Träbern“ zu nähren[22]? Mögen wir im Hause unseres Vaters und für IHN allein arbeiten.
Literatur :
1. Анри ле Со. Духовный дневник. https://krotov.info/libr_min/12_l/les/o.htm
2. Благое сердце. Беседы с Далай Ламой об учении Иисуса / Перевод В.Г. Новикова. Киев: София, 2010.
3. Дворкин А. Л. Сектоведение. Тоталитарные секты. Н. Новгород: Братство во имя святого Александра Невского, 2003.
4. Декрет № 758/07 епископа Брешии Джулио Сангвинетти об утверждении Международного Общества Христианской Медитации (WCCM) Частным Сообществом Верных от 11 июля 2007 года // https://www.wccm.pl/index.php?id=278
5. Демченко М. Путь Сатчитананды. М.: Издательство «Ганга», 2008. https://www.portal-credo.ru/site/index.php?act=lib&id=2258
6. Документы II Ватиканского собора / Пер. А. Коваля М.: Паолине, 1998.
7. Игнaтий Брянчaнинoв, cвятитeль. Пoлнoe coбрaниe твoрeний. В ceми тoмaх. М.: Прaвилo вeры, 1993. Т. I: Acкeтичecкиe oпыты.
8. Каллист (Уэр), еписк. Сила Имени. Молитва Иисусова в православной духовности. https://krotov.info/history/20/krivova/ware10.html#p_5
9. Мейн Дж. Дух Великого поста. М.: б.и., 2007.
10. Ошо. Безмолвие ума. Как мысли заслоняют реальность. М.: ИГ «Весь», 2007.
11. Писания мужей апостольских. М.: Издательский Совет Русской Православной Церкви, 2003.
12. Правила Православной Церкви с толкованиями епископа Никодима (Милоша). В II-х томах. М.: Отчий дом, 2001. Т. I.
13. Серафим (Роуз), иеромонах. Приношение православного американца. Калифорния; М.: Братство Преподобного Германа Аляскинского; Российское Отделение Валаамского Общества Америки, 2003.
14. Творения аввы Евагрия. Аскетические и богословские трактаты / Пер., вступ. ст. и комм. А.И. Сидорова. М.: Мартис, 1994.
15. Фримен Л., о. Внутренний свет – путь христианской медитации. Киев: Кайрос, 2010.
16. Фримен Л., о. Монашество в мире. Традиция бенедиктинской облатуры сегодня // https://www.wccm.org.ua/osb_oblate.html
17. Эзoтeризм. Энциклoпeдия. Минcк: Книжный Дoм, 2002
18. https://www.shantivanam.info/page/intro.html
19. https://www.oshosatori.ru/ru/sanenter/oshosan.html
[1] «Христианская Медитация» (материал для СМИ) https://wccm.ru/cms/index.php?page=61
[2] Фримен Л., о. Монашество в мире. Традиция бенедиктинской облатуры сегодня // https://www.wccm.org.ua/osb_oblate.html
[3] https://www.wccm.pl/data/www.wccm.pl/download/decret_wccm.pdf
[4] https://www.wccm.org.ua/cms/index.php?page=5
[5] Творения аввы Евагрия. Аскетические и богословские трактаты / Пер., вступ. ст. и комм. А.И. Сидорова. М.: Мартис, 1994. С. 284.
[6] Ebenda.
[7] Henri Le Saux, Jules Monchanin, Bede Griffiths. (Anm.d. Ü.)
[8] S. Diskussion auf dem Internet-Forum: https://bolshoyforum.org/forum/index.php?topic=5648.0
[9] https://www.shantivanam.info/page/intro.html
[10] https://krotov.info/spravki/persons/20person/1906grifits.htm
[11] Каллист (Уэр), еписк. Сила Имени. Молитва Иисусова в православной духовности . https://krotov.info/history/20/krivova/ware10.html#p_5
[12] Zit. nach: Писания мужей апостольских. М.: Издательский Совет Русской Православной Церкви, 2003. С. 272.
[13] Анри ле Со. Духовный дневник. https://krotov.info/libr_min/12_l/les/o.htm
[14] https://anahata-swami.narod.ru/osho-meditation.html#top1
[15] Дворкин А. Л. Сектоведение. Тоталитарные секты. Н. Новгород: Братство во имя святого Александра Невского, 2003. С. 277 – 278.
[16] Ошо,«Медитация- искусство экстаза». https://www.oshosatori.ru/ru/sanenter/oshosan.html
[17] https://vslovare.ru/slovo/filosofskiij-slovar/meditatzija/270572
[18] Серафим (Роуз), иеромонах. Приношение православного американца. Калифорния; М.: Братство Преподобного Германа Аляскинского; Российское Отделение Валаамского Общества Америки, 2003. С. 381.
[19] https://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decl_19651028_nostra-aetate_ge.html
[20] Игнaтий Брянчaнинoв, cвятитeль. Пoлнoe coбрaниe твoрeний. В ceми тoмaх. М.: Прaвилo вeры, 1993. Т. I: Acкeтичecкиe oпыты. С. 370.
[21] 45-е правило святых Апостолов. Правила Православной Церкви с толкованиями епископа Никодима (Милоша). В II-х томах. М.: Отчий дом, 2001. Т. I. С. 45.
[22] Lk 15, 14-16. (Anm.d.Ü)
Balachnin, Andrey, Diakon