Liebe Brüder und Schwestern!
Es gibt im Leben Momente, in denen wir uns die Frage stellen, ob das, was wir bisher getan haben, uns erfüllt. Wir haben vielleicht eine berufliche Karriere durchlaufen, eine Familie gegründet, Kinder großgezogen, Haus gebaut, Bäume gepflanzt.
Doch irgendwann steht man davor und ist am Zweifeln, ob das alles war oder wir eigentlich eine besondere Bestimmung, eine Berufung haben, die uns bislang nicht weiter beschäftigte, von der wir nichts wussten, nichts merkten. Plötzlich oder auch nach langem Suchen stellen wir fest, dass wir eigentlich zu etwas berufen sind, was wir bislang gar nicht in Betracht gezogen haben.
Genau so erging es Petrus in der heutigen Geschichte. Er war ein erfahrener Fischer. Er wusste, dass infolge dessen, dass er in der Nacht nichts gefangen hatte, es eigentlich nach menschlichem Ermessen sinnlos war, noch einmal auf den See hinauszufahren. Doch er hörte auf Christus, der ihm den Rat gab, dieses noch einmal zu versuchen. Der entscheidende Punkt war also, dass sich Petrus nicht verschloss.
Wie häufig treffen wir die Auffassung an „Das haben wir ja immer schon so gemacht!“ Diese hindert uns, neue Wege zu beschreiten, die uns neue Perspektiven eröffnen. Es gibt einen schönen Spruch dazu „Alle sagten, dass es nicht gehen würde, aber dann kam einer und machte es einfach!“
Genau wie Petrus sich dem ungewöhnlichen Ratschlag nicht verschloss und dann Erfolg hatte, denn der Fischfang war überreichlich, so kann es auch uns helfen, dass, wenn wir neue Perspektiven einnehmen, wir auch neue Ziele erreichen.
Mit diesem Erfolg des Petrus beim Fischfang legte Christus die Grundlage dafür, dass sich Petrus dann auch ihm anschloss, um mit Jesus zusammen neue Wege zu gehen. Von einem einfachen Fischer wurde er zu einem der Erstapostel! Sein neues Wirken hatte eine völlig neue Dimension, denn hier ging es nicht mehr nur darum, mit seiner Arbeit sich und anderen das Essen für das Leben zu besorgen. Nein, hier ging es nun darum, Menschen auf den Weg der Errettung in das ewige Leben zu führen!
Und so kann es passieren, dass auch Jesus bei uns quasi anklopft und uns aufruft, dass wir über das irdische Wirken, welches wir tun, hinauswachsen und unsere Kraft für die Kirche und die Gemeinde einsetzen.
Das kann zum Beispiel der Dienst an Bedürftigen sein. Jeder, der Hilfe benötigt, ist darüber froh, wenn er Unterstützung bekommt. Das können Einkäufe für ältere oder kranke Menschen oder auch das kann das Aufsuchen von Kranken oder Bedürftigen sein.
In der Gemeinde selbst gibt es viele Möglichkeiten. Hier in unserer Kirche haben wir eine Reihe von Arbeitsgruppen, in denen verschiedenste Talente eingebracht werden können.
Das können Mithilfe bei den Unterhaltsarbeiten der Kirche sein, das kann das Mitgestalten von Veranstaltungen sein, das Backen von Prosphoren, die Erhaltung von Sauberkeit und vieles mehr.
Auch die Gestaltung von Katechese und Sonntagsschulen sind bei geeigneten Fähigkeiten Betätigungsfelder. Pädagogisches Geschick und Kenntnisse des orthodoxen Glaubens sind hier wichtige Voraussetzungen.
Für den Gottesdienst selbst werden Lektoren und der Chor benötigt. Was für eine Berufung, Gott in Wort und Gesang zu preisen!
Und nicht zuletzt die Kirchendiener selbst. Sich dazu zu entscheiden, Diakon oder gar Priester zu werden, ist ein großer, tiefgreifender Schritt. Auch das kann eine Berufung sein.
Petrus war in dem Moment, als er sich entschied, mit Christus zu gehen, noch nicht klar, was ihn erwarten würde. Es war ein Schritt ins Ungewisse. Doch er vertraute auf Gott. Er wird später noch mehrfach erfahren müssen, was passiert, wenn er das Gottvertrauen verliert. Denken wir zum Beispiel an sein Laufen über den See, als er beim Zweifeln zu sinken anfing.
Doch in dem Moment ging durch ihn ein Ruck und er schloss sich Christus an. Der Weg war dann ein langer und beschwerlicher. Ein Weg mit Rückschlägen. Doch letztendlich war es der richtige Weg und führte zu einem weit größeren Ziel, als das er sich das als einfacher Fischer hätte vorstellen können.
Bevor sich Petrus dazu entschied, bekannte er Christus, dass er ein Sünder war. Dies ist eine wichtige Vorbedingung dafür, dass er sich für Gott öffnete und dann den zweiten Schritt der Nachfolge Christi ging.
Was lernen wir also aus dem heutigen Evangelium vom großen Fischzug des Petrus, von seiner Berufung?
Erkennen wir unsere eigene Fehlbarkeit, unsere eigene Sündhaftigkeit. Überwinden wir damit unseren Stolz, Egoismus und Selbstzufriedenheit.
Suchen wir nach Möglichkeiten, unsere Kräfte zu guten Taten zu verwenden, zum Wohle von Bedürftigen, zur Unterstützung der Gemeinde und der Kirche.
Prüfen wir, welche wahrhafte Berufung wir haben.
Wenn wir diese gefunden haben, gehen wir mit Gottes Hilfe diesen Weg.
Amen!