Predigt zum 13. Sonntag nach Pfingsten über die bösen Weingärtner (Mt 21, 33-42), 30.08.2026

Liebe Brüder und Schwestern,

das heutige Evangelium von den bösen Weingärtnern ist auf den ersten Blick eine kurze Zusammenfassung des Alten Testamentes. Viele heilige Väter beschreiben dies in ihren Auslegungen.

Der Hausherr pflanzt den Weinberg als Symbol für Gott, der die Welt schuf. Der Zaun darum stellt das Gesetz Mose, dass das Volk vor dem Heidentum abgrenzte, dar. Der Kelter ist der Altar, auf dem die Früchte dargebracht wurden, der Turm das Gewissen, das über den gottgefälligen Lebenswandel wacht. Dass der Herr außer Landes ging, steht dafür, dass Gott seinem Volk das Gelobte Land nach dem Auszug aus der ägyptischen Gefangenschaft übergab.

Soweit das Setup, doch was passierte dann damit?

Als die Ernte kommen sollte, der Herr also die Ergebnisse des Tuns der Winzer erwartete, schickte er seine Knechte. Gott sandte die Propheten, die gesteinigt und getötet wurden. Im Finale sandte er dann seinen Sohn, in der Hoffnung, dass die Winzer vor ihm Respekt haben. Aber – wie wir wissen – wurde Jesus Christus dann von ihnen ans Kreuz geschlagen.

Kurzum, das Gleichnis ist also eine sehr komprimierte Darstellung der Alttestamentarischen Geschichte und des Wirkens Christi.

Doch ist damit der Sinn dieses Gleichnisses erschöpft? Was heißt das für uns heute?

Wenn wir genau analysieren, was in dem heutigen Evangelium steht und mit unserer heutigen Zeit vergleichen, dann stellen wir fest, dass das darin geschriebene aktueller denn je ist.

Der neuzeitliche Weinberg ist nichts anderes als die Kirche. Wir haben genau den Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren, die Menschen zu Gott, zur Errettung zu führen. Wir bringen unser Opfer, unsere Früchte, Gott dar, wir bekommen von ihm dafür die Lebensspendenden Gaben, die wir in der Liturgie als Eucharistie, als Kommunion gereicht bekommen.

Wir müssen eigentlich einfach nur kommen und mit gereinigtem Herzen uns auf den Empfang vorbereiten. Auch in der heutigen Zeit verkünden wir Gott, wie es damals die Gesandten taten. Und leider ist auch heutzutage die Reaktion darauf – vorsichtig formuliert – übersichtlich. Die Menschen haben an Gott kein Interesse und teilweise ist die Einstellung denen gegenüber, die sich zum Christentum bekennen oder gar dieses missionieren, feindselig.

Damit ist das Gleichnis nicht nur für die Vergangenheit gültig, sondern auch für die gesamte Menschheitsgeschichte, einschließlich der Zeit, in der wir leben.

Was ist nun zu tun, was ist das, was wir mitnehmen sollten?

Hier ist Jesus klar in seiner Aussage, die wir nach dem Schluss des Gleichnisses lesen:

„Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: «Der Stein, den die Bauleute verwarfen, dieser ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn her ist dies geschehen, und es ist wunderbar in unseren Augen.»?“

Dieser Ausspruch stammt aus dem Psalm 117, in dem dazu aufgerufen wird, den Herrn zu bekennen. Etwas ähnliches finden wir auch beim Propheten Jesaja, welcher sagt:

„Siehe, ich lege in Zion einen Stein zur Grundlage, einen bewährten Stein, einen Eckstein, kostbar, fest gegründet; wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ (Jes 28,16)

Was ist also nun mit einem Eckstein gemeint?

Beim Hausbau oder auch anderen Bauvorhaben ist es absolut wichtig, den ersten Stein genau zu setzen. Der Stein selbst muss so beschaffen sein, dass er dafür qualitativ geeignet ist, dass alle anderen Steine, die das Fundament bilden, nach ihm ausgerichtet werden können.

Zudem muss er genau gesetzt sein, in der Waage liegen und richtig ausgerichtet sein, damit dann der ganze Bau eine ordentliche Grundlage dafür hat, dass er insgesamt korrekt errichtet werden kann. Christus ist dieser Eckstein für unser Leben.

Der Heilige Maximus der Bekennter führt dazu aus:

„Der Stein, den die Baumeister, die Priester und Führer des jüdischen Volkes zurückgewiesen haben, wurde zum Grundstein der Gemeinde. Nach der heiligen Schrift bezeichnet die ‚Ecke‘ die Kirche. So wie ein Winkel zwei Wände miteinander verbindet und sie durch ein untrennbares Band zusammenhält, so ist die heilige Kirche zur Einheit zweier Völker geworden – der Heiden und der Juden. Durch die eine Glaubenslehre vereinigt sie sie und führt sie zu einer beständigen Einmütigkeit; ihr Eckstein ist Christus, der das Haupt des gesamten Leibes ist.“

Nur wenn wir Christus als diesen Eckstein in unserem Lebensgebäude haben, dann werden wir dieses auch richtig errichten können. Nur wenn wir auf der Basis des apostolischen Glaubensbekenntnisses unser Leben aufbauen, wird es auch zum Ziel, zu unserer Errettung führen.

Viele Bauleute ihres Lebens verwerfen diesen Eckstein, sie brauchen ihn nicht, sie verbannen Christus aus ihrem Leben. Doch im Lukas-Evangelium, in dem dasselbe Gleichnis beschrieben ist, ist diese Aussage betreffs des Eckesteines noch drastischer:

„Jeder, der auf jenen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen auch immer er aber fallen wird, den wird er zermalmen.“ (Lk, 20,18)

Wenn wir also unser Leben nicht auf Christus bauen, wenn das sozusagen auf uns zurückfällt, dann wird das Konsequenzen haben, wie eindringlich vom Evangelisten Lukas beschrieben.

Nehmen wir deshalb dieses heute gehörte Gleichnis als dringliche Ermahnung dafür, unser Leben auf Christus als dessen Basis aufzubauen.

Amen.

Jahr:
2026
Orignalsprache:
Deutsch