Liebe Brüder und Schwestern,
Christus ist auferstanden!
Die heutige Lesung von der Samariterin ist sehr umfangreich und bietet Stoff nicht nur für eine Predigt, sondern für eine Vorlesung über den orthodoxen Glauben.
Das Kondensat dieser Bibelstelle finden wir im heutigen Festlied, dem Kondakion des Triodions, dem der Samariterin:
„Mit Glauben kam die Samariterin zum Brunnen und schaute dich, das Wasser der Weisheit; von dem reichlich getränkt, auf ewig das Königtum droben erloste die Besungene.“
Obgleich die Samariterin ein – aus damaliger und auch heutiger Sicht betrachtet – nicht sehr ehrenvolles Leben führte, war sie auf der Suche nach etwas bestimmtem.
Einerseits auf der Suche nach demjenigen, der sie im weltlichen Leben begleitete. Diese war leider von Misserfolgen geprägt, sie hatte keinen dauerhaften Erfolg, eine glückliche Ehe einzugehen. Andererseits war sie auf der Suche nach der Errettung und tat dieses im Rahmen des in ihrer Umgebung vorherrschenden Glaubens, sie war ja eine Samariterin. Doch auch hier bislang nur Misserfolg!
Bis dass sie Denjenigen traf, welcher der Erretter ist. Sie brauchte eine Weile, bis das sie verstand, mit Wem sie sich unterhielt. Doch als sie erkannte, dass es der Erretter war, der ihr nicht nur normales Wasser brachte, sondern das Wasser der Errettung, das Wasser der Weisheit, schloss sie sich ihm an. Noch mehr, sie verkündete dies der gesamten Stadt, in der sie lebte.
Kommt uns das alles bekannt vor? Bestimmt, um nicht zu sagen: mit Sicherheit. Auch in unserem Leben kommt es vor, dass wir auf der Suche sind. Auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin, mit denen wir zusammen unseren Lebensweg gehen, mit denen wir zusammen Höhen und Tiefen erleben, mit denen wir aber auch unsere Überzeugungen und unseren Glauben teilen.
Und nicht immer gelingt uns das sofort. Selbst, wenn das dann geklappt hat, stellen wir fest, dass der Sinn des Lebens noch etwas Tieferes beinhaltet, dass es nach dem Hiersein auf der Erde auch noch mehr geben muss, etwas, was darüber hinausgeht.
Und dann geht die Suche nach dem „Wasser der Weisheit“ weiter.
Diese kann lange dauern, Irrwege beinhalten. Doch Ausdauer und ein offenes Herz machen es möglich, dass Gott in dieses eindringen kann, und wir das finden, was wir gesucht haben.
Um so größer die Freude, wenn wir das gefunden haben, was wir suchten. Und es ist eine besondere Zeit für all diejenigen, die dann in die orthodoxe Kirche aufgenommen werden. Sei es durch die Taufe oder, wenn aus anderen Konfessionen kommend, durch die Myronsalbung oder die Beichte mit dem entsprechenden Aufnahmeritus.
In dieser ersten Zeit beginnt ein Brennen für den Glauben. Man möchte die ganze Welt umarmen, man möchte allen mitteilen, was man erfahren hat, man möchte, dass möglichst alle um uns herum die gleiche Erfahrung machen, den gleichen Weg gehen. Man möchte am liebsten alle bekehren. Nun, wichtig ist, dieses anfängliche Feuer weiter zu unterstützen, damit es sich nicht lediglich als ein Strohfeuer erweist.
Weiter unterstützen heißt, Beständigkeit zeigen. Beständigkeit im Gebet, Beständigkeit im Besuch des Gottesdienstes, Beständigkeit in den Fasten, Beständigkeit darin, sich zu verbessern und das Leben auf Gott auszurichten.
Jesus Christus sagte zu seinen Jüngern:
„Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden.“
Es ist also kein Sprint, den wir vor uns haben, es ist eher ein Marathon.
Diesen Marathon können wir nur absolvieren, in dem wir trainieren. Trainieren heißt, diese Beständigkeit, wie oben gesagt, sich anzueignen. Das heißt auch, seine Kräfte einzuteilen, um diese nicht nur auf ein kurzfristiges Strohfeuer zu konzentrieren und dann zu erschlaffen. Das heißt aber auch, immer wieder sich neue Kraft, neue Wegzehrung zu besorgen. Diese Wegzehrung ist die Kommunion. Nur wenn wir diese regelmäßig zu uns nehmen, werden wir auch dauerhaft die Kraft bekommen, die wir auf diesem Weg zu Gott brauchen.
Mit der Kommunion verbunden ist die Reinigung unseres Geistes und unserer Seele. In den Gebeten zur Vorbereitung auf die Kommunion heißt es:
„Reinige mich von jeglicher Befleckung des Leibes und der Seele, und lehre mich, die Heiligung in Deiner Furcht zu vollbringen, dass ich mit gutem Zeugnisse meines Gewissens den Teil Deiner Heiligung empfange und mit Deinem heiligen Leib und Blute vereinigt werde, auf dass Du in mir wohnest und lebest mit dem Vater und dem Heiligen Geiste. Herr Jesus Christus, mein Gott, lass mir die Teilnahme an Deinem heiligsten und lebendigmachenden Sakrament nicht zum Gericht werden, dass ich nicht noch mehr erkranke an Leib und Seele, wenn ich unwürdig teilnehme.“
Wir gehen also gereinigt zur Kommunion mit Frieden in unserer Seele und mit den uns Nahestehenden. Dies geschieht durch die Buße bzw. die Beichte, die dann erfolgen, wenn wir merken, dass wir etwas tun müssen, bevor wir zur Kommunion gehen.
Dieses sich wiederholende Stärken durch die Kommunion und das sich darauf vorbereiten geben uns Training und Stärke auf dem Weg zu Gott.
Lassen wir uns also von der Samariterin inspirieren, das Wasser der Weisheit – Jesus Christus zu finden und Ihn in unser Herz aufzunehmen. Gehen wir diesen Weg weiter durch regelmäßige Kommunion!
Amen.