Liebe Brüder und Schwestern,
heute verherrlichen wir das Kreuz, auf dem unser Herr Jesus durch Sein heilbringendes Leiden die Welt erlöst hat. Das lebensspendende Kreuz Christi wurde auf geheimnisvolle Weise im Alten Testament angekündigt und findet im Neuen Testament seine Erfüllung. Es folgt nun eine Aneinanderreihung der wichtigsten allegorischen Weissagungen über das Kreuz Christi:
- Das Kreuz Christi ist der wiederhergestellte „Baum des Lebens“ aus dem Garten Eden (s. Gen. 2:9; vgl. Offb. 2:7)
- Abraham legte das Holz zum Brandopfer auf die Schultern seines Sohnes Isaak, welcher dieses als prototypische Darstellung des Sein Kreuz tragenden Christus zur Opferstätte auf seine Schultern geladen hatte (s. Gen. 22:6)
- Jakob segnete die Söhne Josefs Manasse und Ephraim, indem er seine Hände über Kreuz legte und so prophetisch andeutete, dass der jüngere Sohn (das Neue Israel, bestehend aus Heiden) dem älteren Sohn (dem Alten Israel, also den Juden) bei der Berufung durch Gott vorangehen werde (s. Gen. 48:13-14, 19-20)
- die Himmelsleiter stand auf der Erde und berührte mit ihrer Spitze den Himmel, wodurch sie ebenfalls das Kreuz Christi voraus bildete (s. Gen. 28:12)
- der Stab des Mose war eine Waffe Gottes in seinen Händen gegen den Unglauben des Volkes (s. Ex. 4:1-8,17)
- der Stab Aarons verschlang, in eine Schlange verwandelt, vor den Augen des Pharaos die zu Schlangen verwandelten Stäbe der ägyptischen Weisen und Zauberer (s. Ex. 7:8-12) und deutete dadurch den Sieg des Kreuzes Christi an
- durch eine senkrechte Handbewegung teilte Moses das Meer und durch eine waagrechte Handbewegung ließ er auf Gottes Geheiß die Wasser wieder zusammenfließen. Es war die Andeutung dessen, dass die Macht des Widersachers durch das Kreuz Christi in der Taufe gebrochen werden würde (s. Ex. 14:21,26-27)
- der Stab Aarons, welcher Blüten trieb und Knospen hervorbrachte, war ein prophetisches Sinnbild des neuen Baumes des Lebens (s. Num. 17:16-28)
- die auf einer Holzstange zu Zeiten Mose befestigte eherne Schlange sicherte das Überleben derer, die von feurigen Schlangen in der Wüste gebissen wurden (Num. 21:6-9) und diente dadurch als weiteres Urbild des lebensspendenden Kreuzes des Herrn
- in der Wüste Sin schlug Moses mit dem Stab gegen den Felsen, sodass Wasser für das dürstende Volk herausfloss (s. Ex. 17:1-7; vgl. Joh. 19:34)
- in Refidim behielt das von Josua angeführte Heer der Israeliten immer dann die Oberhand gegen die Amalekiter, wenn Moses seine Hände (zum Zeichen des Kreuzes) waagrecht erhob (s. Ex. 17:9-14)
- der Psalmist König David deutet das Kreuz Christi solcherart prophetisch an: „Erhöht den Herrn, unseren Gott, und huldigt dem Schemel Seiner Füße, denn heilig ist er“ (Ps. 98:5) und: „Gott ist unser König vor aller Zeit; Er hat Errettung gewirkt inmitten der Erde“ (Ps. 73:12)
Zur Historie der Weltweiten Erhöhung des Kostbaren und Lebensspendenden Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus ist, in aller Kürze, folgendes bekannt: Der erste christliche Kaiser des Römischen Reichs, der heilige Apostelgleiche Konstantin der Große (+337), wollte unter allen Umständen das Kreuz des Herrn in Jerusalem auffinden. Doch die Stadt war im Jahre 70 n. Chr. unter dem Feldherren Titus dem Erdboden gleichgemacht worden und im zweiten Jahrhundert wurde an ihrer Stelle die heidnische Stadt Aelia Capitolina errichtet. Am Ort der Kreuzigung und der Auferstehung des Herrn wurde ein Venus-Tempel errichtet, inmitten dessen eine riesige Zeus-Statue stand. Der heilige Konstantin hatte zum Zwecke der Auffindung des Kreuzes des Herrn seine Mutter, die betagte Kaiserin Helena (+327), im Jahre 326 ins Heilige Land entsandt. Als diese in Jerusalem ankam, ließ sie alle Tempelanlagen niederreißen und umgehend nach dem Kreuz des Herrn suchen, jedoch ohne Erfolg. Dann erhielt sie den Hinweis, dass ein älterer Mann in der Stadt namens Judas möglicherweise Kenntnis vom Aufenthaltsort des Kreuzes habe. Als die Apostelgleiche Kaiserin diesen rufen ließ, zeigte dieser ihr gegen ein üppiges Entgelt eine Höhle, in der drei Kreuze lagen, daneben Nägel und die Tafel mit der Kreuzinschrift, die Pilatus über dem Kreuz des Herrn anfertigen ließ. Es war aber nicht ersichtlich, welches der drei das Kreuz des Herrn war. Als nun eine Begräbnisprozession an diesem Ort vorbeizog, legte man zunächst das erste, dann das zweite Kreuz über den Leichnam, jedoch ohne, dass etwas geschah. Als das dritte Kreuz über den Toten gehalten wurde, wurde dieser wieder zum Leben erweckt. Judas, der den Hinweis auf den Fundort gegeben hatte, wurde daraufhin gläubig und ließ sich umgehend unter dem Namen Kyriakos taufen. Er wurde später Bischof von Jerusalem und starb als Märtyrer (+363; Gedenktag ist der 28. Oktober) während der Verfolgung unter Kaiser Julian Apostata (+363). Kaiser Konstantin ließ am Ort der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn eine große Kirche errichten, die am 13. September des Jahres 335 eingeweiht wurde. Am Tag darauf wurde erstmals das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert. Damit wurde an die Erhöhung des Kreuzes erinnert, welches die vielen zum Ort der Auffindung zusammengeströmten Menschen aus der Entfernung verehrten und dabei „Kyrie eleison“ sangen. Eben daran erinnert der heutige Festtag. Amen.