Liebe Brüder und Schwestern,
wenn wir das Fest aller Heiligen begehen, erinnern wir uns an die Worte des Herrn: „Amen, amen, Ich sage euch: Wer an Mich glaubt, wird die Werke, die Ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn Ich gehe zum Vater“ (Joh. 14:12). Heilige sind Menschen, die nicht bloß „gute“ oder aus philanthropischer Sicht „großartige“ Dinge getan haben, sondern nach dem Willen Gottes gelebt und gehandelt haben. Dies kann sowohl auf Personen zutreffen, welche im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stehen, als auch auf solche, welche sich den Blicken der Außenwelt entzogen haben. Sie alle haben jedoch eines gemeinsam, dass sie nämlich gleichsam mit dem Menschensohn sprachen: „Nicht Mein, sondern Dein Wille soll geschehen“ (Lk. 22:42; vgl. Mt. 26:39; vgl. Mk. 14:36). Nur so konnten sie die Werke, die Er vollbrachte, auch vollbringen. Nur so! Sie verfügten zumeist nicht über außergewöhnliche natürliche Begabungen, die für die Erlangung der Heiligkeit als solche völlig unerheblich sind. Ihre Stärke bestand darin, dass sie bei allem, was sie sich von Gott erflehten, im Namen Christi baten (s. Joh. 14:13-14). Und wer im Namen Christi bittet, wird das Erwünschte auch erhalten, wenn er in der Tiefe des Herzens sagt: „Wie Du es willst, Herr, nicht wie ich es will!“
Darin kann auch unsere Stärke in dieser für uns so schwierigen Welt liegen. Niemand kann sich darüber freuen, was sich in der Welt im Großen und im Kleinen abspielt, aber wir sind von Gott (s. 1 Joh. 5:19). Wenn also diese Welt aus dem Ruder gelaufen zu sein scheint, ist hier dennoch nichts dem Zufall überlassen. Es gibt einen Weltenherrscher – Jesus Christus (s. Mt. 28:18b). Nichts geschieht ohne Seinen Willen oder ohne Sein Zulassen. Wer die Bibel des Alten und des neuen Testamentes liest, wer selbst ein Leben im Gehorsam der Kirche und in der Ergebenheit dem göttlichen Willen gegenüber führt, der weiß, dass „Gott bei denen, die Ihn lieben, alles zum Guten führt“ (Röm. 8:28). Skeptiker werden sagen, dass dies nachweislich nicht so ist: „Wie viele Gläubige haben zu Lebzeiten enorm viel Not erduldet und sind von Gott nicht von ihrem irdischen Leid erlöst worden!?“... Aus irdischer Sicht mag das (in manchen Fällen) so sein. Aber sehen wir einfach, was die zitierte Stelle aus dem Römerbrief im inneren Zusammenhang aussagt: „Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld! So nimmt Sich auch der Geist unserer Schwachheit an, denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist Selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, die wir nicht in Worte fassen können. Und Gott, Der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein. Wir wissen, dass Gott bei denen, die Ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach Seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die Er im voraus erkannt hat, hat Er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt Seines Sohnes teilzuhaben, damit Dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. Die aber, die Er vorausbestimmt hat, hat Er auch berufen, und die Er berufen hat, hat Er auch gerecht gemacht; die Er aber gerecht gemacht hat, die hat Er auch verherrlicht“ (Röm. 8:24-30).
An die erwähnten Skeptiker richten sich darüber hinaus besonders die folgenden Worte des Apostels Paulus: „Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen“ (1 Kor. 15:19).
Wer alle diese Worte verinnerlicht, der weiß, dass sich unsere Hoffnung noch erfüllen muss, wozu Gott von uns Geduld abverlangen wird. Aber die größte Hoffnung besteht doch darin, dass der Heilige Geist für uns eintritt, und zwar mit Seufzen, die wir nicht in Worte fassen können!!! Er ist der Paraklet, der Tröster, durch dessen Beistand die Schwachheit der Menschen zu gottgefälligen Werken fähig ist. Er heiligt die Menschen, die durch Seine Gnade erfüllt sind (s. 1 Kor. 6:19) – wofür zuvörderst die Gottesmutter beredtes Zeugnis ablegt (s. Lk. 1:28,35,42,48-49). Und durch den Beistand des Trösters entsteht die „Frucht“ der Kirche – die Heiligen. Christus sagt nämlich: „Ich bin der wahre Weinstock und Mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an Mir, die keine Frucht bringt, schneidet Er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt Er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das Ich zu euch gesagt habe. Bleibt in Mir, dann bleibe Ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in Mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in Mir bleibt und in wem Ich bleibe, der bringt reiche Frucht: denn getrennt von Mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in Mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. Wenn ihr in Mir bleibt und wenn Meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und Meine Jünger werdet“ (Joh. 15:1-8).
Gott der Vater wird also in den Heiligen verherrlicht (s. Ps. 67:36; 88:8). Die Heiligen können Gott um alles bitten, und Er wird es ihnen gewähren, weil sie in Christus bleiben und weil Seine Worte in ihnen bleiben! Also muss das auch unser Wille, unser Ziel und unser Anspruch sein. Nichts anderes impliziert auch das Fest Aller Heiligen, das genau eine Woche nach dem Gründungsfest der Kirche, der Ausgießung des Heiligen Geistes, begangen wird. Amen.