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Des heiligen Antonius des Großen Weisungen über die menschlichen Sitten und den guten Lebenswandel

77. Der Entzug der irdischen Annehmlichkeiten macht die Männer und Wettkämpfer dazu würdig, von Gott gekrönt zu werden. Also muß man in diesem Leben seine Glieder für alles Irdische abtöten. Der Tote nämlich sinnt nicht auf irgendetwas Irdisches.
78. Es geziemt der vernünftigen und kampfbereiten Seele nicht, sich vor den anstürmenden Leidenschaften gleich zu ducken und zu ängstigen, damit sie nicht als ängstlich verlacht werde. Von den irdischen Phantasien verwirrt, entäußert sich die Seele des Geziemenden (entfernt sich die Seele von ihren Pflichten). Die Tugenden der Seele nämlich machen uns der ewigen Güter würdig; die selbsterwählte Bosheit aber ist die Ursache der Strafen.
79. Der vernünftige Mensch, wird von seelischen Leidenschaften von den in ihm wirkenden gedanklichen Sinneswahrnehmungen angegriffen. Es gibt nun fünf körperliche Sinneswahrnehmungen: den Gesichtssinn, den Geruchsssinn, das Gehör, den Geschmackssin und den Tastsinn; über diese fünf Sinne wird die elende Seele, die  ihren eigenen vier Leidenschaften unterliegt, gefangen genommen. Die vier Leidenschaften der Seele sind: Ehrsucht (Eitelkeit), Vergnügungssucht, Zorn und Angst. Wenn nun der Mensch mit Einsicht und Überlegung gut gekämpft hat, wird er die Leidenschaften niederzwingen und besiegen, und dann wird er weiterhin nicht mehr angegriffen werden, sondern Frieden in der Seele haben und von Gott als Sieger gekrönt werden.
80. Unter denen, die in einer Herberge nächtigen, gibt es einige, die Betten genommen haben, andere haben kein Bett, sondern liegen auf dem Boden und schlafen aber nicht schlechter als jene in den Betten. Nach dem Verlaufe der Nacht (aber) verlassen sie die Lager der Herberge und gehen gemeinsam heraus, indem sie nur das Ihre mit sich nehmen; ebenso verhält es sich bei denjenigen, die im irdischen Leben wandeln - sowohl die, die bescheiden leben als auch die, die in Pracht und Reichtum leben - sie verlassen die Herberge des irdischen Lebens, indem sie nichts von den Genüssen des irdischen Lebens und vom Reichtum mit sich nehmen außer ihren eigenen Werken - den guten oder schlechten, die von ihnen in ihrem Leben vollbracht wurden.
81. Wenn du eine Fülle von Macht besitzt, bedrohe nicht leichtfertig jemanden mit dem Tode, erkennend, daß gemäß der Natur auch du dem Tode unterliegst, und daß die Seele den Körper wie einen alten (...........) Mantel auszieht. Dieses deutlich verstehend, befleißige dich der Sanftmut und - gut handelnd - danke allenthalben  Gott. Wer nämlich nicht erbarmend ist, der hat keine Tugend in sich.
82. Dem Tod zu entfliehen, ist gänzlich unmöglich. Dieses erkennen die in Wahrheit vernünftigen Menschen, die dies in der Übung der Tugenden und im Gottliebenden Denken erfahren, und sie erwarten den Tod ohne Seufzen, Furcht und Klagen, da sie seine Unausweichlichkeit und die Erlösung von den irdischen Schlechtigkeiten bedenken. Sie treten dem Tod ohne Stöhnen, Angst und Weinen gegenüber, indem sie bedenken, daß er einerseits unausweichlich ist, und andererseits von dem Schlechten, dem wir in diesem Leben ausgesetzt sind, erlöst.
83. Diejenigen, die den guten und gottgefälligen (Lebens-) Wandel vergessen haben und nicht gemäß den richtigen und gottliebenden Lehren denken, soll man nicht hassen, sondern vielmehr bedauern, als solche, die in ihrem Unterscheidungsvermögen und in ihrem Herzen und Verstand erblindet sind. Denn, indem sie das Schlechte anstelle des Guten annehmen, gehen sie durch ihre Unwissenheit zugrunde. Und Gott kennen sie nicht, - die Dreimal-Elenden und in der Seele Unverständigen.
84. Führe nicht mit jedem Gespräche über das fromme und gute Leben. Nicht aus Neid spreche ich so, sondern ich meine, du wirst (sonst) vor einem Unverständigen als lächerlich erscheinen. Der Ähnliche empfindet mit dem Ähnlichen, aber für solche Gespräche gibt es wenige Zuhörer, oder genauer: Sie sind überaus selten. Besser ist es nicht zu sprechen, denn nicht dieses will Gott zur Rettung des Menschen.
85. Die Seele leidet mit dem Körper mit, aber der Körper leidet nicht mit der Seele. So leidet, wenn der Körper zerschnitten wird, mit ihm auch die Seele, und, wenn der Körper stark und gesund ist, freuen sich auch die seelischen Sinne. Wenn aber die Seele zerknirscht ist, so verharrt doch der Körper gemäß sich selbst ohne Bewegung und empfindet nicht mit ihr;  die Zerknirschung nämlich ist eine schmerzhafte Empfindung der Seele, ebenso wie Unwissenheit,  Stolz,  Unglaube, Gewinnsucht,  Haß,  Neid,  Zorn,  Kleinmut, Prunksucht (Eitelkeit), Ehrsucht,  Streitsucht und Nichtempfinden des Guten; all dieses und Ähnliches werden von der Seele hervorgebracht.    
    Fortsetzung folgt