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Predigt zum Festtag der hll. Apostelkoryphäen Petrus und Paulus (2. Kor. 11: 21 - 12: 9; Mt. 16: 13-19) (12.07.2018)

Liebe Brüder und Schwestern,

mit dem heutigen Tag endet die Fastenzeit, die jedes Jahr vom Festtag Aller Heiligen bis zum gemeinsamen Gedenktag der beiden höchsten Aposteln andauert. Wir haben schon über die äußeren Unterschiede der beiden obersten Gesandten Christi gesprochen und ihre inneren Gemeinsamkeiten hervorgehoben. Von beiden ist zudem bekannt, dass sie ein besonderes missionarisches Augenmerk auf die Hauptstadt des Römischen Reiches gelegt hatten und dort beide nahezu zeitgleich während der ersten Christenverfolgung im Jahre 67 n. Chr. unter Kaiser Nero ihren irdischen Lebensweg vollendet hatten. Die zurückliegende Fastenzeit ist unsere Referenz an ihr Martyrium.

Heute wollen wir uns jedoch mit dem persönlichen Verhältnis der hll. Petrus und Paulus untereinander beschäftigen. Wir verfügen hierbei nur über begrenztes fundiertes Wissen, doch wollen wir nichtsdestoweniger die wenigen verbrieften direkten Begegnungen der beiden Aposteln heute etwas genauer in Augenschein nehmen. Es ist aber offensichtlich, dass die Kommunikations- und Transportmittel der antiken Welt keinen regen permanenten Austausch, vergleichbar mit unserer Zeit, ermöglichen konnten.

Nach seiner nächtlichen Flucht aus Damaskus (s. Apg. 9:25) ging (damals noch) Saulus nach Jerusalem, wo er nach anfänglichen Berührungsängsten durch die Bürgschaft des Barnabas (in Abwesenheit Petri) Anschluss zu den Aposteln  fand und in deren Gemeinschaft integriert wurde (s. 9:26-28). Drei Jahre nach seiner Bekehrung verweilte Saulus ganze fünfzehn Tage bei Kephas, um ihn kennen zu lernen (s. Gal. 1:18). Was muss das für eine selige Zeit gewesen sein!

Vierzehn Jahre später, im Jahre 51 n. Chr. kam es zur ersten großen Auseinandersetzung in der Urkirche, und zwar darüber, ob bekehrte Heiden das Gesetz des Mose zu beachten hätten oder nicht. Petrus war zunächst Befürworter der vorherigen Beschneidung der Heiden, während Paulus von Anfang an ein Verfechter der Taufe ohne Vorbedingung gewesen war. Beim Apostelkonzil in Jesusalem unter dem Vorsitz des Herrenbruders Jakobus kam man letztlich zu der Übereinkunft, dass Heiden nicht das Gesetz Mosi zu befolgen hätten. Von nun an wurde folgende Aufgabenverteilung manifestiert: Petrus, dem ersten unter den zwölf Jüngern des Herrn, war von Gott das Evangelium unter den Beschnittenen anvertraut, während der "Quereinsteiger" Paulus kraft der ihm verliehenen Gnade zum Dienst unter den Heiden berufen wurde (s. Gal. 2:7-9).

Also trafen sich die beiden größten Apostel zweimal in Jerusalem. Jedoch ist noch eine dritte Begegnung der beiden überliefert - in Antiochia, wo Paulus den Petrus für dessen Unaufrichtigkeit tadelte (s. Gal. 2:11-14). Zuvor hatte nämlich Petrus dort mit Heiden(christen) die Gemeinschaft gepflegt, doch als Juden(christen) aus Jerusalem in Antiochia angekommen waren, entfernte sich Petrus von den Heiden, um keinen Anstoß bei den Juden zu erwecken. Andere waren ebenfalls seinem Beispiel gefolgt, so dass sich der Spätberufene veranlasst sah,  dem Apostel der ersten Stunde in Gegenwart aller zu sagen: "Wenn du als Jude nach Art der Heiden und nicht nach Art der Juden lebst, wie kannst du dann die Heiden zwingen, wie Juden zu leben?" (2:15).

Petrus sah sein Fehlverhalten ein, was ein Merkmal von Größe, nicht von Schwäche ist. Uns aber sollte diese kurze Begebenheit in Antiochia zum Nachdenken über unseren eigenen Zustand vor Gott anregen. Wenn selbst Petrus, mit der größte Apostel, zu Heuchelei neigte, wie sehr müssen wir uns dann vor dieser Unaufrichtigkeit hüten?!.. Priester neigen vielleicht dazu, bei der Obrigkeit und der Gemeinde mehr Gefallen zu finden als bei Gott; Gemeindeglieder tendieren womöglich manches Mal dazu, vor dem Priester oder den übrigen Gläubigen besser dazustehen als es der Wirklichkeit entspricht; Kinder überbieten sich des öfteren in Gefallsucht vor ihren Eltern oder Erziehern und lassen ihre "Nebenbuhler" auch mal dafür genüsslich ins Hintertreffen geraten etc., so dass manch einer sein Erziehungskonzept von Grundauf überlegen sollte. Doch vor allem betrügen wir uns dabei selbst - von der Falschheit vor dem Himmlischen Vater ganz zu schweigen (vgl. Mt. 6:4).

Gemeint ist hiermit vor allem unsere Selbstgerechtigkeit. Wir empfinden doch, dass es uns in irdischen Dingen (Gesundheit, Glück, Geld etc.) an allem mangelt, während wir unsere Defizite in geistlichen Dingen (Liebe, Demut, Dankbarkeit etc.) entweder gar nicht bemerken oder zumindest nicht als störend wahrnehmen. Wollen wir mal zusammen ein imaginäres Experiment durchführen?.. - Gut!.. Ab heute verteilen wir (virtuell) jedem Gottesdienstbesucher wertvolle Geschenke beim Betreten der Kirche. Ich bin sicher, die Kirchen wären sofort voll bis zum Gehtnichtmehr. Doch wenn man die Leute fragen würde, warum sie denn plötzlich jeden Sonntag zur Kirche gehen, würden die meisten wohl sagen: "Um zu Gott zu beten". - Nun gut. Aber nach ein paar Monaten ändern wir die Spielregeln: beim Betreten der Kirche gibt es für jeden eine schallende Ohrfeige und beim Verlassen einen gezielten Fußtritt auf den Heimweg. Mutmaßliche Reaktion der meisten: "Wir können ja auch daheim zu Gott beten". Die Kirche wären wohl wieder halbleer.

Wir haben doch einen Erlösergott, Der Sich um unseres Heiles willen schlagen, auspeitschen und ans Kreuz nageln ließ - einen, Der auch die Verfehlungen Seiner beiden engsten Mitarbeiter (s. 1 Kor. 3:9) liebevoll verzieh, damit sie nach ihrer Bekehrung umso intensiver auf Gottes Ackerfeld arbeiteten. auf unsere Bekehrung wartet Er noch. Wollen wir das alle miteinander erkennen und, dem Beispiel der beiden Apostelkoryphäen folgend, mit Ergebenheit unsere Pflicht vor Gott und den Menschen sorgsam erfüllen. Amen.

Jahr:
2018
Orignalsprache:
Deutsch