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Predigt zum Geburtsfest des hl. Johannes des Täufers (Röm. 13: 11 – 14: 4; Lk. 1: 1-25; 57-68; 76, 80) (07.07.2018)

Liebe Brüder und Schwestern,

 

wir begehen heute das Geburtsfest jenes Heiligen, der nach den Worten unseres Erlösers keinen Ebenbürtigen kennt (s. Mt. 11:11; Lk. 7:28). Er selbst spricht von sich als dem "Freund des Bräutigams", der dabeisteht und sich über die Stimme des Bräutigams freut (s. Joh. 3:29a). Bevor der Bräutigam auf der Hochzeitsfeier erschien, stand damals der "Freund des Bräutigams" (entspricht ungefähr dem heutigen Trauzeugen, der auf Englisch "Best man at the wedding" heißt) noch im Mittelpunkt der Feierlichkeit, indem er die Hochzeitsgäste unterhielt. Sobald aber der Bräutigam erschienen war, war die Freude des Freundes erfüllt (s. 3:29b) und er konnte sich zurückziehen. Über den "Bräutigam" - Christus - sagt Johannes der Vorläufer: "Er muss wachsen, aber ich muss kleiner werden" (3:30). Deshalb begehen wir seine Geburt am 24. Juni (Julianischer Kalender), dem Tag der sommerlichen Sonnenwende, an dem die Tage wieder kürzer werden, während wir das Geburtsfest Christi exakt ein halbes Jahr später zur winterlichen Sonnenwende feiern, von der an die Tage wieder länger werden (die Symbolik ist hierbei maßgeblich, nicht die astronomische Aktualität). Seine Geburt steht also im engen Zusammenhang mit der Geburt Christi, so wie sein Erscheinen in der Wüste auf das Engste mit der beginnenden Offenbarung Jesu als Heiland verbunden ist.

Weitere Fakten für die herausragende biblische u. kirchliche Stellung Johannis:

- er ist der letzte und der größte Prophet (s. Mt. 11:9) des Alten Bundes, denn er verkündete als Letzter die bevorstehende Erscheinung Christi in dieser Welt (s. Mt. 3:11-12; Mk. 1:7-8; Lk. 3:16-17; Joh. 1:26-27);

- er ist zugleich der erste Verkünder der in dieser Welt nun stattgefundenen Erscheinung Christi (s. Joh. 1:15,29-34);

- sein Wirken wurde von den Propheten des Alten Bundes vorher verkündigt und dann nachträglich vom Herrn Selbst bekräftigt: "Seht, Ich sende Meinen Boten, er soll den Weg für Mich bahnen" (Mal. 3:1; vgl. Mt. 11:10; Mk. 1:2), und: "Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen" (Jes. 40:3-5; vgl. Mt. 3:3; Mk. 1:3; Lk. 3:4-6);

- sein Wirken wurde auch im Neuen Bund prophetisch angekündigt; er ist der Vorläufer des Herrn, der noch vor dem Herrn Selbst das nahende Heil verkünden sollte: "Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und Ihm den Weg bereiten. Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken" (Lk. 1:76-77);

- die Umstände seiner Empfängnis und Geburt sind biblisch hinreichend dokumentiert (s. Lk. 1:5-25; 57-80) und liturgisch manifestiert, - eine Würdigung, die sonst nur dem Herrn Selbst bzw. Seiner Mutter zukommt;

- er war der Spross von Eltern, die selbst von Gott mit prophetischer Gabe versehen waren (s. Lk. 1:41-55;67-79);

- sein irdisches Leben war von frühester Kindheit an eine einzige Mühsal, beginnend mit der Ermordung seines Vaters Zacharias (s. Mt. 23:35; Lk. 11:51) und der Flucht mit seiner Mutter Elisabeth in eine Höhle im Bergland von Judäa vor den Schergen des Herodes, fortgesetzt durch ein Leben in unbeschreibbarer Enthaltsamkeit in der Wüste von frühester Jugend an bis zum Beginn seiner Mission (s. Mt. 3:4; Lk. 3:2);

- er wurde als Verkünder der Umkehr zur Erlangung des nahenden Himmelreiches unschuldig in den Kerker geworfen und starb als Gerechter einen ungerechten Tod. Auch darin wurde er zum Vorläufer Christi.

Das Fest der Geburt des heiligen Johannes des Vorläufers wird der liturgischen Kategorie der sogenannten "Großen Feste" zugeordnet. Zu diesen gehören vier weitere: die Beschneidung des Herrn (1. Januar nach Julianischem Kalender), der Schutzmantel der Mutter Gottes (1. Oktober), das Gedächtnis der Apostelkoryphäen Petrus und Paulus (29. Juni) und die Enthauptung des Täufers (29. August). Diese "Großen Feste" sind eine Stufe unter den zwölf Hochfesten angesiedelt. Der heutige Festtag fällt in die Fastenzeit, die wir als Apostelfasten bezeichnen, weil diese Fastenzeit am Tag der beiden größten Apostel endet. Das Apostelfasten ist von seiner asketischen Anforderung die am wenigsten anspruchvolle der vier Fastenzeiten, ist aber gefühlt die schwierigste. Die Motivation der anderen Fastenzeiten ist ja erfahrungsgemäß viel größer. Diesen Fastenzeiten fiebert man förmlich entgegen, zwei davon werden ja mit einem besonderen Tag eingeläutet, was ebenfalls die spirituelle Antriebskraft stärkt. Die jetzige Fastenzeit hingegen ist, zumal, wenn sie so lange dauert wie dieses Jahr, für manch einen inmitten der Urlaubs- und Grillsaison eine Plage. Vielleicht aber kann dem einen oder dem anderen als Stimulation dienen, dass wir während dieser langen Wochen nicht nur des Martyriums der beiden größten Aposteln gedenken, sondern auch die Enthaltsamkeit des Vorläufers des Herrn durch eigene Mäßigung würdigen. An heutigen Tag lesen wir in der Schrift: "Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. Legt (als neues Gewand) den Herrn Jesus Christus an, und sorgt euch nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen" (Röm. 13:13-14). - Wenn sich der größte Diener des Herrn ein Leben lang von Heuschrecken ernähren konnte, werde ich einige Wochen lang Auberginenpastete statt Leberwurst ertragen können. Amen.

Jahr:
2018
Orignalsprache:
Deutsch