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Predigt zum 8. Herrentag nach Pfingsten (1. Kor. 1: 10-18; Mt. 14: 14-22) (30.07.2017)

Liebe Brüder und Schwestern,

 

wir lesen heute von der wunderbaren Speisung der weit über fünftausend Menschen am Ufer des Sees Genezareth (Pilger ins Heilige Land kennen diese Stelle). Uns ist bewusst, dass Gott nicht nach irdischen Gesetzen handelt und schon gar nicht menschlicher Logik folgt, - und doch wollen wir versuchen, die für uns notwendigen und nutzbringenden Schlüsse zu ziehen, ohne gleich daraus eine Gebrauchsanweisung für Wunder konstruieren zu wollen. Versetzen wir uns daher in die Lage der Zuhörer Christi: viele sind von weit her gekommen, um das Wort Gottes zu hören - darunter auch Frauen und Kinder (s. Mt. 14: 21). Niemand hat ihnen Kost & Logis bzw. eine Aufwandsentschädigung in Aussicht gestellt; sie kamen einzig und allein wegen der Verkündigung vom Reich Gottes. Und während die Jünger des Herrn schon beginnen, sich um das leibliche Wohl all dieser Leute Sorgen zu machen, hören diese noch immer gebannt der Predigt zu. Die Kranken unter ihnen werden fast nebenbei vom Herrn geheilt - einzig aus Mitleid zu ihnen (s. Mt. 14: 14). Wie schwer muss es zuvor den Gebrechlichen unter den Zuhörern gewesen sein, sich in diese Einöde zu schleppen! Doch sie taten es um des Himmelreichs willen, und wurden in völliger Übereinstimmung mit dem vorherigen Wort Christi mit leiblicher Gesundheit belohnt (s. Mt. 6: 33). Offensichtlich war ihre Sorge um das Seelenheil so groß, dass sie sogar ihre legitimen materiellen Bedürfnisse vergaßen! Deshalb sorgt Christus nun materiell für sie. Wir hingegen wollen es auf dem umgekehrten Weg haben: zuerst die Befriedigung irdischer Bedürfnisse,  dann (vielleicht... irgendwann...) die Sorge um das Heil der Seele. Aber mit vollem Bauch betet es sich nun mal schlechter...

Von uns erwartet ja niemand, dass wir um der Verkündigung willen alles stehen und liegen lassen und alle irdischen Sorgen völlig vernachlässigen (s. Ex. 20: 9). Aber eine Prioritätensetzung vornehmen, das können wir (s. Ex. 20: 10)! Und Gott wird dann schon erkennen, was in unseren Herzen an oberster Stelle angesiedelt ist. So wie bei Abraham oder Hiob, die von Gott zunächst (im irdischen Sinne) viel Gutes erhalten hatten, und dann, als es darauf ankam, um der Liebe Gottes willen nicht zögerten, all das bereitwillig opfern zu wollen.

Welche Lehre ziehen wir daraus? - Niemand macht gerne Abstriche bei elementaren Bedürfnissen, keiner verzichtet gerne auf liebgewonnene Annehmlichkeiten. Und Gott hat gewiss keine Freude daran, uns diese Dinge zu nehmen oder uns in diesen Dingen einzuschränken. Doch die Erfahrung zeigt, dass Opferbereitschaft für Höheres im Himmel gut ankommt.

Wenn ich z.B. auf dem Athos bei nächtlicher Außentemperatur von 30 Grad und extremer Luftfeuchtigkeit in einem Schlafraum ohne Moskitonetz mit 30 Pilgern aus aller Herren Länder nächtige, die ihre Socken und Unterhemden auf der Fensterbank oder der Rückenlehne der Stühle zum Trocknen auslegen und die Gänge zwischen den Bettreihen mit ihrem dampfenden Schuhwerk verstellen, dann kann ich diese Bedingungen zu meinem eigenen Nutzen nur mit größter Dankbarkeit annehmen. Wie gerne hört man dann um 2.30 Uhr inmitten des Schnarchens der Pilger das Klopfen der Stundentrommel, das zum Gottesdienst ruft! Und welch ein überwältigendes Glücksgefühl nimmt man dann am Schluss  auf der Rückfahrt zurück in diese Welt mit!.. Für das seelische Wohlbefinden sind solche Unterkünfte fünf Sterne, glauben Sie mir!  Und hier bei uns? - Opfer und Verzicht tun uns gut. In reichlich zwei Wochen beginnt die nächste Fastenzeit - die kürzeste im Jahr. Wir haben wieder die Wahl; entweder widerwillige Enthaltsamkeit nach Schema F (während die Nachbarn im Garten Bratwürste grillen und Bier trinken) oder eine freudige Einschränkung einiger überflüssiger Dinge. Jeder kann für sich das entdecken, was er mit größtem Nutzen für sich entbehren kann. Und da gibt es heute so einiges! Zwei Wochen ohne zu rauchen, ohne Alkoholkonsum - wie wohl fühlt man sich danach! Oder zwei Wochen lang nicht bis spät in die Nacht auf der Couch vor der Glotze liegen, sondern  mal was anderes tun, über sein Leben nachdenken und vielleicht fünf Minuten vor dem Schlafengehen in aller Ruhe zu Gott beten. Oder als Jugendlicher - kaum vorstellbar - vierzehn Tage lang nicht den Nacken vor dem Smartphone verkrümmen und keine laute Musik aus dem Walkman unter die Schädeldecke hineindröhnen zu lassen!.. Und schließlich ein älteres Ehepaar, das für die Zeit des Fastens meinetwegen weiter Schinken und Wurst zum Frühstück isst, aber um Gottes willen nicht miteinander streitet und stattdessen alle Problemchen friedlich und in gegenseitiger Zuvorkommenheit löst (s. Röm. 12: 10). Nur zwei Wochen lang! Wer das tatsächlich schafft, der wird nicht nur keine Entzugserscheinungen haben, sondern beglückt feststellen, wie schön es sich doch ohne diese Dinge leben lässt... Das von Gott gegebene Leben kann für alle so schön sein! Wir müssen für uns nur seinen Sinn (neu) erkennen.     

So können wir alle Gott dienen, denn "Seine Gebote sind nicht schwer" (1. Joh. 5: 3). Wir müssen nichts Großartiges leisten, um ein Leben nach Gottes Willen zu führen. Wenn wir erst einmal auf den Geschmack dieser harmonischen Gemeinschaft mit unserem Schöpfer  gekommen sind, wird uns alles Weltliche unwichtig, zumindest nebensächlich, vorkommen. Ist das nicht die Wiedererlangung des Paradieses oder wenigstens ein erster Schritt dahin?!..

Der Herr wollte allein sein, weshalb Er mit dem Boot an diesen abgelegenen Ort fuhr (s. Mt. 14: 13), Er war ja auch Mensch, brauchte Ruhe und Erholung, schöpfte Kraft und Inspiration im Gebet. Aber wenn Er sieht, dass wir uns nach Seiner Anwesenheit sehnen, lässt Er sich gerne umstimmen und schenkt uns neben den verheißenen himmlischen unverhofft auch irdische Güter. Amen.  

Jahr:
2017
Orignalsprache:
Deutsch