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Predigt zum Seelengedenken vor der Großen Fastenzeit (1. Thess. 4: 13-17; Lk. 5: 24-30) (05.03.2016)

Liebe Brüder und Schwestern, 

 

zweimal im Jahr versammeln sich alle orthodoxen Christen weltweit in der Kirche, um gemeinsam aller ihrer im Glauben entschlafenen Vorfahren und Verwandten zu gedenken, und zwar am Samstag vor dem Herrentag vom Jüngsten Gericht (so wie heute) und am Samstag vor Pfingsten. Überhaupt ist grundsätzlich jeder Samstag laut Kirchenordnung ein Seelengedenken, wurde der als „Ruhetag“ (s. Ex. 20: 10) geltende siebte Tag doch durch die Grabesruhe unseres Herrn zwischen dem Kreuztod und der Auferstehung geheiligt.

Das ganze Kirchenjahr enthält aus Sicht eines jeden von uns ja kraft unserer mystischen Einswerdung mit dem Erlöser „autobiographische“ Züge. Seine Geburt ist unsere Geburt, Seine Taufe ist unsere Taufe, Seine Auferstehung und Seine Himmelfahrt sind unsere Auferstehung und Himmelfahrt, und folglich ist unsere persönliche Teilhabe am Pfingstereignis der Empfang des Heiligen Geistes im Mysterium der Myronsalbung. Vor allem aber bedeutet unsere Taufe die Teilhabe am Tode Christi (s. Röm 6: 3-10): wir Sterblichen verbinden uns im Tode mit dem von Natur aus Unsterblichen, der mittels freiwilliger Entäußerung (s. Phil. 2: 7) entgegen der Natur gestorben ist, damit wir Sterblichen auf übernatürliche Weise die Unsterblichkeit erlangen. Wenn also am Großen Samstag mit Christus auch jeder von uns inmitten der Kirche und umgeben von Blumenvasen liegt, so liegt auch Christus inmitten der Kirche mit jedem von uns, wenn für ihn oder sie die Zeit gekommen sein wird. 

 

Um dieser Botschaft möglichst ungehinderten Zugang zu den zweifelnden Herzen und Köpfen der ersten Christengeneration zu verschaffen, verwendet der Apostel Paulus eine außergewöhnlich eindringliche Redewendung, wie sonst kaum: „Brüder, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben“ (1. Thess. 4: 13). Wozu diese doppelte Verneinung? Wir kennen das ja aus der Mathematik: Zweimal Minus gibt Plus. Wenn ich nun sage: „Es ist unmöglich, die Musik Mozarts nicht zu lieben“ - ist das sogar qualitativ viel stärker, als wenn ich es „positiv“ ausdrücken würde: „Es ist möglich, die Musik Mozarts zu lieben“. Damit wird die unzweifelhafte Wahrheit der Auferstehung zum Ausdruck gebracht. Und das ergibt Sinn, gut eine Woche vor der Zeit der Stärkung im Glauben: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1. Kor. 15: 14). Amen.   

Jahr:
2016
Orignalsprache:
Deutsch