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Predigt zum Hochfest der Verklärung des Herrn (2. Petr. 1: 10-19; Mt. 17: 1-9) (19.08.2015)

Liebe Brüder und Schwestern, 

 

das Kondakion zur Metamorphosis des Herrn gibt Aufschluss über die lebendige Erfahrung des Glaubens als Quelle der Verkündigung der Frohen Botschaft: 

 

„Auf dem Berge wurdest Du verklärt, und Deine Jünger sahen Deine Herrlichkeit, Christus, o Gott, soweit sie es vermochten: auf dass sie, wenn sie Dich gekreuzigt sähen, das freiwillige Leiden verstehen könnten und der Welt verkünden, dass Du in Wahrheit des Vaters Abglanz bist“.

 

Glaube ist bei weitem nicht nur ein intellektueller Vorgang, der für sich allein schon zur Rechtfertigung des Menschen genügt, da selbst die Dämonen glauben (s. Jak. 2: 9). Der Glaube ist deshalb vor Gott nur dann wertvoll, wenn er Früchte bringt (vgl. Mt. 13: 1-23;  Mk. 4: 1-20; Lk. 8: 4-15). d.h. wenn er gelebt und durch Taten bezeugt wird. Metropolit Wenjamin (Fedtchenkov, + 1961) begründet sogar, wieso glauben von Natur aus leichter ist, als nicht glauben. Nichtglaube ist von seinem Wesen her eine widerspenstige Trotzreaktion, eine Weigerung zu glauben – außer, man wird atheistisch erzogen und indoktriniert. Solch ideologisch vorbelasteten Menschen wird der Nihilismus als unumstößliche Tatsache dargereicht, obwohl die Existenz einer anderen Welt wissenschaftlich weder zu beweisen noch zu widerlegen ist. Von alters her war es aber so, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen gläubig ist, wenn auch jetzt zunehmend individualistischer und immer weniger formgebunden. Die Kirche bringt das dem Menschen innewohnende natürliche Glaubensempfinden – vom einstigen Höhlenmenschen bis zum zivilisierten Neandertaler der Moderne –  u.a. dadurch zum Ausdruck, dass sie die Taufe von Schwachsinnigen wegen ihrer „Unfähigkeit zum Unglauben“ (Erzpriester Peter Plank, + 2009) praktiziert. 

Die drei Jünger sahen die Herrlichkeit Christi, und wurden im Glauben gefestigt. Sie bezeugten diese später vor der Welt – und wir glauben ihnen. Wir glauben auch solchen Heiligen, die nichts anderes, als die wahrnehmbare Herrlichkeit Gottes schon in ihrem irdischen Leben suchten (s. Ps. 26: 8): der Apostel Paulus sah sie (s. 2. Kor. 12: 1-13), ebenso Wüstenväter wie Antonios und Pachomios, Mönchsväter wie Antonij und Feodossij vom Kiewer Höhlenkloster, Sergij von Radonezh, Alexander von Svira, Hiob von Pocaev, Seraphim von Sarov, und im zwanzigsten Jahrhundert die Starzen auf dem Berg Athos Silouan (+ 1938), Porphyrios (+ 1991) und Paisios (+ 1994). Es sind abertausende von Heiligen, die alles Irdische hinter sich ließen, um nur diesen Schatz und diese Perle zu besitzen (s. Mt. 13: 44-46). Und die Millionen von Glaubenszeugen, welche Folter und Tod nicht fürchteten – sollten sie alle für etwas gestorben sein, an das sie zwar in kindlicher Unbedarftheit „blind“ geglaubt, das sie aber in ihrem Innersten nicht erfahren haben?!.. - Lächerlich!

Vor jedem Gericht kommt Zeugen und deren Glaubwürdigkeit seit jeher eine entscheidende Rolle zu (vor allem zu Zeiten, als forensische Mittel noch unbekannt waren). Gottes Gesetz bildete da keine Ausnahme: die Wahrheitsfindung war mit größter Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit verbunden (s. Dtn. 17: 6; 19: 15;  2. Kor. 13: 1). Zu prüfen war immer, ob evtl. Motive zur Falschaussage vorliegen könnten (Bestechung, Angst vor Repressalien, Befangenheit, Eigennutz etc.). Aber welche „Motive“ sollten Märtyrer oder Eremiten gehabt haben, irgendjemanden zu belügen? - „Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen“ (Hebr. 12: 1). Wem aber glauben Atheisten?! - „Zeugen“, die nichts gesehen und nichts gehört haben...

Wie gesagt, glauben ist im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht; ein Leben nach dem Glauben fällt uns hingegen schwer. Weshalb? - Unmittelbar nach der Verklärung des Herrn erklingen am Fuße des Thabor bemerkenswerte Worte: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk. 9: 24). Auf den ersten Blick ist das paradox, und doch erkennen wir uns alle in diesem Ausruf wieder. Uns allen fehlt der Glaube da, wo es darauf ankommt. Bestes Beispiel ist das Gleichnis vom letzten Sonntag (vom unbarmherzigen Gläubiger, s. Mt. 18: 23-35): Wir verstehen alle, dass - wenn ich meinem Boss zehn Mille schulde und dem Zugriff seiner stets unangemeldet erscheinenden Vollstreckungsgehilfen nur entkommen kann, indem ich seinem Lieblingsneffen dessen Schuld von 100 € erlasse, - ich ein Selbstmörder wäre, wenn ich auf Rückzahlung der lächerlichen hundert Mäuse von ihm beharren würde! Doch im auf das Zwischenmenschliche übertragenen Sinne fürchten wir uns nicht vor Gottes Gericht und verzeihen unseren Mitmenschen nur unwillig ihre Vergehen. Warum? Weil es uns an echtem Glauben mangelt! Wir glauben zwar im Kopf, auch im Herzen, aber danach Leben – das bedarf eben noch einer beträchtlichen Willensanstrengung, einer kompromisslosen Entschlossenheit, die uns aber zumeist abgeht. Wir sind trotz unserer Schwachheit zwar fähig zu glauben und das Richtige zu wollen, tun es aber aus irgendeinem Grunde nicht (s. Röm. 7: 14-25). Unsere menschliche Begrenztheit muss sich also nach der verwandelnden Gnade Gottes sehnen. Nur so können wir als Kinder Gottes in Sein Brautgemach einziehen! Dazu sind wir alle berufen und kraft der empfangenen Gnade des Heiligen Geistes auch fähig. Sinnbild dieser Verwandlung menschlicher in göttliche Natur sind Weintrauben, die heute in der Kirche zum Zeichen der Gnade Gottes, welche jeder von uns überreichlich im Mysterium der Eucharistie empfangen kann, gesegnet werden. Das sind die Früchte unserer Umkehr (s. Mt. 3: 8;  Lk. 3: 8), die unser Herr besonders während der Fastenzeit von uns erwartet. Amen.

Jahr:
2015
Orignalsprache:
Deutsch