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Predigt zum Hochfest der Geburt der Allerheiligsten Gottesgebärerin (Phil. 2:5-11; Lk. 10:38-42; 11:27-28) (21.09.2019)

Liebe Brüder und Schwestern, 

die überlieferten Umstände der Geburt der Mutter des Herrn gleichen der Geburt Johannes des Täufers, die ja ausführlich im Neuen Testament beschrieben wird (s. Lk. 1:5-25; 57-80), wohingegen die Geburt der Gottesgebärerin keine schriftliche Erwähnung im neutestamentlichen Kanon findet, nicht einmal andeutungsweise im Stammbaum des Herrn (s. Mt. 1:17; Lk. 3:23-38), da für diesen die Abstammung des gesetzlichen Vaters (Josefs) ausschlaggebend war. Und doch dürfte außer Frage stehen, dass sich die Geburt eines Mädchens von den heiligen Eltern Joachim und Anna aufgrund deren hohen Alters in ganz Jerusalem samt Umgebung herumgesprochen haben muss. Es ist ja überliefert, dass Joachim und Anna ein großes Festmahl anlässlich ihres späten Elternglücks in dem Haus gaben, das heute noch in der Nähe des Löwentors für Pilger zugänglich ist und Schauplatz zahlreicher Wunder ist. Daraus kann man ableiten, dass die künftige Gottesgebärerin in Jerusalem keine Unbekannte gewesen sein muss, was auch angesichts Ihrer feierlichen Einführung in den Tempel im Alter von drei Jahren entsprechend dem elterlichen Gelübde eindrucksvoll bekräftigt wird. Spätestens nach Ihrem zeichenhaften Einzug in das Allerheiligste vor den Augen der Öffentlichkeit muss den Bewohnern Jerusalems bewusst geworden sein, dass es sich bei der Tochter dieser gerechten Eltern nicht um ein gewöhnliches Mädchen handelte. Hinter den Tempelmauern wurde Ihr aber ein Leben in Abgeschiedenheit ermöglicht, und der Umzug nach Nazareth nach der Vermählung mit Josef (s. Lk. 2:4) war maßgeblich dafür, dass der Heiland später in der Anonymität eines Zimmermannsohns aufwachsen konnte (s. Lk. 4:16; vgl. Mt. 13:54-58; Mk. 6:1-6; Lk. 4:21-30; Joh. 6:42).

Die Geburt der künftigen Gottesgebärerin verkündigte dem ganzen Erdkreis die Freude der nahenden Erlösung. Die Geburt von unfruchtbaren und hochbetagten Eltern sowohl der Gottesgebärerin als auch des Vorläufers Christi war die Vorstufe des noch  größeren und einzigartigen Wunders der Menschwerdung Gottes von einer Jungfrau. Für uns Gläubige stellt die Geburt der zukünftigen Gottesmutter solch eine große Freude dar, weil wir erkennen, dass ohne Ihre Geburt aus einer unfruchtbaren Greisin auch die Errettung der Menschheit aus Ihrem jungfräulichen Schoß nicht hätte stattfinden können. Der Gehorsam Christi „bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil. 2:8) hatte gewissermaßen seinen menschlichen Ursprung in der bedingungslosen Unterordnung Seiner unbefleckten Mutter unter den göttlichen Willen (s. Lk. 1:38) – und dieser im ungebrochenen Gottvertrauen Ihrer leidgeprüften Eltern. Wir wissen ja, dass Kinderlosigkeit in der jüdischen Tradition als Strafe Gottes angesehen wurde und einem Fluch gleichkam. Doch nun werden „in der Geburt der Allerreinsten Joachim und Anna von der Schmach der Kinderlosigkeit“ befreit, wodurch laut Kondakion auch „Adam und Eva von der Verwesung des Todes“ erlöst werden. Wenn das kein Grund zur Freude ist, – wenn man nur den rechten Glauben hat und sein Leben auch wirklich, ohne Wenn und Aber, danach ausrichtet!

Doch diese Welt orientiert sich nach anderen Kriterien. Für die, welche selbst an kaum noch etwas glauben, erscheint es opportun, Jesus Christus mit Mohammed, Konfuzius, Laotse, Buddha und Krishna auf eine Stufe zu stellen, wodurch die christliche Verkündigung relativiert (s. Joh. 14:6) und zu einer von vielen Heilformeln degradiert wird. Diese Form von „Nächstenliebe“ bewirkt z.B., dass auf interreligiösen Foren der Anschlag eines Einzeltäters auf zwei Moscheen in Neuseeland von Moslems wie Christen bis zum Exzess thematisiert wird, während die generalstabsmäßig geplante Anschlagserie auf Kirchen kurz darauf in Sri Lanka nur Funkstille hervorruft. Eben noch liefen alle Drähte heiß, doch plötzlich herrscht Schweigen im Walde…

Die Welt hat auch genug mit sich selbst zu tun. Gerade versammelt sich die Jugend des Planeten, um die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten. Während die Kirche im Megalynarion zum Geburtsfest der Mutter Gottes ausdrücklich auch die heiligen Eltern Joachim und Anna verherrlicht (denen zudem das morgige Nachfest gewidmet ist) und in einigen Wochen im Tempelgang der dreijährigen Maria den beispiellosen Gehorsam gegenüber dem göttlichen und dem elterlichen Willen preist, weil dieser ursächlich für die Rettung der Welt gewesen ist, erdreistet sich die Jugend von heute, angeführt von einer siebzehnjährigen Schwedin, pauschal die Generation ihrer Eltern und Großeltern für die globale Klimaerwärmung an den Pranger zu stellen (man hört, sieht und liest heute ja kaum noch etwas anderes in den Medien). Und wenn dieser Hype sich irgendwann ausgereizt haben wird, wird zielgerichtet ein neues Bedrohungsszenarium aufgebaut, ein weiterer Winkelzug des Feindes unserer Errettung, der immer neue Schreckensnachrichten streut und sofort angebliche Lösungsmodelle entwirft, damit die Herzen und Gedanken der Menschen dauerhaft von der eigentlichen Katastrophe abgelenkt werden: der Abkehr von Jesus Christus! Er ist unser Heiland, sonst niemand!!! Deshalb erinnert uns die Kirche zu jedem Fest zu Ehren der Gottesmutter anhand des Beispiels der beiden Schwestern des Lazarus, worauf es Gott in Bezug auf unser ewiges Heil ankommt: Nicht die „Sorgen und Mühen“ Marthas um irdische Belange führen auf den Weg des Heils, sondern das „Bessere“, das Maria erwählt hat (s. Lk. 10:41-42). Wenn wir uns also, bei aller berechtigter Sorge um weltliche Probleme, zuvörderst dem „einzig Notwendigen“ verschreiben, können wir sicher davon ausgehen, dass uns dieses „Bessere“ nicht genommen wird. Und dann werden sich, mit Gottes Hilfe, auch Lösungen für die zeitlichen Probleme finden lassen (s. Mt. 6:33; Lk. 12:31). Amen.

Jahr:
2019
Orignalsprache:
Deutsch