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Predigt zum Hochfest der Verkündigung der Allerheiligsten Gottesgebärerin und zum vierten Herrentag der Großen Fastenzeit / Gedächtnis des heiligen Johannes Klimakos (Hebr. 2: 11-18; 6:13-20; Lk. 1: 24-38; Mk. 9:17-31) (07.04.2019)

Liebe Brüder und Schwestern,

die heilige Kirche singt heute mit den Worten des Jubellieds: „Heute ist der Anfang unserer Errettung und die Offenbarung des Geheimnisses von Ewigkeit her. Gottes Sohn wird als Sohn der Jungfrau geboren, und Gabriel bringt die frohe Botschaft der Gnade...“ - In zwei kurzen Sätzen wird die Essenz der gesamten Frohen Botschaft sinngemäß zum Ausdruck gebracht: a) unsere von Ewigkeit nach Gottes Ratschluss feststehende Errettung beginnt dadurch, dass der Sohn Gottes durch die Geburt aus der heiligen Jungfrau zum Menschensohn wird und, b) der Himmelsbote verkündet das nun beginnende neue Äon der Gnade Gottes. - Es ist somit, in nuce, das Neue Testament von der Errettung der Menschen durch die Gnade Gottes. Die Verkündigung des Endes der Knechtschaft des Todes (s. Gen. 2:17; Jak. 1:15; Röm. 5:21 u.v.m.) an uns Menschen in Person unserer besten Repräsentantin ist zudem ja schon die Offenbarung des Geheimnisses der Heiligen Dreiheit: Der Vater sendet den Heiligen Geist auf die Jungfrau herab; aus Ihm nimmt der Sohn menschliche Gestalt an und wir haben Anteil daran durch unsere würdigste Vertreterin, eine reine „Magd des Herrn“ (Lk. 1:38) aus dem kleinen Ort Nazareth!

Die Verkündigung (griech. Evangelismos) ist der Beginn der Heilsgeschichte. Heute werden Gott und Mensch eins im unbefleckten Leib der Jungfrau, welcher den mystischen Leib Christi vor-andeutet, in dem sich später die göttliche und die menschliche Natur miteinander vereinen werden (s. Eph. 1:2-23; 4:12).

Das Evangelium ist eine Schatzkarte, die uns zu unendlicher Glückseligkeit führen soll. Wer Abenteuerromane in seiner Jugend gelesen hat, der weiß, dass eine solche Karte den Schatzsucher auch auf Gefahrenstellen hinweist. Ebenso warnt uns das Neue Testament vor den Bedrohungen, die uns auf diesem Wege auflauern – nicht, um uns die Laune zu vermiesen, sondern, damit wir uns gegen jedwedes Ungemach wappnen können (s. Röm. 13:12; 2 Kor. 10:4-5; Eph. 6:14-17). Würde eine Schatzkarte Gefahren durch Räuber, kriegerische Eingeborenenstämme, wilde Tiere, Lawinen, Steinschlag, Stromschnellen, Treibsand etc. unterschlagen, wäre sie keine Anleitung zum Glück, sondern eine heimtückische Todesfalle, die den in Aussicht gestellten unsagbaren Reichtum nur als Lockmittel verwendet, um die Schatzsucher mit voller Absicht ins Verderben zu führen. Einer, der dieses hinterhältige Ziel verfolgte, würde doch abwiegelnd sagen, dass es im Gebirge keine Spur von Lawinengefahr gibt, dass die Wildtiere menschenscheu bzw. die indigenen Völker friedliebend sind, dass man den Weg auch bequem durch das Sumpfgebiet abkürzen könne etc. Genau das tut der Widersacher, da er lügnerisch seine Wege zum „Paradies“ anbietet (s. Gen. 3:4-5; Mt. 4:1-11; Lk. 4:1-13; 2 Kor. 11:14; Gal.1:8). Ohne beide Aspekte der Verkündigung – der Verheißung und der Warnung – würden wir „als falsche Zeugen Gottes entlarvt werden, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben“ (1 Kor. 15:15). So aber ist die Marschrichtung festgelegt: „Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt“ (Phil. 3:14). Für diese Verkündigung dürfen wir, zusammen mit den Aposteln, nur Verfolgung und Ablehnung in dieser Welt erwarten (s. 2 Kor. 12:10; 2 Thess. 1:4).

Die Kirche besitzt diese Schatzkarte, aber was folgt daraus? Man schätzt uns Orthodoxe vielleicht für unsere Kirchengesänge (Kirchen und Konzertsäle sind jedes Mal pfropfenvoll, wenn unsere Chöre durch die Lande tingeln), aber durch Warnhinweise in Bezug auf die Konsequenzen permanenter Missachtung biblischer moralischer Normen fühlen sich Ökumene-Romantiker in zunehmendem Maße auf den Schlips getreten. Sie wollen uns lediglich vom folkloristischen Aspekt her wahrnehmen, als bunten Farbtupfer in der fruchtlosen ökumenischen Tristesse, und wünschen sich sogar, dass wir ihnen in genauester Kenntnis der auf sie lauernden Gefahren sagen: „Ja, dieser Bergpass ist völlig ungefährlich. Es herrscht keinerlei Gefahr durch Schneeabgänge, Erdrutsche, Gletscherspalten oder durch plötzliche Wetterumschwünge. Besondere Reisevorkehrungen und Spezialausrüstung sind völlig überflüssig. Ihr habt vor nichts und niemandem etwas zu befürchten!“ ...

Sinnbild für die heilsnotwendige Geradlinigkeit der Orthodoxie ist der heilige Johannes Klimakos (+649), der den sehr beschwerlichen Aufstieg zu himmlischer Herrlichkeit selbst beschritten und eine detaillierte Wegbeschreibung für die Nachwelt in Form seiner „Himmelsleiter“ hinterlassen hat. Sein Gedächtnis ehrt die Kirche am vierten Sonntag der Großen Fastenzeit. Aus seinen Ausführungen über den Kampf mit den Leidenschaften der Seele wird deutlich, dass keine Seilbahn aufwärts in den Himmel führt, so sehr sich das einige Leute auch wünschen würden. Vielmehr kann durch Gebet und Fasten, gepaart mit Demut und Gehorsam, ein zwar schwieriger, aber doch sicherer Weg zum ersehnten Ziel gefunden werden, Ich wäre ein Tor, würde ich auf die Erfahrungen eines bewährten Führers verzichten, der die besagte Wegstrecke selbst unzählige Male durchschritten hat und alle Gefahren und Unwägbarkeiten bestens kennt. Unsere Kirche besitzt den Sammelband aller solcher Wegbeschreibungen zum Heben des unvorstellbar kostbaren Schatzes (s. Mt. 6:20, vgl. Lk. 12:33; Mt. 13:44), dessen Reichtum für alle reicht, so dass wir uns niemals davor scheuen werden, ihn mit anderen teilen zu wollen. Und den Ausgangspunkt für den Weg der Errettung aller Menschen sehen wir am heutigen Tage in der Verkündigung an die allerheiligste Gottesgebärerin. Amen.  

Jahr:
2019
Orignalsprache:
Deutsch